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Post-Chef Frank Appel "Der Riese ist aufgewacht"

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Frank Appel Quelle: Frank Reinhold für WirtschaftsWoche

Was ist die Lehre aus dem US-Desaster?

Dass wir nicht in jedem Markt nationale Expressdienstleistungen anbieten müssen. Das machen wir nur noch dort, wo wir Gewinne erzielen können: zum Beispiel in Deutschland, Russland, Mexiko und Indien. Unsere indische Expresstochter Blue Dart entwickelt sich unglaublich erfolgreich, weil das immer noch unterentwickelte Straßennetz dort ganz besondere Flexibilität erfordert.

Der Wettbewerber UPS ist rein auf Logistik fokussiert und an der Börse fünfmal so viel wert wie die Deutsche Post. Ist es nicht das, was die Börse sucht? 

Noch einmal: Eine Diskussion über die Konzernstruktur steht heute und in den kommenden Jahren nicht auf unserer Tagesordnung. Bei FedEx und UPS würden doch die Sektkorken knallen, wenn wir uns mit solchen strukturellen Fragen beschäftigen würde anstatt uns auf den Wettbewerb zu konzentrieren.

Einer der beiden könnte die Expresssparte des niederländischen Wettbewerbers TNT kaufen. Was bedeutete das für DHL?

Eine Übernahme von TNT würde die Wettbewerbsintensität um einen starken Spieler im Markt reduzieren. Zudem wäre der Käufer damit beschäftigt, TNT zu integrieren. Das kann Jahre dauern.

UPS hätte Luft dafür. Die Amerikaner erreichen eine zweieinhalbmal höhere Marge als DHL. Was macht UPS besser?

Die Vergleichbarkeit ist schwierig. UPS profitiert zum Beispiel von einem gigantischen Heimatmarkt, den DHL so nicht ausweist, weil wir das deutsche Paketgeschäft in der Briefsparte zusammenfassen. Davon abgesehen nähern wir uns UPS an. Wir haben mit unserem Expressgeschäft im letzten Quartal 2010 eine Marge von 7,5 Prozent erzielt. Das ist die zweitbeste Marge im Markt, weit vor FedEx.

Ihre Ergebnisse im Expressgeschäft dürften vor allem durch die geplante Luftsicherheitsabgabe belastet werden.

Die Abgabe wirkt wie eine neue Steuer. Ich kann nicht erkennen, dass die Sicherheit dadurch zunimmt. Im Gegenteil: Sie entzieht den Unternehmen Geld, das sie für Sicherheit ausgeben würden.

Unruhe im Post-Konzern gibt es in der Speditionssparte, dem sogenannten Global Forwarding Freight. Der DHL-Bereich verlor Marktanteile. Bei den Transportvolumina etwa in der Seefracht legte DHL gerade einmal um sechs Prozent zu. Wettbewerber wie Kühne + Nagel und DB Schenker schafften ein Plus von jeweils 16 Prozent. Was ist da los?

Die Wettbewerber haben ihr Wachstum durch sinkende Margen erkauft. Wir haben uns bewusst gegen diesen Weg entschieden und unsere Marge verbessert.

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