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Patentanmeldungen Chinesischer IT-Riese Huawei ist Europas Patentkönig – vor Siemens

Das Europäische Patentamt verzeichnet 17 Prozent mehr Anmeldungen aus China. Am innovativsten ist Huawei. Aber auch Siemens zeigt sich stolz.

Der chinesische IT-Konzern ist zu einem ernsten Wettbewerber von Apple und Samsung aufgestiegen. Quelle: Bloomberg

MünchenSchon die Einladung zeigt, dass es um etwas Großes gehen soll. In der Mitte ragt der beleuchtete Eiffelturm in die Höhe, darunter steht der Schriftzug „mehr sehen mit KI“. Huawei stellt Ende März sein neues Spitzen-Smartphone P20 in Paris vor, hunderte Journalisten und Analysten aus aller Welt werden sich auf den Weg machen. Der chinesische Konzern, der Netzwerktechnik und IT herstellt, ist mit seiner Technologie schließlich ein ernstzunehmender Konkurrent für Apple und Samsung.

Die Zeiten, in denen deutsche und andere europäische Unternehmen vor allem Sorge hatten, dass chinesische Konkurrenten ihre Innovationen kopieren könnten, sind vorbei. Inzwischen setzen viele chinesische Unternehmen verstärkt auf eigene Innovationen. Das zeigt sich nun auch beim Europäischen Patentamt: Im vergangenen Jahr landete mit Huawei erstmals ein chinesisches Unternehmen auf dem ersten Platz. Die Patentanmeldungen aus China insgesamt stiegen um fast 17 Prozent. Damit rückte das Land unter die Top 5 der Anmelder-Nationen auf.

„Das überrascht mich nicht“, sagte Beat Weibel, weltweiter Patentchef von Siemens, dem Handelsblatt. Huawei zum Beispiel sei schon seit längerem eine der chinesischen Firmen, die mit Macht auf die traditionellen westlichen Märkte drängen. Dazu sei Huawei in einer Branche aktiv, in der Technologie und Patente eine wichtige Rolle spielen.

Das gilt in vielen Bereichen auch für Siemens. Der Münchener Technologiekonzern konnte die Zahl der Einreichungen um knapp 19 Prozent auf 2.220 Patentanmeldungen steigern und verzeichnete damit den größten Zuwachs unter den Top 10.

Insgesamt verzeichnete das Europäische Patentamt 2017 einen Rekord von 166.000 Anmeldungen, ein Plus von 1,9 Prozent. „Die wachsende Nachfrage nach europäischen Patenten bestätigt Europas Attraktivität als führender Technologiemarkt“, sagte EPA-Präsident Benoit Battistelli.

Die Menge allein macht es aber nicht. Siemens hatte vor einigen Jahren angekündigt, nicht mehr so sehr auf die Zahl der Patente zu schauen. Statt Gießkannenprinzip sollten nur noch die wichtigen Ideen, die sich auch einmal kommerzialisieren lassen, geschützt werden. „Siemens konzentriert sich auf definierte Innovationsfelder, die für unsere Kunden und damit den Erfolg unseres Hauses ausschlaggebend sind“, drückte es Kaeser kürzlich aus.

Und doch sind sie in München nun stolz auf Platz zwei. „Es ist uns gelungen, sowohl die Qualität als auch die Quantität der Patente zu steigern“,  sagte Weibel. Die zusätzlichen Investitionen zahlten sich aus. Konzernchef Joe Kaeser hatte seit 2014 die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um 40 Prozent auf etwa 5,6 Milliarden Euro im laufenden Geschäftsjahr gesteigert.

Bei Siemens spielt bei den Patentanmeldungen die Digitalisierung eine zunehmend wichtige Rolle. Für die Patentabteilungen sei das eine Herausforderung, sagt Weibel. Das Berufsbild verändere sich. Im vergangenen Jahr hat ihn bei Siemens unter anderem eine Erfindung beeindruckt, bei der die Blockchain-Technologie bei einem 3D-Druck-Verfahren eingesetzt wird.

Die aktuelle Patentstatistik zeigt wieder, dass vor allem die Asiaten die Europäer herausfordern. LG und Samsung meldeten im vergangenen Jahr zwar weniger Patente beim Europäischen Patentamt an, sie landeten aber immerhin auf Platz drei und vier. Erst auf Rang neun folgt mit Bosch ein zweites deutsches Unternehmen. Immerhin stammt aber jede dritte Patentanmeldung in Europa von einem deutschen Unternehmen.

Die größten Zuwächse gab es bei den Anmeldungen von deutschen Unternehmen in der digitalen Kommunikation und bei der Computertechnik. Laut einer Studie des Patentamts sind die Deutschen vor allem beim Thema Industrie 4.0 führend.

An der Spitze aber rangiert Huawei. Die Chinesen steigerten die Einreichungen leicht auf 2.398 Patentanmeldungen. Vor einigen Jahren war der Name Huawei nur Experten für Telekommunikation ein Begriff. Doch der chinesische Konzern hat sich in den vergangenen Jahren mit hochwertiger und gleichzeitig erschwinglicher Hardware einen Namen gemacht. So hat er einen Chip entwickelt, der auf dem Smartphone Anwendungen mit künstlicher Intelligenz bewältigen kann – und beispielsweise Fotos automatisch aufwertet.

Die Chinesen also lassen ihre Erfindungen verstärkt durch ein Patent schützen. Doch gibt es die selben Schutzgarantien auch für europäische Unternehmen in China? „Vom rechtlichen Rahmen her ist die Lage vergleichbar“, sagt Weibel.

Patentchef Weibel ist zuversichtlich, dass Siemens auch in den kommenden Jahren mit Erfindungen glänzen kann. Den ersten Platz im Patentranking zu erobern, sei aber nicht das primäre Ziel. Das Wachstum von 19 Prozent lasse sich nicht jedes Jahr wiederholen. „Vorne mitspielen ja, aber der erste Platz ist nicht mein Ziel.“ 

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