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Playboy-Legende im Interview Gunter Sachs über die Liebe mit Brigitte Bardot

Fotograf, Kunstsammler und Playboy-Legende Gunter Sachs über die Erotik seiner Bilder, Orgien mit Dalí, Liebe mit Brigitte Bardot, das Ende der Ritterlichkeit und astrologische Zwillinge.

Gunter Sachs

WirtschaftsWoche: Herr Sachs, wollen Sie der Kunstwelt neuerdings Ihre Grammatik-Kenntnisse unter Beweis stellen?

Gunter Sachs: Warum sollte ich?

Der Titel Ihrer überaus erfolgreichen aktuellen Ausstellung in Leipzig legt den Schluss nahe: Die Kunst ist weiblich – heißt es da.

Die Idee dazu hatte Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt. Er war auf den Satz in meiner Autobiographie gestossen und hielt ihn für treffend. Und es trifft ja zu: wenn Sie ins Wörterbuch schauen, steht dort 'Kunst, (w.)', es gibt keine männlichen Musen und schliesslich kommt die wahre Kunst aus der Intuition, von der selbst wir Männer wissen, dass sie weiblich ist...

Die Behauptung lässt sich auch ohne vorherige Lexikon-Lektüre schnell nachvollziehen – auf Ihren Fotografien sind viele kaum bekleidete Frauenkörper zu sehen.

Das haben Sie so gezählt. Ich kenne das Torverhältnis nicht. Ich fotografiere 'gunterbunt', was mich anspricht – und das ist nun mal Ästhetik. Frauen halte ich für das faszinierendste und schönste auf der Welt. Könnte der Iltis photographieren, hätte er wohl auch ein Iltis-Weibchen in den Mittelpunkt seines Schaffens gestellt. Andererseits hege ich grossen Respekt vor den Photographen die uns auch die ernsten, düsteren und schrecklichen Seiten des Daseins zeigen. Ich glaube, es braucht beides. Polarität hält die Welt im Gleichgewicht.

Sie hätten es ja auch beim Gucken und Flirten belassen können. Woher rührt Ihr Faible für die Fotografie?

Zunächst erlebe ich die Welt vor allem mit den Augen. Vom Sehen kam ich zum Film, mit dem ich mich schon Ende der Fünfzigerjahre beschäftigt habe. Damals kümmerte ich mich zwei Jahre um eine sehr kranke Freundin, die nach der Diagnose amerikanischer Ärzte als unheilbar galt. Eine furchtbare Zeit. Um zwischendurch auf andere Gedanken zu kommen, habe ich auf den Rat eines Freundes zur Filmkamera gegriffen. Ich wollte einen Dokumentarfilm drehen – über das kleine Fischerdorf am Genfer See, in dem wir damals lebten. So war ich nie zu weit vom Haus entfernt.

Zwei Wochen habe ich mir von dem Kameramann Kurt Hasse das Nötige zeigen lassen, dann hab ich gleich mit 35 mm losgelegt und alles selbst gemacht – Drehbuch, Regie, Kamera, Ton, Kommentar.

Warum sind Sie nicht dabei geblieben?

Auf Dauer wurde mir die Filmerei zu aufwändig – eine komplizierte Formel mit vielen Variablen und Unbekannten, denen man sich beugen musste. Dazu eine Fülle von Material. Das wurde mir endgültig klar, als ich für einen Dokumentarfilm in Südafrika stundenlang auf der Lauer lag, um eine Szene mit einem sich öffnenden Nilpferdmaul zu drehen, in das ich die Titel des Filmes legen wollte. Erst kamen Moskitos, dann der Sonnenbrand, nur die Hippos tauchten nie an der richtigen Stelle auf. Da dachte ich mir: Es muss doch angenehmer sein, in einem klimatisierten Studio schöne Frauen zu photographieren. Auch Akte.

