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Porsche gegen VW Die Anatomie der Porsche-Schlacht

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Der Gegenschlag - September 2008

Der Gegenschlag (September 2008) - Ein neues Gesetz aus Berlin sichert Niedersachsens Sperrminorität bei Volkswagen. Wiedeking hingegen fehlen wichtige politische Verbündete und juristischer Sachverstand.

Die größte Schwäche militärischer Führungskräfte: Sie verharren in ihren Plänen, die sie anfangs geschmiedet haben, lassen sich durch schnelle Erfolge beflügeln und missachten Warnungen über mögliche Verluste. Günstige Situationen können sich aber häufig in ungünstige verwandeln. Es ist eine große Kunst, diese Veränderung zu erkennen. Helfen kann es, wenn man als Führungskraft einen Kreis von Vertrauten hat, die einem schonungslos die Wahrheit sagen und einen vor Fehlentwicklungen warnen. Fortlaufende Lagebeurteilung ist der wichtigste Teil militärischer Operationen.

Spätestens dann, wenn die Bedingungen sich zum eigenen Nachteil geändert haben, ist es an der Zeit, Maßnahmen zu korrigieren oder den Plan komplett fallenzulassen und den Rückzug anzutreten. Nach dem neuen VW-Gesetz war klar, dass Wiedeking sein strategisches Ziel der Beherrschung von Volkswagen nicht mehr erreichen konnte. Er hätte aufgeben oder seine Strategie abändern können, dafür aber sein Gesicht gewahrt und die Übernahme von Porsche verhindert.

Der Zündsatz - Oktober 2008

Der Zündsatz (Oktober 2008) - Porsche will offiziell die Mehrheit, der VW-Kurs spielt verrückt, Wiedeking triumphiert, als Banken Milliarden verlieren. Der Streit entbrennt voll.

Demütigungen mindern Siege. Diese Erkenntnis zeigen Beispiele aus der Militärgeschichte wie etwa die Kaiserproklamation in Versailles nach dem Sieg der Deutschen über Frankreich 1870/71. Das gilt auch für die Wirtschaft. Erfolgreiche Übernahmen oder zwischenzeitliches Kassemachen schmerzen umso mehr, je aggressiver sie nach außen getragen werden. Jedes Unternehmen muss günstige Situationen ausnutzen, aber entscheidend ist die Art und Weise, wie es dies tut. In der Beurteilung der Konsequenzen müssen sich Manager fragen, welche Wirkungen ihre Gesten längerfristig auf andere haben werden – und im Umkehrschluss auf sich selbst. VW hingegen hat sich im Moment der Wende sehr klug verhalten: Nachdem Porsche sich wegen der Optionsgeschäfte und des Aktienkaufs in Milliardenhöhe verschuldet hatte, sicherten die Wolfsburger einen Notkredit in Höhe von 700 Millionen Euro und künftige Solidarität zu – trugen das aber zunächst nicht an die Öffentlichkeit. Dezente, demütige Siege halten länger.

Die Einigung - Juli 2009

Die Einigung (Juli 2009) - Porsche wird in den VW-Konzern integriert. Wiedeking muss gehen.

Porsche hat verloren, doch nun darf Volkswagen nicht die Fehler der Gegenseite wiederholen. Nach einer langen, hart umkämpften Auseinandersetzung muss eine gemeinsame Lösung gefunden werden. Porsche darf als integriertes Unternehmen im VW-Konzern nicht als Verlierer dastehen. Das Management muss nun Vorteile für beide Seiten finden, statt den Machtkampf weiter medial auszuschlachten. Im Marinejargon heißt das: Die besten Kapitäne stehen auf der Pier.

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