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Produktion in Russland Moskau zwingt ausländische Konzerne zu Werksgründungen

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Und ihm schwant Schreckliches: Agrartechnikanbieter wie Rosagromasch betreiben massiv Lobbying, damit nur Investitionen von russischen Firmen vom Staat subventioniert werden. Bislang übernimmt die staatliche Rosagroleasing-Bank Zinsen auf Kredite für neue Landmaschinen, um den Absatz anzukurbeln. Doch nicht einmal Hersteller Claas aus dem ostwestfälischen Harsewinkel, der in Krasnodar eine produzierende russische Tochter unterhält, kommt an die Fleischtöpfe der Investitionsförderung. Claas gilt in Russland als deutsches Unternehmen, nicht als russisches.

Die Definition, was ein russisches Unternehmen ist, ist oft schwammig. Um solchen Problemen aus dem Weg zu gehen, gründet Siemens gern Joint Ventures. Zurzeit fahren die Münchner mit dem russischen Partner Sinara ein Lokwerk am Uralgebirge hoch. Dort werden 221 Lokomotiven gebaut. Parallel dazu entsteht umweit von St. Petersburg eine Fabrik zur Produktion von Antriebstechnik.

Russischer Protektionismus

Damit Joint Ventures in Russland erfolgreich laufen, braucht man einen guten Partner oder politische Unterstützung – Siemens-Chef Peter Löscher hat beides.

Löscher ist in Vorlage gegangen: Im strukturschwachen Woronesch nahe der Ukraine baut Siemens ein Transformatorenwerk. In Perm am Ural stellen die Deutschen zusammen mit Iskra-Avigaz Gasverdichter her. Zusammen genommen investiert Siemens nicht einmal 100 Millionen Euro – ein Kleckerbetrag für den Konzern. Doch damit schafft Siemens rund 500 Arbeitsplätze und erkauft sich Putins Vertrauen. Der bedankte sich, indem er dem Chef der russischen Staatsbahn RZD grünes Licht gab, der Siemens-Bahnsparte Milliardenaufträge zuzuschustern, die der russische Wettbewerber Transmasch gern bekommen hätte.

Löscher ist zurzeit Putins Liebling unter den deutschen Investoren. Mitten in der Krise trommelte er den Siemens-Vorstand in Moskau zusammen und versprach die Investitionen, die er nun umsetzt. Wie Löscher sein Vertrauen in den Standort Russland öffentlich inszeniert, das erinnert fast an Putins PR-Shows.

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