Dabei wurden Ihre Filmen auf den Festivals von San Sebastian und Hyères mit ersten Preisen bedacht. Und für Ihren Sport-Streifen „Happening in White“ gab es 1972 sogar die Trophäe vom Internationalen Olympischen Komitee – für Ihre stilbildenden Experimente mit Superzeitlupe. Skifahrer und Surfer extrem verlangsamt aufzunehmen – wie kamen Sie ausgerechnet darauf?

Sportfilmer wie damals Jean–Claude Killy mit seinen Drachenflug Aufnahmen , Willy Bogner und ich waren stets auf der Suche nach Neuem. Für die Effekte waren Spezialkameras nötig. Diese wurden ursprünglich zum aufspüren von Knoten im Garn in Spinnereimaschinen eingesetzt, später auch vom Militär zur Erforschung von Geschoss-Flugbahnen. Diese Kameras konnten bis zu 10 000 Bilder pro Sekunde mechanisch fahren. Üblich waren damals 240. Die neue Technik hat mich beeindruckt und ich wollte sie für meine Filmprojekte nutzen – und bekam von den wenigen existierenden Kameras zwei von Marcel Dassault, dem Besitzer der Flugzeugwerke, zur Verfügung gestellt.

Klingt immer alles so einfach bei Ihnen ...

Mit dem Eigentümer der Kameras habe ich regelmäßig Karten gespielt, das war also das kleinere Problem. Aber ansonsten war's eine ganz schöne Schufterei. Die Kameras waren hoch empfindlich und arbeiteten nur zwischen 18 und 20 Grad Aussentemperatur. Wir brauchten also Bunsenbrenner, um die Biester in der Kälte am Corvatsch zum Laufen zu kriegen. Und oft sind wir morgens um fünf Uhr rauf auf den Berg, um unverrichteter Dinge wieder runterzukommen. Die Sonne wollte einfach nicht scheinen. Es war der sonnenärmste Winter in St. Moritz, soweit ich mich zurück erinnern kann.

Hat sich diese Pioniertat für Sie ausgezahlt?

 „Happening in White“ lief als Film auf den Langstreckenflügen der Lufthansa, die ihn gesponsert hatte, am Fernsehen sowie in Doppelprogrammen mit einem anderen Film in den Kinos – und hat so einiges an Geld gebracht.

Und die Superzeitlupe nach Hollywood..

Ja, zum ersten Mal in „Le Mans“ mit Steve McQueen. Mein Freund Siegfried Rauch, der auch in dem Film spielte, hatte mich in St. Moritz besucht und unsere ersten 'Rushes' in Superzeitlupe gesehen. Kurz darauf kam die Anfrage von der Le Mans-Produktion, unsere Kameras einsetzen zu dürfen. Marcel Dassault hatte nichts dagegen. Die Sequenzen von den Crashs der Rennwagen in extrem gedehnter Zeitlupe mutete an wie ein Morgengrauen der Filmzauberer. Von jetzt an sah man in beinahe jedem Action-Film oder Western Extremzeitlupe. Da fiel die Postkutsche wie gefroren in die Schlucht und Maffiakugeln standen fast im Raum. Etwas übertrieben, aber sowas gab's vorher nicht. All das brachte aber mehr Ehr' als Gold. Es ging mir darum, mit allem Neuen bestmöglich zu experimentieren.

Also stimmt die Antwort auf die Frage nicht, die neulich im Kreuzworträtsel einer großen deutschen Tageszeitung gestellt wurde?

Was wollten die denn wissen?

 „Was hat bloß Gunter Sachs gemacht, dass ihm derart das Leben lacht?“

Was denn?

 „Geerbt“.

(Lacht) Das nehme ich Ihnen nicht ab – auch wenn manche, scheinbar auch Sie, vielleicht so denken. Ich habe zunächst 18 Jahre mit meinem verstorbenen Bruder unsere Firma und mein Vermögen verwaltet und habe sie zu einem Zeitpunkt verkauft als die Bilanz titelte 'Fichtel & Sachs, die goldene Aktie'. Ein guter Moment. Andererseits, so groß ist mein Vermögen gar nicht – besonders aus heutiger Perspektive, in der es bald mehr Milliardäre als Millionäre gibt. Ich hatte allerdings durch den Verkauf und die gewonnene freie Zeit neue Möglichkeiten, meinen verschiedenen Interessen nachzugehen. Auch das war ein Gewinn.

