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Puma-Jungmanager Koch Mit Anfang dreißig auf dem Weg zu Milliarden

Als neuer Vorstandschef will der unbekannte Jungmanager Franz Koch den Umsatz des Sportartikelkonzerns bis 2015 auf vier Milliarden Euro hieven. Wie das gelingen soll.

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Franz Koch, head of strategy Quelle: REUTERS

Indien, Russland, USA, Großbritannien und Frankreich – Franz Koch hat zuletzt sein Meilenkonto ordentlich aufgestockt. Bald stehen auch noch Trips gen China und Italien im Kalender. Der neue Puma-Lenker, der gerade das Büro des Vorstandsvorsitzenden in Herzogenaurach bezieht, macht sich ein Bild von seinem Reich: „Ich möchte mit eigenen Augen sehen, wie die Marke global positioniert ist.“

Ein unbeschriebenes Blatt

Zugleich stellt sich Koch vielen der knapp 10 000 Mitarbeiter vor. Denn Koch ist ein unbeschriebenes Blatt. Für seine Leute ist der bisherige Puma-Chefstratege vor allem jung, gerade 32 – Koch war 14, als Vorgänger Jochen Zeitz 1993 bei Puma antrat und den fast toten Konzern rettete. 18 Jahre lang stand Zeitz für die nun weltweit drittgrößte Sportmarke. Die will 2011 erstmals mehr als drei Milliarden -Euro umsetzen, dafür soll Koch sorgen. Puma braucht neue Trendsetter wie den Schuh Speedcat oder freche Ideen wie Einteiler für Kameruns Fußballer. Koch weiß das: „Puma muss wieder begehrlicher werden“, sagt er, „deshalb müssen wir jetzt wieder stärker das Profil unserer beiden Säulen Sport und Lifestyle schärfen.“ Forcieren wird der Surf-Fan sicher das Thema Wassersport. Puma braucht frischen Wind – der Angreifer-Bonus der frühen Jahre ist verbraucht.

epa02815324 Usain Bolt of Quelle: dpa

Eine klare, einfache Zahl: „Vier Milliarden Euro Umsatz bis 2015 sind unser Ziel – und das wollen wir mit unserem Team auch schaffen“, sagt Koch. Ob das klappt? Die Zeiten sind härter geworden für Puma: Nike als globaler Marktführer der Sportbranche peilt bis 2015 einen Umsatz von umgerechnet 19 Milliarden Euro an, Pumas Lokalrivale Adidas will 18 Milliarden erreichen.

Teamsport, Laufen, Fitness und Training

Konzentrieren will Koch Puma weltweit vor allem auf vier Kategorien: Teamsport (vor allem Fußball), Running (mithilfe von Sprintstar Usain Bolt und Olympia 2012 in London), Training und Fitness. Regional setzt er etwa auf Golf und Cricket, Letzteres besonders im Wachstumsmarkt Indien. Zudem lotet er mit PPR die Chancen für die beiden Nebenmarken Cobra (Golf) und Tretorn (Mode) aus, die bis 2015 zusammen acht statt bisher drei Prozent zum Umsatz beisteuern sollen.

epa02812391 British singer Quelle: dpa

Als Student in Sydney hatte Koch es richtig gut – seine Wohnung lag direkt am Strand. Morgens vor der Uni zog es ihn erst mal mit dem Surfboard auf die Wellen des Pazifiks. Das hilft heute sogar bei Geschäftsterminen: Als er kürzlich beim neuen Puma-Partner Wheat, einer Accessoire-Firma in San Diego, vorbeischaute, überreichten ihm die Inhaber ein eigens gefertigtes Board mit Puma-Logo – und staunten über Kochs Surfer-Qualitäten.

Surfer-Bus von VW

Daheim steht immer noch sein alter klassischer Surfer-VW-Bus. Einmal im Jahr quält sich Koch mit Mountainbike und Freunden über die Alpen. Musikalisch steht der 1,90-Meter-Mann, der in Nürnberg lebt und zur Freundin am Berliner Prenzlberg pendelt, auf Bands wie Coldplay und Linkin Park.

CEO Franz Koch (l) und Jochen Quelle: dpa

Enge Freunde sind sie nicht, dafür ist der ältere stets zu reserviert; die beiden siezen sich bis heute. Doch klar ist, dass Franz Koch ohne seinen Mentor und Förderer Jochen Zeitz bei Puma kaum eine Chance auf den Spitzenposten gehabt hätte. Mehr als 100 Kandidaten hat der Konzern begutachtet, seit feststand, dass Zeitz als Chef einer Sport-Lifestyle-Sparte in den Vorstand des Puma-Mehrheitseigners PPR einrücken und seinen Stuhl räumen würde. Bis Zeitz Koch – einer von nur drei Managern, die direkt an ihn berichteten – aus der Hinterhand holte und auch PPR überzeugte.

Nicht zum Zug gekommen sind die versierten Puma-Vorstände Stefano Caroti  sowie Melody Harris-Jensbach. Die 50-Jährige hat bereits Konsequenzen gezogen und verlässt den Sportartikelkonzern. An der Konkurrenzfront muss Koch es mit Uli Becker aufnehmen: Der Kopf der Adidas-Tochter Reebok will Puma Rang drei im Ranking der Sportmarken abjagen. Die beiden werden sich regelmäßig in die Quere kommen.

Ihm gefallen Menschen, die nicht nur „das Spiel auf einem Feld beherrschen“, sagt Koch, der vor dem Start bei Puma 2007 für die Unternehmensberatung Oliver Wyman -arbeitete und an der Handelshochschule Leipzig und an der Uni Sydney studiert hat. „Als junger Leistungssportler war Christian Blunck mein Vorbild“, sagt Koch, der im Jahr 2000 mit dem Harvestehuder THC Deutscher Feldhockey-Meister wurde. Der Hamburger Blunck hatte mit dem HTHC fünf Mal die Deutsche Meisterschaft geholt und gewann 1992 bei Olympia in Barcelona die Goldmedaille. Was ihn an dem gut zehn -Jahre Älteren imponierte? „Sein Ehrgeiz und die nötige Disziplin, die auch für mich prägend waren“, sagt Koch, der den Kontakt zu Blunck und anderen Hockey-Freunden bis heute hält.

Stärken & Schwächen

Kochs erste Stärke: Er ist jung. Das dürfte für Pumas künftigen Verwaltungsratschef Zeitz und PPR wichtig sein. Denn damit ist er nah dran an Pumas Zielgruppe. Zudem denkt Zeitz in Bildern: Die Berufung des 32-Jährigen, der sich früh auf den Trendsport Kitesurfen stürzte, dürfte neben aller Qualifikation ein stärkeres Signal senden als die eines spröden Italieners (Caroti) oder einer 50-jährigen Amerikanerin (Harris-Jensbach). Koch kennt Puma seit 2007 von innen; als Stratege saß er am Schnittpunkt aller Bereiche, half beim Sparen und Kaufen von Cobra (Golf) und Dobotex (Socken). Was ihm fehlt, ist Führungserfahrung. Doch da geht es ihm wie Zeitz, als der mit 30 Ober-Puma wurde.

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