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Opel-Sanierung General Motors präsentiert sich in neuer Stärke

General Motors schrieb auch im vergangenen Quartal einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar. Das Ergebnis ist besser als erwartet. Zudem hat GM angekündigt, mit der Rückzahlung der Milliardenkredite der US-Regierung zu beginnen.

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General Motors will Kredite Quelle: dpa

Der Opel-Mutterkonzern General Motors sieht nach seinem Neustart wieder Licht am Ende des Tunnels. Nach dem Abschluss des Insolvenzverfahrens schrieb der größte US-Autobauer im dritten Quartal zwar noch immer ein Minus von 1,2 Milliarden Dollar (802 Mio Euro). Der Verlust war aber kleiner als von vielen Experten geschätzt. Der Umsatz lag im dritten Quartal bei 28 Milliarden Dollar. Das waren fünf Milliarden Dollar mehr als im zweiten Quartal. Die Zahlen sind wegen des Insolvenzverfahrens aber nur schwer vergleichbar. Der Verlust könnte zudem noch bestimmte Sondereffekte ausklammern. Seit Anfang 2005 hatte der US-Hersteller Verluste von mindestens rund 90 Milliarden Dollar angehäuft.

Das Ergebnis sei weit besser als in vorigen Quartalen und ein Zeichen dafür, dass man die Trendwende beginne, teilte GM mit. Mit der Rückzahlung von Krediten der US-Regierung in Höhe von 6,7 Milliarden Dollar wolle man im Dezember beginnen - dann sollten 1,2 Milliarden Dollar zurückfließen, hieß es. Der komplette Betrag solle bis 2011 zurückgezahlt sein, vier Jahre früher als ursprünglich geplant. Der Konzern war mit Staatshilfen von mehr als 50 Milliarden Dollar vor dem Untergang gerettet worden.

Bereits am Freitag hatte General Motors hat eine weitere Tranche des deutschen Brückenkredits für Opel zurückbezahlt. Der US-Autobauer habe 200 Millionen Euro überwiesen, teilte GM mit. „Der noch ausstehende Betrag in Höhe von 400 Millionen Euro wird bis 30. November bezahlt werden“, sagte GM-Europe-Finanzvorstand Enrico Digirolamo. Bund und Länder hatten Opel Ende Mai mit einem bis zu 1,5 Milliarden Euro schweren Brückenkredit vor der Insolvenz bewahrt.

General Motors soll wieder an die Börse

Der Autokonzern war mit Staatshilfen von mehr als 50 Milliarden Dollar vor dem Untergang gerettet worden. Für den Großteil der Hilfen bekam die US-Regierung den Mehrheitsanteil von 60 Prozent an GM. Sie will die Beteiligung schrittweise nach einem Börsengang der neuen GM-Gesellschaft abstoßen. Es war zuletzt unklar, ob General Motors bereits im kommenden Jahr an den Aktienmarkt zurückkehren kann.

GM könnte den Kredit möglicherweise auch mit Geld von der Regierung selbst zurückzahlen, berichtete das "wall Street Journal". Auf einem Treuhandkonto lägen noch 13,4 Milliarden Dollar für das Unternehmen. Laut der Kreditvereinbarung mit der Regierung dürfe GM für die Rückzahlung des Darlehens auch vom Staat erhaltenes Geld verwenden.

Streit um Staatshilfen

In Deutschland wird weiter über eine Beteiligung an der sanierung mit Staatsgeldern gestritten. So ist Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) wegen seiner ablehnenden Haltung von Staatshilfen in die Kritik einiger Bundesländer mit Opel-Standorten geraten. „Wir - der Bund und die vier betroffenen Länder - haben eine klare Absprache, auf der bestehe ich“, sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck der „Süddeutschen Zeitung“.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sagte der Zeitung, die Opel-Mutter General Motors (GM) müsse nun „klar sagen, wie sie Opel retten will“. Sobald ein Konzept vorliege, würden „Bund und Länder - wie bisher - gemeinsam antworten“.

Brüderle hatte zuvor erklärt, GM könne staatliche Hilfen zur Opel-Sanierung höchstens von den vier Bundesländern mit Opel-Standorten erwarten. Dies sind Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. Vom Bund, so der FDP-Minister, werde es keine Unterstützung geben. Laut Beck sei es „nicht akzeptabel, wenn die Bundesregierung aus Absprachen ausschert, die wir erst vor zehn Tagen getroffen haben“.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) forderte ebenfalls GM auf, erst einmal einen Sanierungsplan vorzulegen. Eine mögliche Hilfe des Bundes für den angeschlagenen Autobauer Opel steht nach Kochs Einschätzung derzeit nicht zur Debatte.

Die Opel-Zentrale in Quelle: dpa

Am Wochenende hatte GM einen ersten Schritt getan, um der deutschen Kritik zu begegnen:  Der Mutterkonzern hatte angekündigt, seine Europa-Zentrale von Zürich nach Rüsselsheim zu verlegen. „Wir wollen damit die Marke Opel und den Standort stärken“, sagte ein Unternehmenssprecher.

Nach dem Verkauf von Saab wolle sich der US-Konzern in Europa nun auf seine Tochter Opel, die ihren Stammsitz in Rüsselsheim hat, sowie die Marke Chevrolet konzentrieren. Die Standortentscheidung wird von Branchenkennern als Reaktion von GM auf die öffentliche Kritik an dem Gezerre um die Opel-Zukunft gesehen.

Erst Anfang November hatte der wiedererstarkte Konzern entschieden, Opel zu behalten und nicht an den Zulieferer Magna zu verkaufen. GM will seine Tochter nun aus eigener Kraft sanieren. Das Opel-Stammwerk südwestlich von Frankfurt am Main ist mit rund 15 600 Mitarbeitern das Herz von Opel. Hier läuft der neue Mittelklassewagen Insignia vom Band.

In Rüsselsheim ist zudem das Internationale Entwicklungszentrum (ITZ) angesiedelt. Daneben hat Opel in Deutschland noch Werke in Bochum, Kaiserslautern und Eisenach.

Umzug nach Rüsselsheim bis Jahresende

Der Umzug der rund 150 GM-Mitarbeiter aus Zürich hat bereits begonnen und soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Dort bleibt dann nur noch die Verwaltung der GM-Tochter Chevrolet sowie von Opel Schweiz. Seit Mitte der 80er Jahre hatte der Konzern seine Europa-Zentrale in der Schweiz. Der Betriebsrat begrüßte die GM-Entscheidung zum Umzug. „Das ist eine logische Konsequenz und eine Hommage an den Standort Rüsselsheim“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz.

Mit dem Umzug könnte Opel auch Punkte sammeln, um die Bundesregierung zu besänftigen. Denn auch wenn GM widersprüchliche Signale zu möglichen Staatshilfen aussendet, glauben Experten nicht, dass der US-Konzern die Opel-Sanierung ohne Hilfe des Staates schaffen wird.

Nach Einschätzung des Opel-Aufsichtsrates und IG- Metall-Chefs von Hessen, Armin Schild, wird die Sanierung teurer als von GM bislang genannt. Statt der eingeplanten drei Milliarden Euro koste die Restrukturierung mindestens sieben Milliarden Euro, sagte Schild im Interview mit der Wirtschaftswoche.

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