Ich hab immer versucht, aus meiner Zeit möglichst viel zu machen und habe manches sogar verdammt gut hingekriegt. Langeweile mit Unwichtigem oder Unsinnigem tot zu schlagen, das war nicht meine Sache.

Was haben Sie denn für ein Verhältnis zum Geld?

Ein sehr konservatives. Da halte ich es wie meine Mutter, die bis zu ihrem Tod ihr Vermögen selbst verwaltet hat. Sie hat damals sogar noch in Eigenregie Aktien an der Börse gekauft. Und zwar gar nicht schlecht. Risiko war dabei nicht ihr Ding. Ihr eiserner Grundsatz: ein Drittel Immobilien, ein Drittel Aktien, ein Drittel Obligationen. Meine eigene Anlage-Politik ist etwas anders, aber mit meinen privaten Häusern habe ich im Rückblick auf jeden Fall sehr richtig gelegen. Geld ist für mich kein Selbstzweck. Oft ist es mir auch zugeflossen, wo ich es gar nicht vermutete. Zum Beispiel in der Kunst, auch eine Form von privaten Grundstücken. Ich dachte nicht im Traum an Geld oder Gewinn. Was man will, flüchtet – und was man fürchtet, geschieht einem meist. Ein Sprichwort, aber auch eine persönliche Beobachtung.

Dass Sie in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen sind, können Sie aber auch nicht behaupten. Ihr Großvater väterlicherseits war der Erfinder der Freilaufnabe und Mitbegründer von Fichtel & Sachs, Ihr Urgroßvater mütterlicherseits Adam Opel, Gründer der gleichnamigen Automarke. Und geboren wurden Sie in einem Schloss nahe Schweinfurt. Haben Sie noch Erinnerungen an die ersten Jahre?

Vor allem an den Rittersaal. Da hab ich Bauklötze rein geworfen, die kamen immer wieder zurück. Damals dachte ich, es wären Geister. Wahrscheinlich war's der Diener. Sicher sogar, nicht dass ein falscher Eindruck bei Ihnen entsteht.

Als Student waren Sie im Porsche unterwegs, als Familienkutsche für Sie, Ihre erste Frau und Sohn Rolf diente vorübergehend ein Mercedes 300 SL, der legendäre Flügeltürer ...

(Lacht) Ja, ja. Davon hatten wir sogar zwei – einen mein älterer Bruder, einen ich. Und die Rechnung haben wir an meinen Vater – während er auf einer Safari war – in die Firma gehen lassen. Nach seiner Rückkehr gab es dann zunächst ein Blitz– und Donnerwetter, doch wir lenkten ihn geschickt ab, mit unserer Bewunderung des Photos seines erlegten Löwen. Er hat dann Gott sei Dank bezahlt, vermutlich weil er mit den 'Krokodilen', wie er sie nannte, selbst einmal fahren wollte.

Haben Sie sich als junger Mann auch mal Gedanken darüber gemacht, woher das Geld der Familie kam? Fichtel & Sachs profitierte ja von der Kriegswirtschaft, Ihr Vater war ein Freund von Hermann Göring.

Erstens denkt man zwischen drei und sieben Jahren nicht an Geld und als Jüngling sorgte ich mich mehr um das beschlagnahmte Vermögen meiner Mutter. Der Vater war weit weg. Dass Göring mit ihm bereits vor der Machtergreifung durch die Nazis befreundet war, erzählte uns die Mutter auch nicht unbedingt. Sie wurde ja vom Reich verfolgt. Später erkannte ich, dass sich Vater wenig um Politik kümmerte, sondern vor allem Augen für Fussball, Jagd und die Firma hatte. Das bestätigten mir auch viele Menschen aus Schweinfurt, die ihn damals erlebt hatten.

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