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Opel Zahlreiche Fragezeichen bei General Motors

General Motors gibt sich stark, doch der Schuldenabbau ist ein Taschenspielertrick und intern gibt es zahlreiche offene Fragen und Querelen. Über die Zukunft der Werke soll demnächst entschieden werden.

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Opel-Werk Bochum: Entscheidung Quelle: dpa

Der US-Autobauer General Motors will im Laufe der kommenden zwei Wochen über das Schicksal der europäischen Opel- Standorte entscheiden. Das teilte der neue Chef von GM Europe, Nick Reilly, am Montagabend bei einer Unterredung mit Vertretern der flämischen Regionalregierung mit, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete.

Reilly habe klargemacht, dass schwierige Entscheidungen anstehen, ohne aber die von den Gewerkschaften befürchtete Schließung des Standorts Antwerpen zu nennen. Reilly betonte erneut die Notwendigkeit, die Überkapazitäten von Opel in Europa abzubauen. Dies zu verschieben helfe niemandem. Innerhalb der nächsten zwei Wochen werde es eine „transparente und begründete Entscheidung“ geben. Nähere Details wurden nicht genannt. Reilly betonte lediglich, Antwerpen sei „ein gutes Werk“.

"GM ist nicht über den Berg“

Gestern hatte GM erstmals nach der Insolvenz Zahlen vorgelegt. Nachdem die enormen Verluste endlich sinken, startet die Opel-Mutter mit dem Abbau ihrer Milliardenschulden bei den Steuerzahlern. Doch die Probleme des Traditionskonzerns sind noch längst nicht gelöst. "GM ist nicht über den Berg“, zitierte die „New York Times“ am Montag einen Insider bei General Motors.

Und wie die Mutter, so die Tochter: Auch bei Opel in Rüsselsheim sind in der erneuten Hängepartie mehr Fragen offen als beantwortet. Mit seinem Sanierungskonzept für die europäische Tochter lässt sich GM nach der Absage an den Investor Magna so reichlich Zeit, dass die beteiligten Landes- und Bundespolitiker auch ohne Geschäftsgrundlage neuen Streit um künftige Staatshilfen begonnen haben. Bei GM wiederum tobt ein interner Streit, ob man erneut um Staatshilfen bitten soll.

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    Opel Hauptsitz in Shanghai

    Mit Carl-Peter Forster ist der vorderste Opel-Lenker nach Indien abgefahren, der Brite Nick Reilly erklärtermaßen nur eine Übergangslösung auf dem Chefsessel. Die von der Belegschaft erhoffte Eigenständigkeit lässt ebenfalls auf sich warten. Zwar ist die ungeliebte Verwaltungseinheit GM Europe in Zürich aufgelöst, doch nun gehört Opel inklusive der britischen Schwester Vauxhall einstweilen zu GM International (GMIO) mit Hauptsitz in Shanghai.

    Geglänzt haben die Opel-Verkäufe im dritten Quartal mit einem Rückgang von knapp 10 Prozent auch nicht. Ob die Rüsselsheimer künftig nach China oder nach Detroit berichten müssen, sei noch nicht geklärt, berichtet ein Insider. Die vom Betriebsrat erhoffte Opel AG scheint jedenfalls in weite Ferne gerückt zu sein.

    Bei der Mutter sind die Aussichten noch unklarer. Brutal offenbart sich die andauernde Orientierungsfahrt im Machtkampf an der GM- Spitze: Mehrfach brüskierte der von US-Präsident Barack Obama als starker GM-Mann berufene Verwaltungsratsvorsitzende Edward Whitacre (68) den Top-Manager des Konzerns, Fritz Henderson. Der 50 Jahre alte Henderson gilt bei vielen intern wie extern nur noch als Übergangskandidat.

    Mit seinen ersten Zahlen nach dem Neustart per Insolvenzverfahren wollte GM nun Fortschritte bei der Sanierung beweisen. „Wir sind in mancher Hinsicht unserem eigenen Zeitplan voraus“, sagte Henderson am Konzernsitz in Detroit.

    In der Tat: Der Verlust von 1,2 Milliarden Dollar (802 Mio Euro) im dritten Quartal ist kleiner als im Vorjahr und geringer als von vielen erwartet. Die Tendenz sieht für Analysten damit etwas besser aus, aber wie viel das wirklich über die Lage des größten US-Autobauers sagt, ist fraglich. Die Zahlen sind nur bedingt mit dem alten GM-Konzern vergleichbar und basieren nicht auf Standard-Bilanzregeln.

    Schuldenabbau ist "Taschenspielertrick“

    Und der Schuldenabbau ist nach Ansicht mancher Experten „ein bisschen ein Taschenspielertrick“: Zur Rückzahlung der Staatshilfen an die USA in Milliardentranchen benutzt GM ausgerechnet andere Kreditlinien - und die kommen letztlich auch vom Steuerzahler.

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      Noch offen ist zudem der Termin für die geplante Rückkehr an die Börse. Das zunächst lautstark ausgegeben Ziel zweites Halbjahr 2010 wackelt. Ein Datum für schwarze Zahlen unter dem Strich fehlt auch. Den letzten Jahresgewinn hatte GM im Jahr 2004 erzielt. Von der Konkurrenz sieht GM derzeit ohnehin nur die Rücklichter - und selbst diese entschwinden zusehends. Der heimische Erzrivale Ford benötigte trotz ebenfalls hoher Verluste bisher keine Staatsspritze. Die Trendwende scheint bei der Nummer zwei der US-Hersteller viel näher. An der globalen Branchenspitze haben der weltgrößte Autobauer Toyota aus Japan und der Volkswagen-Konzern bereits wieder ambitionierte Ziele. Der einst jahrzehntelang nach Absatz global führende GM-Konzern ist da gegenwärtig keine ernste Gefahr.

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