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Post-Chef Frank Appel "Der Riese ist aufgewacht"

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Umsatzrenditen

Die Marge ist auch Dauerthema bei der Lagerhaltung, dem dritten DHL-Standbein. Nicht mal zwei Prozent vom Umsatz bleiben als Gewinn übrig. Das dürfte für Investitionen nicht ausreichen.

Die Kontraktlogistik hat hervorragende Perspektiven. Die Entwicklung zeigt nach vorne. 2010 konnten wir Neugeschäft mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro gewinnen.

Die Deutsche Post steht finanziell so gut da wie kaum ein anderer Logistiker. Der Spielraum für Akquisitionen ist groß. Planen Sie Zukäufe?

Nein. Wir haben in allen Bereichen unser Netz optimiert. Größere Akquisitionen schließe ich aus. Kleinere Ergänzungen kann es natürlich immer geben.

Wie im Briefbereich: Sie haben mit Adcloud und Nugg.ad zwei kleine Dienstleister für Online-Werbung gekauft. Planen Sie hier weitere Zukäufe ?

Sollte sich die richtige Gelegenheit bieten, dann ja. Wir wollen die Deutsche Post auch in der elektronischen Welt zu einem neutralen Dienstleister für Werbung machen. Was wir bereits klassisch etwa über Postwurfsendungen machen, wollen wir auch im Internet erreichen.

Um den 2010 gestarteten E-Postbrief ist es ruhig geworden. Sie geben seit Monaten keinen Zwischenstand über Nutzerzahlen mehr durch. Läuft die vertrauliche E-Mail doch nicht so gut wie erwartet?

Ich halte mich mit konkreten Zahlen zurück. Wir sind aber sehr zufrieden. Viele Unternehmenskunden testen, wie sie den E-Postbrief in ihre Geschäftsprozesse einarbeiten können. So überlegt Ebay, ob der E-Postbrief bei der Identitätsprüfung von Käufern und Verkäufern hilfreich sein kann. Doch zugegeben: Die Testphase der Unternehmen dauert länger, als wir es erwartet haben. Aber klar ist auch: Was nicht über den E-Postbrief abgewickelt wird, verbleibt im Kerngeschäft Brief. Es geht uns also nichts verloren.

Das Briefgeschäft bricht aber weiter ein. 2010 sank die Zahl der Briefsendungen um zwei Prozent. Welche Rolle spielt Ihre Billigtochter First Mail, die in Nordrhein-Westfalen und Berlin zustellt?

First Mail ist die Antwort auf ein Problem, das die Deutsche Post nicht umgehen kann. Die Post bietet Behörden für die Zustellung von Briefen öffentlich bekannte Großmengenrabatte. Der Wettbewerb hat Einblick in diese Preisstellungen, kann sie um einen Cent unterbieten und gewinnt dadurch viele Aufträge, weil die Vergabeverordnung die Behörden zur Annahme des billigsten Angebots zwingt. Wir haben bei öffentlichen Ausschreibungen keine Chance.

Soll es First Mail bundesweit geben?

Derzeit haben wir keine Pläne, First Mail weiter auszubauen. First Mail macht vor allem in Ballungsräumen Sinn, da dort eine hohe Haushaltsdichte existiert.

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