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Porsche gegen VW Die Anatomie der Porsche-Schlacht

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Die Verschleierung - Juni 2005

Die Verschleierung (Juni 2005) - Wiedeking beteuert, er strebe keine dominante Rolle bei VW an. Im Herbst heißt es: maximal 30 Prozent.

Die Verschleierungstaktik kann ein adäquates Mittel im Krieg sein, doch bei wirtschaftlichen Übernahmen ist sie fehl am Platz. Das wichtigste Anliegen eines militärischen Führers im Manöver ist die Frage nach den Konsequenzen. Bei militärischen Operationen geht es um Menschenleben. Bei wirtschaftlichen Schachzügen sind die Konsequenzen finanzieller Natur und das macht einen elementaren Unterschied aus. Und immer steht der Ruf auf dem Spiel. Porsche nahm das Risiko des Verlustes von Glaubwürdigkeit in Kauf.

Das Problem bei der Verschleierungstaktik: Verdeckte Aktionen und wahre Motive kommen irgendwann immer ans Tageslicht. Die Gefahr eines nachhaltigen Imageverlustes ist daher höher zu bewerten als die Chance einer verdeckten Übernahme. Ist das Image erst einmal beschädigt, kann das Vertrauen nur mühsam zurückgewonnen werden. Das gilt für Soldaten ebenso wie für Mitarbeiter von Unternehmen.

Die Angriffswelle - September 2005

Die Angriffswelle (September 2005) - Porsche dreht ein immer größeres Rad mit Optionen auf VW-Aktien, der Kurs steigt. Euphorisiert von Milliardengewinnen macht Wiedeking klar: Er will in Wolfsburg knallhart mitregieren.

Hybris von Führungskräften wird oft zur Achillesferse bei militärischen wie wirtschaftlichen Operationen. Sie macht blind gegenüber Risiken des Fehlschlags. Für Kommandeure ist es ebenso wie für Manager wichtig, sich ein Team zusammenzustellen aus Menschen, die den Mut haben, Fehlentwicklungen konsequent und ehrlich aufzuzeigen. Charismatische Führungskräfte und Einzelkämpfer gewinnen möglicherweise einzelne taktische Schlachten, sie kommen aber ihrem strategischen Ziel nicht einen Schritt näher. Viele lassen sich dabei auch von Anfangserfolgen blenden. Führungskräfte, die im Team arbeiten, sind langfristig erfolgreicher.

Die Abwehrallianz - November 2006

Die Abwehrallianz (November 2006) - Offiziell streitet Porsche den Griff nach der Mehrheit bei VW ab, kauft aber fleißig weiter Aktien. Als das Ziel durchsickert, sucht und findet VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch einen Verbündeten: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff.

Das Bündnis von VW mit Niedersachsen hat die Wende im Übernahmekampf herbeigeführt. Verbündete sind meist überlebenswichtig: Sie vergrößern nicht nur die Schlagkraft, wenn die Parteien ihre Aktionen koordinieren. Allianzen setzen vor allem ein Zeichen nach außen. Das schwächt die Moral der Gegner. Die Hauptprotagonisten Piëch und Wulff waren früher zudem offensichtliche Widersacher. Ein solcher Verbund wirkt dann umso stärker, zumal er authentisch und ehrlich kommuniziert wurde. Dass es Wulff ernst war, zeigt seine Bereitschaft, Kanzlerin Angela Merkel in den Übernahmekampf hineinzuziehen. Das Geheimtreffen der beiden CDU-Politiker im Herbst 2008, bei dem das neue VW-Gesetz ausgehandelt wurde, hat die Stärke des Verbunds zementiert.

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