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Opel-Rettung Warum GM bei Opel die Muskeln spielen lässt

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GM bleiben drei Optionen

Aus taktischer Sicht ist GMs Zaudern und Zögern also durchaus verständlich. Zumal dem Konzern nach der Vertagung der Entscheidung noch drei mögliche Strategien bleiben:

Noch mehr Zugeständnisse:

Am 17. September startet in Frankfurt die Automesse IAA. Zehn Tage später wird in Deutschland der Bundestag gewählt. Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte sich auf der IAA gerne als Opel-Retterin inszenieren, wie die WirtschaftsWoche bereits berichtete. Der politische Druck spricht dafür, dass die Bundesregierung zu weiteren Zugeständnissen bereit sein dürfte. Von dieser Situation könnte GM noch profitieren wollen – und vielleicht den einen oder anderen kritischen Punkt, der bereits als ausverhandelt gilt, nochmals aufschnüren. Das Zuwarten hat also durchaus Kalkül.RHJI nach der Wahl durchdrücken: Nach der Bundestagswahl dürften sich die politischen Verhältnisse verschieben. In einer solchen Situation ist zum einen ein Finanzinvestor als Opel-Retter deutlich leichter durchsetzbar. Zum anderen lässt sich danach erneut über mögliche Staatskredite für RHJI verhandeln.Mit einer Fortsetzung seiner Hinhaltetaktik könnte GM also darauf hinarbeiten, dass RHJI doch noch zum Zug kommt – wenn auch möglicherweise mit geringeren Staatskredit-Zusagen als Magna. Doch das deutsche Staatsgeld ist ja im Kern nicht GMs Problem.Opel im Alleingang sanieren: Bis vor kurzem schien es sicher, dass GM Opel verkaufen will. Doch nun verdichten sich die Hinweise, dass GM möglicherweise an Opel festhält. Laut einem Bericht des Wall Street Journal prüft GM nun Alternativen zu einem Opel-Verkauf. Die Amerikaner könnten versuchen, Opel im Alleingang und ohne Staatshilfen zu sanieren. GM bastelt offenbar an einem Finanzierungsplan über 4,3 Milliarden Dollar (rund drei Milliarden Euro) zur Opel-Rettung. Das Geld könnte der Konzern durch den Verkauf von Firmenteilen in China aufbringen. Die Meldungen lassen zwei Lesarten zu: Entweder ist GM das Europa-Geschäft wichtiger als bisher zugegeben. Oder der US-Konzern will der Bundesregierung und Magna damit weitere Zugeständnisse abpressen.

GM hat also drei Optionen offen – bloß der Bundesregierung gehen sie schön langsam aus. Denn der Opel-Treuhandrat kann auf GM keinen Druck ausüben. Er kann erst nach einer GM-Entscheidung zustimmen. Und vor zu starkem politischem Druck auf die USA hat heute bereits der Treuhandvorsitzende Fred Irwin, der Chef der deutsch-amerikanischen Handelskammer, gewarnt.

Opel bei Bundesregierung doch nicht Chefsache?

Allem Aktionismus zum Trotz hat die Opel-Rettung politisch offenbar längst nicht jene Priorität, die den Deutschen gerne suggeriert wird. Kürzlich erst ließ die Kanzlerin via RTL ausrichten, dass sie bei Bedarf ihr gesamtes politisches Gewicht für Magna einsetzen werde.  Doch bei dem heute eilig einberufenen Gespräch zwischen einem GM-Vertreter und der Opel-Task-Force war von einer Kanzlerinnen-Beteiligung nicht mehr die Rede. Selbst beim Drängen auf eine rasche Entscheidung rudert die Regierung zurück: „Es gibt hier nicht diesen Zeitdruck“, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm heute „Je schneller die Entscheidung fällt, desto besser, fügte er noch hinzu. Richtiger Druck sieht anders aus.

Jetzt rächen sich die taktischen Fehler der Bundesregierung. Mit ihrer frühen Festlegung auf Magna hat sich aus freien Stücken eines Spielraums beraubt, den sie jetzt gut brauchen könnte.

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