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Postzustellung per E-Mail Was der elektronische Brief bringt

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Jim Hagemann Snabe (r) und Quelle: dpa

Darum ging es bei den 60 Testkunden, mit denen Cosmos Direkt in Friedrichshafen zusammenarbeitete. Die schickten per De-Mail vertrauliche Daten wie Mitteilungen über das Einkommen etwa zur Berechnung der Lücke zwischen dem heutigen Einkommen und der späteren Rente – mit „großem Erfolg“, sagt Projektleiter Frank Färber. Die Kommunikation werde durch De-Mail „wesentlich vereinfacht“.

Für Unternehmen könnte sich eine Registrierung bei einem De-Mail-Anbieter positiv auf das Geschäft auswirken. Anne Schmieder etwa ist als Chefin eines Übersetzungsbüros in Friedrichshafen auf sichere Kommunikation existenziell angewiesen. Sie übersetzt streng vertrauliche Dokumente wie Verträge, Bedienungsanleitungen neuer Geräte oder Bilanzen in jede Sprache der Welt. „Ich unterschreibe Vertraulichkeitserklärungen, doch die Dokumente werden häufig unverschlüsselt als E-Mail-Anhang verschickt“, sagt Schmieder, die an dem Projekt in Friedrichshafen teilnahm.

Kritische Masse

Die Unternehmerin vom Bodensee sieht in dem sicheren elektronischen Brief denn auch eine große Chance und will künftig alle ihre 22 Mitarbeiter mit sicheren De-Mail-Adressen ausstatten. Dadurch erhofft sie sich einen Wettbewerbsvorteil und will künftig auf den besonderen Service hinweisen, sobald es das Angebot gibt. „Nutzen Sie die Möglichkeit der hundertprozentig sicheren Übertragung?“ soll dann in der E-Mail-Signatur des Übersetzungsbüros stehen.

Ob das alles noch in diesem Jahr Wirklichkeit wird, hängt auch davon ab, ob es den beteiligten Unternehmen gelingt, die erforderliche Zahl an Kunden zu gewinnen. „Nur wenn ein System genügend Mitglieder hat und jeder mit jedem kommunizieren kann, steigt der Nutzen für alle“, sagt 1&1-Vorstand Oetjen. Sollte die Deutsche Post ihren E-Postbrief als geschlossenes System betreiben, das nur Post-Kunden offensteht, würde sie sich damit selbst ins Abseits stellen. Experten erwarten aber, dass der Konzern seinen E-Postbrief beim BSI akkreditieren lässt, sobald das Gesetz in Kraft ist.

Je mehr E-Mail-Anbieter sich dem Verbund anschließen, desto „größer wird die Zahl der Nutzer und der Einsatzmöglichkeiten“, sagt Burkard Bauer, IT-Manager bei der Gothaer Versicherungsgruppe. Bei jährlich rund 18 Millionen Briefen, die Gothaer verschickt, sei jede Lösung interessant, die kostensparend wirke. Durch Werbung von 1&1, Deutsche Post und Deutsche Telekom werde die kritische Masse schnell erreicht. In Friedrichshafen meldeten sich 1,4 Prozent der Bürger ohne Werbung in sechs Monaten für De-Mail an. Auf Deutschland hochgerechnet wären das zwei Millionen Nutzer pro Jahr — konservativ gerechnet.

Die Deutsche Post plane, so ist aus Branchenkreisen zu hören, ein Marketingbudget von 80 Millionen Euro ein — nur für die Umstellung der Postleitzahlen von vier auf fünf Ziffern gab sie mehr Geld. Zudem setzt sie auf große Partner: den Autofahrerclub ADAC, den Versicherungsriesen Allianz und den Softwarekonzern SAP. Der IT-Riese aus Walldorf könnte dem E-Postbrief Schub verleihen. Wenn SAP-Kunden, meist Konzerne, aus ihren Buchhaltungssystemen heraus Rechnungen per E-Mail verschicken können, dürften auch kleinere Unternehmen aufspringen. In der Schweiz hat das funktioniert.

Auch der Preis entscheidet über den Erfolg des elektronischen Briefes. Experten sehen ihn bei 15 bis 20 Cent. Die Post hütet den Betrag wie ein Staatsgeheimnis. Nur so viel drang durch. Derweil versucht sie vor allem zu verhindern, dass auch ihr E-Postbrief den Namensteil „de-mail“ in der Adresse tragen muss, wie es das Bundesinnenministerium vorsieht. Die Post-Manager protestierten: „De-Mail“ habe in dem E-Postbrief nichts zu suchen.  

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