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Pharma Merck will in allen Geschäftsfeldern zukaufen

Der Darmstädter Pharma- und Chemie-Konzern Merck plant in allen Geschäftsfeldern Zukäufe und hat erneut bestätigt, dass er das angestrebte Umsatzwachstum von bis zu fünf Prozent im Jahr 2009 erreichen wird.

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Vorstandschef Kley sagte der WirtschaftsWoche, dass man deshalb auch keinen Personalabbau plane. „Wir werden auch 2009 zu den Gewinnern gehören und unseren Umsatz um bis zu fünf Prozent steigern sowie eine Umsatzrendite von 15 bis 20 Prozent erreichen.“ Bislang habe Merck keine Mitarbeiter entlassen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir in absehbarer Zukunft ohne Arbeitsplatzabbau über die Runden kommen.“

Die Umsätze in den  einzelnen Sparten entwickelten sich allerdings sehr unterschiedlich. „Alle Chemikalien, die wir etwa für Labore oder Nahrungsmittel herstellen, laufen gut. Alles, was in Kosmetika oder in Autolacke hineingeht, etwa unsere Pigmente, leidet am Markt. Bei unseren Flüssigkristallen hatten wir im November einen Einbruch, weil die TV-Hersteller nicht mehr geordert und erst mal die Läger abgebaut haben. Die sind jetzt leer geräumt, es wird wieder bestellt. Die Nachfrage nach LCD-Fernsehern ist unvermindert stark.“

Im Pharmabereich liefen vor allem rezeptfreie Medikamente gut. „Im Geschäft mit unseren rezeptfreien Medikamenten, wie etwa dem Nasenspray Nasivin, wachsen wir stärker als der Markt. Das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Präparaten läuft weltweit ordentlich. Schwierig ist es immer dann, wenn die Patienten teure Leistungen privat bezahlen müssen.“ Das betreffe beispielsweise Medikamente zur künstlichen Befruchtung.

Zukäufe geplant

Trotz der Probleme bei der Zulassung von Erbitux als Medikament zur Behandlung von Lungenkrebs durch die europäische Zulassungsbehörde EMEA ist Kley optimistisch, dass Merck mit dem Medikament schon im übernächsten Jahr einen Umsatz von mehr als einer Milliarden Euro erzielen kann. „Erbitux ist ein Medikament, das bereits bei Darmkrebs und Kopf-Hals-Tumoren zugelassen ist. Lungenkrebs ist ein weiteres Anwendungsgebiet. Ich gestehe, dass uns die Entscheidung überrascht hat“, so Kley. Aber Merck rechne damit, dass die EMEA spätestens im Frühjahr 2010 über den Einspruch des Unternehmens gegen das vorläufige Votum der Behörde entscheiden werde. „Ich bin optimistisch, dass Erbitux nach unserem Einspruch gegen Lungenkrebs eingesetzt werden kann – wenn auch nicht in dem Maße, wie wir uns das ursprünglich vorgestellt haben. Außerdem ist Erbitux ja bereits gegen Darmkrebs und Kopf-Hals-Tumore zugelassen. Dort bietet es Patienten bereits einen Überlebensvorteil von 3,5 Monaten. Deshalb werden wir die Milliardengrenze auch ohne Lungenkrebs-Indikation überschreiten.“

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    Kley erklärte, das Merck sowohl im Pharmageschäft als auch in der Chemie Zukäufe plant.  „Akquisitionen stehen bei uns grundsätzlich auf der Agenda. Aber nicht um jeden Preis. Wir sind bei den Zukäufen nicht so schnell vorangekommen, wie wir uns das gewünscht haben. Die Krise hat uns gezwungen, das Geld stärker zusammenzuhalten.“ Kley sagte weiter:  „Wir streben in allen Geschäftsfeldern Zukäufe an. In der Chemie zur Stärkung der Marktpräsenz in etablierten Geschäften. In Pharma, wenn wir so unsere medizinische Spezialisierung ausbauen und die regionale Präsenz verbessern können.“

    "Die Krise dauert noch drei bis vier Jahre"

    Kley rechnet trotz der anziehenden Konjunkturdaten damit, dass die Wirtschaftskrise noch einige Jahre andauern und der Konsum nur langsam wieder auf das Niveau vor der Krise ansteigen wird. „Aufwärts wird es gehen, aber nur langsam. Ich gehe davon aus, dass die Krise noch drei bis vier Jahre dauert, bis wir die Chance haben, dass die Wirtschaft wieder deutlich wächst“, sagte Kley der am Montag erscheinenden WirtschaftsWoche. Kley begründet die lange Zeitspanne damit, dass die Unternehmen in der jüngsten Vergangenheit über den Bedarf hinaus investiert hätten. „In der Vergangenheit wurde überinvestiert. Es dauert, bis die Überkapazitäten, etwa in der Autoindustrie, beseitigt sind.“

    Ähnlich sieht Kley die Entwicklung der Nachfrage. „Wir haben überkonsumiert. Die Leute kaufen derzeit eben weniger Autos. Es braucht Jahre, bis das alte Konsumniveau erreicht ist. Zudem hat sich der Staat stark verschuldet und muss das Geld wieder hereinholen. Dazu ist außer Steuern und Abgaben noch nichts erfunden worden. Und das fehlt dann natürlich beim Konsum.“

    Deshalb rechnet der Merck-Chef damit, dass auch die neue Bundesregierung Steuererhöhungen plant. „Hohe Steuern sind für Unternehmen und private Haushalte kontraproduktiv. Dennoch wird es aus der Not heraus an der einen oder anderen Stelle Steuererhöhungen geben. Doch nur damit lässt sich die Krise nicht beseitigen. Es kommt auf den richtigen Maßnahmen-Mix an. Dazu gehört auch staatliche Ausgabendisziplin.“

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