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Porträt Dietmar Hopp - Vadder und Wohltäter

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SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp Quelle: dpa

Bei SAP heißt er bald „Vadder Hopp“, weil er ein offenes Ohr für die Mitarbeiter hat. Hopp ist da ganz anders als sein Mitgründer Hasso Plattner, der auch schon mal ausfallend wird und vor dem viele Beschäftigte Angst haben. Während Plattner eher das internationale Geschäft im Blick hatte, galt Hopp schon damals als Fürsprecher der Heimatregion.

Im Mai 2005 scheidet „Vadder Hopp“, 65-jährig, bei SAP endgültig aus, zuletzt saß er als einfaches Mitglied im Aufsichtsrat: „Ich wollte kein Patriarch werden, der nicht loslassen kann.“ Andererseits fühlt er sich noch jung genug, um weiter zu investieren.

„Die nächste große Welle nach der IT ist Biotech“, beschließt Hopp. Inzwischen besitzt der Milliardär Beteiligungen an mehr als einem Dutzend Biotech-Unternehmen, ein knappes halbes Dutzend davon in seiner Geburtsstadt Heidelberg. So viel wie Hopp investiert kein anderer Kapitalgeber hierzulande in die Medikamenten-Labors der Zukunft – insgesamt mehr als 300 Millionen Euro. „Ich möchte, dass Arbeitsplätze entstehen – oder wenigstens gehalten werden“, sagt Hopp. Er ist nach eigener Aussage bei drei vielversprechenden Firmen eingestiegen, die ansonsten pleite gewesen wären.

Hopp lässt an Therapien gegen Krebs oder Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Alzheimer oder Parkinson forschen. Es geht ihm nicht darum, Symptome zu lindern. Hopps Forscher sollen Krankheiten heilen. In den Labors von Cytonet in Weinheim arbeiten die Wissenschaftler mit menschlichen Leberzellen, um eine Medikamenten-Alternative zu Lebertransplantationen zu entwickeln. Bei Sygnis in Heidelberg forschen die Weißkittel an Mitteln gegen Schlaganfall und Alzheimer, die zudem noch das Nervensystem regenerieren sollen. Und, ebenfalls in der Universitätsstadt, bei der Hopp-Beteiligung Apogenix, tüfteln die Laborteams daran, wie sich Tumorzellen in den Zelltod treiben lassen.

Das finanzielle Risiko ist Hopp bewusst. Er weiß, dass nicht jedes seiner Engagements ein Erfolg werden wird. Noch hat es kein Wirkstoff aus seinen Biotech-Unternehmen auf den Markt geschafft. Bei einer Erfolgsquote von 25 Prozent wäre er schon zufrieden.

Welche Investments sich lohnen, sollen Christof Hettich und Friedrich v. Bohlen und Halbach für ihn herausfinden. Beide genießen das Vertrauen des Milliardärs. Rechtsanwalt Hettich stand Hopp vor Jahren bei Henninger-Bräu zur Seite. Auf einer Podiumsdiskussion lernte Hopp dann Bohlen kennen, einen Neffen des Stahlmagnaten Alfried Krupp. Dass Bohlen gerade als Unternehmer mit seiner Firma Lion Bioscience („SAP der Bioinformatik“) grandios gescheitert war, störte Hopp nicht: Er vertraut auf die Expertise und das Netzwerk des früheren Biotech-Gründers.

Gemeinsam haben Hettich und Bohlen schon über 200 Biotech-Unternehmen für Hopp analysiert. Die wenigen, die dabei überzeugen können, dürfen im Golfklub St. Leon-Rot dann vor Hopp präsentieren. Wer es schließlich geschafft hat, kann mit umfangreicher Betreuung rechnen. Hettich und Bohlen geben den Unternehmen Hilfestellung in Sachen Aufbau, Struktur und Geschäftsentwicklung. Einer von beiden sitzt immer im Aufsichtsrat. Zweimal im Jahr treffen sich die Chefs von Hopps Biotech-Beteiligungen in St. Leon-Rot, um sich auszutauschen. Und alle vier Wochen berichten Hettich und Bohlen im Golfklub Hopp über die Entwicklungen bei seinen Unternehmen.

Der Bericht über GPC Biotech fiel dabei in den vergangenen Monaten besonders enttäuschend aus. Große Hoffnungen hatte das Münchner Unternehmen in das Prostatakrebsmittel Satraplatin gesetzt; jährliche Einnahmen von 500 Millionen Euro waren prognostiziert. Doch dann fällte im vergangenen Jahr die amerikanische Zulassungsbehörde FDA ein negatives Urteil, eine Studie brachte nicht die erhofften Ergebnisse, der Aktienkurs brach von 23 Euro auf aktuell etwa zwei Euro ein.

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