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Rechtsberatung Anwälte: Die heimlichen Herrscher in deutschen Unternehmen

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Rolf Koerfer: Schaefflers Mann im Hintergrund

Rolf Koefer, Oppenhoff & Partner Quelle: Frank Reinhold für WirtschaftsWoche

Auch für Rolf Koerfer lief es nicht immer nach Wunsch. Der Kölner Anwalt mit dem markanten Schnauzbart und dem unverkennbar rheinischen Idiom machte mit seinem Engagement für den Schaeffler-Conti-Deal Furore. Er war einer der führenden Köpfe hinter dem verwegenen Plan des fränkischen Autozulieferers Schaeffler, den deutlich größeren Konkurrenten Continental zu übernehmen.

Der 52-Jährige war mit von der Partie, als sich die Spitzen beider Unternehmen trafen, organisierte den heimlichen Kauf der Conti-Aktien und half mit, unliebsames Manager-Personal zu entsorgen. Mittlerweile gehören Schaeffler 75 Prozent der Conti-Aktien – auch wenn die Übernahme krisenbedingt holperte: Schaeffler hatte sein Kaufangebot an die Conti-Aktionäre kurz vor dem Absturz an den Börsen gemacht und musste zu diesem hohen Preis dann viel mehr Aktien abnehmen als geplant.

Koerfer gilt als einer der teuersten Anwälte der Republik. Schaeffler soll 2008 für Koerfers Dienste einen zweistelligen Millionenbetrag an dessen Kanzlei Allen & Overy überwiesen haben. Der Jurist zog schon die Strippen, als Schaeffler 2001 den Konkurrenten FAG Kugelfischer übernahm. Seit Jahren berät Koerfer den Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger und die Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler. Für die Zusammenarbeit war sicher förderlich, dass Geißinger und Koerfer passionierte Jäger sind. Koerfer hat ein Revier im Bergischen Land gepachtet.

Doch auch der Matriarchin des Unternehmens fühlt sich Koerfer, der alte Traktoren und gute Zigarren zu seinen Hobbys zählt, verbunden. Auf Maria-Elisabeth Schaeffler lässt er nichts kommen. Der Anwalt lobt die Frau, die seit dem Tod ihres Mannes 1996 aus dem fränkischen Wälzlagerhersteller einen internationalen Konzern mit rund 61 000 Mitarbeitern geschaffen hat: „Unternehmer wie sie sichern den Standort Deutschland.“ Koerfer verteidigt gar den roten Schal, mit dem sich die Schaeffler-Eigentümerin angeblich bei der IG Metall anbiedern wollte: „Rot ist eine Modefarbe, die ihr einfach sehr gut steht. Wer mehr hineininterpretiert, ist auf dem Holzweg.“

Der Jurist ist sicher: „Mancher Mann hätte bei der Heftigkeit der persönlichen Angriffe schon das Handtuch geworfen. Frau Schaeffler hat jedoch mit großem Stehvermögen ihre Unternehmensziele konsequent weiterverfolgt.“ Als bei Schaeff-ler das Führungspersonal knapp wurde, übernahm Koerfer, auch auf Bitten der Eigentümerin, im März 2009 den Aufsichtsratsvorsitz bei Conti. Die Macht des Strippenziehers war nun offen sichtbar. Der Anwalt wagte sich aus der Deckung. Und bekam eine volle Breitseite ab.

Als Chef des Kontrollgremiums habe Koerfer seine neue Macht ausgenutzt, um Schaeffler-Interessen durchzudrücken, behaupteten Arbeitnehmervertreter. „Desaströs“ nannte ein Gewerkschafter den Führungsstil des Juristen. Den damaligen Conti-Chef Karl-Thomas Neumann wollte Koerfer, so heißt es aus Kreisen des Aufsichtsrats, von Anfang an loswerden.

Koerfers Selbstwahrnehmung ist eine andere: Er habe das Amt nicht aus Ehrgeiz übernommen, sondern um zum Nutzen beider Unternehmen eine gemeinsame Strategie zu entwickeln.

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