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Opel-Rettung Was GM am Magna-Konzept nicht gefällt

Der Magna-Einstieg bei Opel rückt in weite Ferne. Die Amerikaner fürchten, Russland könne auch Einblick in das GM-Rüstungsgeschäft nehmen.

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Opel-Produktion der Quelle: dpa

John Smith haute wieder in die Tasten. Wie schon vor zwei Wochen bremste der Chefunterhändler von GM in seinem Internet-Blog verfrühte Hurra-Rufe der deutschen Seite und mokierte sich über „manchmal irreführende Medienberichte“. Hessens Finanzstaatssekretär Thomas Schäfer, Mitglied in der sogenannten Opel-Task-Force von Bund und Ländern, hatte eine Einigung – auf Magna natürlich – „in den nächsten 48 Stunden“ angekündigt. Smith konterte kühl: Er werde die Leser „in den nächsten Wochen“ auf dem Laufenden halten.

Die Vorliebe von GM für den Finanzinvestor RHJI gründet dabei nicht auf heimlichen Absprachen, sondern auf der Abneigung gegen Magna. Nicht ein oder zwei Probleme – wie kolportiert – trennen die Opel-Mutter und das Konsortium unter österreichischer Führung. 52 Streitpunkte hatte GM anfangs aufgelistet, die es dem Autokonzern aus Detroit unmöglich machten, den Vertrag mit Magna abzuschließen.

Amerikaner misstrauen Magna

Am vergangenen Dienstag waren immer noch 19 Punkte offen. Dabei ging es um Patente und Technologietransfer, die Finanzierung, um gesellschaftsrechtliche Fragen – und vor allem: um die Rolle und den Einfluss der russischen Partner von Magna. Die Amerikaner werfen Magna vor, das Unternehmen habe sich unter dem wachsenden Einfluss der Sberbank immer weiter von dem Memorandum of Understanding entfernt, das in der historischen Nacht im Berliner Kanzleramt ausgehandelt wurde.

So beharrte Magna auf einem weitreichenden Zugriff auf das technische Wissen von GM. Und das betrifft nicht nur den Automobilbau. Rund fünf Prozent des Umsatzes macht der US-Gigant mit Rüstungsgütern – auch diese Blaupausen lagern im großen Patente-Pool. Die Forderung von GM, den Zugriff auf die Automobiltechnik zu begrenzen, habe Magna bisher stets abgelehnt, heißt es aus Verhandlungskreisen.

Misstrauisch macht die Amerikaner zudem Magnas Weigerung, GM in seinen Gesellschaftsvertrag mit der Sberbank schauen zu lassen. Der US-Autobauer fürchtet, das Moskauer Geldhaus könne seine Anteile beliebig an andere russische Firmen weitergeben – nicht nur an das marode Autowerk GAZ, das den klapprigen Wolga zusammenschraubt. Dazu heißt es in der Opel-Führung, diese Unterscheidung mache doch gar keinen Sinn: „Wir haben nur einen Partner – den russischen Staat.“

Inzwischen hat die Regierung in Washington sogar die klare Anweisung an GM gegeben: keine Unterschrift unter einen Vertrag mit Magna, solange nicht der Einfluss – und vor allem der Einblick – der russischen Seite gestoppt werde. Nun haben sich Magna und Sberbank zumindest bereit erklärt, dass die Anteile höchstens an GAZ oder an die Förderbank VEB weitergegeben werden, eine Art russische KfW.

Damit aber ist der Russland-Ärger nicht vorbei. Mit der Marke Chevrolet verdient GM vor und hinter dem Ural jedes Jahr 800 Millionen Dollar; Magna möchte sich das Geschäft gern einverleiben, obwohl dies nichts mit der Opel-Übernahme zu tun hat. GM wäre immerhin bereit zuzulassen, dass Händler beide Marken anbieten, die Che-vys aber nur auf Rechnung der US-Mutter.

Bund erhöht Druck - auch auf GM

Die Bundesregierung solle sich nun bemühen, Magna und Sberbank so weit wie möglich an die ursprünglichen Abmachungen zurückzuführen, verlangt die US-Seite. Auch der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) fordert: „Es reicht nicht, nur in Washington zu verhandeln. Moskau ist genauso wichtig.“

Auch Vertreter von Bund und Ländern machten vergangene Woche noch einmal Druck. Nicht nur auf Magna und RHJI, sondern auch auf GM: Die Forderung nach höherem Eigenkapital gelte nicht nur für die neuen Investoren, sondern auch für GM selbst, das ja – je nach Konzept – mit 35 oder sogar 40 Prozent an der neuen Opel-Gesellschaft beteiligt bliebe.

Aus den USA tönt es inzwischen so: „Die Bundesregierung sollte sich nach Alternativen zu Magna umsehen und auch eine Insolvenz in Betracht ziehen“, mahnt einer der Amerikaner. Berlin und die Länder hätten sich zu sehr in die Ecke manövriert. „Das Magna-Angebot entspricht nicht der wirtschaftlichen Realität, sondern nur den deutschen Wünschen.“

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