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Pharmakonzern Mercks Milliardengewinn hat Schattenseiten

Eigentlich läuft alles rund beim Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck. Umsatz und Gewinn steigen. Wenn da nur die schlechten Nachrichten aus der Medikamenten-Entwicklung nicht wären.

Karl-Ludwig Kley Quelle: dapd

Den Umsatz steigerte Merck im Jahr 2010. um 20 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro; den Betriebsgewinn um 72 Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro. Die meisten Medikamente verkaufen sich gut. In der Chemie sorgen die Flüssigkristalle, die etwa in Laptops und Plasmafernsehern verwendet werden, für zufriedene Gesichter und schöne Gewinnmargen. Die Integration des US-Biotechunternehmens Millipore läuft erfolgreich. "Viel gesünder geht es nicht mehr", sagte Konzernchef Karl-Ludwig Kley bei der Präsentation der Zahlen.  

Forschung als "Herausforderung"

Allerdings räumte er auch ein, dass das Pharmageschäft von den "Herausforderungen in der Forschung" überschattet wird. Konkret geht es dabei um Cladribin. Mit dem Mittel wollte Merck die erste Pille gegen Multiple Sklerose auf den Markt bringen - bislang werden vor allem Spritzen verwendet. Doch Merck konnte das Beratergremium der europäischen Zulassungsbehörde nicht von den Vorteilen des Mittels überzeugen und zog den Antrag kürzlich zurück. Die Entscheidung der US-Zulassungsbehörde soll in den nächsten Wochen fallen. Auf  eingeplante Umsätze und Gewinne muss Merck nun erstmal verzichten. Das Geschäft macht nun der Schweizer Konzern Novartis mit seiner MS-Pille Gilenya.  

Pharma-Chef Elmar Schnee hat das Unternehmen inzwischen verlassen - wohl auch wegen der Probleme bei Cladribin. Sein Nachfolger Stefan Oschmann, der vom US-Konzern Merck & Co. kommt - beide Unternehmen sind unabhängig voneinander - soll nun die Medikamenten-Entwicklungsprojekte einer kritischen Prüfung unterziehen. Er wird viel zu tun haben: Seit fast zwei Jahrzehnten hat Merck kein schlagkräftiges Medikament mehr in seinen eigenen Labors entwickelt. Viele erfolgreiche Medikamente haben die Darmstädter von außen zugekauft. Kley gab sich aber optimistisch, dass es bald wieder mehr gute Nachrichten aus der Medikamenten-Entwicklung bei Merck gibt: "Am Ende schaffen wir immer das, was wir wollen."

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