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Pharma Mercks umstrittener Managerkauf

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Verpackung von Arzneimitteln Quelle: dpa

Viele Merck-Kenner sehen denn auch in Bernd Reckmann einen aussichtsreichen Anwärter auf den Chefposten. Er verantwortet das Chemiegeschäft – unter anderem Flüssigkristalle und Farbpigmente –, das seit Jahren den Großteil zum Gewinn beiträgt. Die – im Gegensatz zu Oschmann und Zachert – lange Betriebszugehörigkeit von gut 25 Jahren dürfte Reckmann bei der Eigentümerfamilie Pluspunkte einbringen. Derzeit darf er sich bei der Integration des US-Laborausrüsters Millipore bewähren, den Merck 2010 übernommen hat.

Bis seine Nachfolge feststeht, muss Kley noch einige unangenehme Aufgaben erledigen. Die Belegschaft hat er bereits auf weitere Kostensenkungen eingeschworen, auch ein Stellenabbau erscheint möglich. Gleichzeitig müht er sich, den Frust über die zahlreichen externen Neubesetzungen zu dämpfen. „Für Merck ist es ungewöhnlich, Manager von außen zu holen“, konstatierte er bei der Vorlage der Quartalszahlen im Juli und versprach: „Das soll aber kein Dauerzustand sein. Künftig liegt der Fokus auf internem Potenzial.“ Kurz danach warb Merck als Chef für den Laborausrüster Millipore den Amerikaner Robert Yates vom Pharmakonzern Roche ab.

Vorbild Boehringer

Viele Erfolgserlebnisse dürften Kley während seiner Amtszeit nicht mehr beschieden sein. Zwar läuft die Entwicklung eines neuen Medikaments gegen Hirntumore sowie eines Impfstoffs gegen Lungenkrebs durchaus vielversprechend. Doch die Früchte wird wohl erst sein Nachfolger ernten: Bis zur potenziellen Markteinführung dürfte in beiden Fällen etwa ein halbes Jahrzehnt vergehen.

Kley möchte zumindest das Pharmageschäft noch zurück in die Erfolgsspur führen. Sein Vorbild heißt Boehringer Ingelheim. Das Pharma-Familienunternehmen aus dem rheinland-pfälzischen Ingelheim legte eine erstaunliche Wende hin. Vor zwei Jahrzehnten hatte Boehringer kaum attraktive Medikamente zu bieten. Inzwischen brilliert das Unternehmen mit Innovationen wie dem Anti-Schlaganfallmittel Pradaxa. In den späten Achtziger- und Neunzigerjahren baute Boehringer seine Forschung und Entwicklung völlig um, untersuchte seine Medikamenten-Kandidaten gründlicher und verpflichtete vielversprechende Führungskräfte von außen. Dazu zählten der frühere Bayer-Manager Rolf Krebs und der Forscher Andreas Barner, der von Ciba-Geigy (heute Novartis) kam. Beide standen später an der Spitze von Boehringer Ingelheim. Auf eine ähnliche Strategie setzt nun auch Kley. Er lässt sich dabei von Krebs und dem früheren Boehringer-Manager Hans-Jürgen Leuchs beraten, die beide im Merck-Aufsichtsrat sitzen.

Neuzugang Mappus dürfte in Kleys Plänen allerdings zunächst eine weniger wichtige Rolle spielen. Zur Berufung des Quereinsteigers aus der Politik gab Merck noch nicht mal eine Pressemitteilung heraus. Die Verpflichtungen von Oschmann, Zachert, Jenkins, Garijo und Batra verkündete der Konzern dagegen hochoffiziell.

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