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Rennsport Formel 1 muss sparen

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Reifenkontrolle: Die Formel 1 Quelle: dpa

In Spitzenzeiten pumpten die großen Teams wie Toyota und Ferrari laut FIA-Präsident Max Mosley mehr als 400 Millionen Euro in ihre Karossen und beschäftigten bis zu 1000 Mitarbeiter. 2004, so Mosley gegenüber dem „Spiegel“, hätten die Teams eine Milliarde Euro allein für Motoren ausgegeben. „Langsam begreift auch der Letzte, wie unsinnig das Wettrüsten ist“, sagte Mosley. „Die Kosten müssen weiter radikal eingedämmt werden, indem wir die technischen Möglichkeiten einschränken.“

Scheinbar am gleichen Strang zieht die im vergangenen Herbst gegründete Teamvereinigung Formula One Team Association (FOTA), die die Interessen der Rennställe bündelt. Mehr Standardteile, weniger Personal, billigeres Material – so sollen bis 2010 weitere 50 Prozent gespart werden. Tatsächlich jedoch gehen der FOTA die Sparvorschläge von Mosley zu weit.

Denn der Kurs der FIA ist riskant: Zwar will sie die Eintrittsbarrieren zum Rennsport senken, um den drohenden Ausfall von Herstellern zu kompensieren. Doch zu viel Gleichmacherei kann der Königsklasse schaden: Den Einheitsrennwagen will keiner, schon gar nicht die Hersteller. „Der von der FIA vorgegebene Reglementsrahmen ab 2010 droht, die Essenz der Formel 1 und die Prinzipien, die sie zu einer der populärsten und attraktivsten Sportarten gemacht haben, auf den Kopf zu stellen“, befürchtet Ferrari-Präsident di Montezemolo.

Angst, dass das Interesse des Publikums an der Formel 1 schwindet

Denn es geht die Angst um, dass das Interesse des Publikums schwindet. Vor allem die nationalen Edelkutscher und Titelträger wie einst Michael Schumacher oder heute Fernando Alonso und Lewis Hamilton locken die Boliden-Fans an die Rennstrecken oder vor die TV-Schirme. Fehlen lokale Helden, bröckelt die Gefolgschaft.

So sind etwa beim Rennen in Hockenheim die Ticketverkäufe seit dem Höhepunkt des Schumacher-Hypes 2002 um mehr als ein Drittel zurückgegangen.

2008 führte das beim Veranstalter zu einem Verlust von knapp sechs Millionen Euro. Denn Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone kassiert allein dafür, dass der PS-Zirkus in einer Stadt gastiert, bis zu 18 Millionen Euro. Ende März will die Gemeinde Hockenheim entscheiden, ob sie sich weiter darauf einlässt.

Ecclestone steuert gegen, will die Formel 1 aufbrezeln: Die Fahrer sollen mehr Autogramme geben, Rock-Konzerte wie der Auftritt von „The Who“ wie jetzt in Melbourne sollen das Rennwochenende zum Event machen – und die hohen Eintrittspreise rechtfertigen.

In den Boomjahren haben Bewerber aus dem Nahen und Fernen Osten dank der Stütze durch Regierungen oder Investoren jeden Preis für den Rennzirkus bezahlt. So wird das Saisonfinale 2009 im futuristischen Motodrom auf einer Insel vor Abu Dhabi ausgetragen.

Premieren sollen bald auch in Südkorea und Indien gefeiert werden.

Doch das Interesse der Fans in den neuen Märkten sinkt offenbar: Obwohl in Malaysia die preiswertesten Formel-1-Tickets schon für gut 20 Euro zu haben sind, gehen die Verkäufe jährlich um 20 Prozent zurück.

In Australien werden 2009 wohl gut 15 000 Tickets weniger verkauft. In China, Bahrain und der Türkei laufen die Spektakel zögerlich. Und in Dubai, wo der weltweit erste Formel-1-Vergnügungspark errichtet werden soll, schweigen die Bagger. Dem Projektentwickler Union Properties ist auf halbem Weg das Geld ausgegangen, neue Kredite wurden verweigert. Öffnen soll der PS-Park nun erst 2010.

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