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Rennstrecken-Skandal Staatsanwälte schlagen am Nürburgring zu

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Obwohl sich die CST-Mütter Nürburgring GmbH und Mediinvest die Kosten für das System teilen wollten, sei der Löwenanteil der Kosten bei der Nürburgring GmbH hängengeblieben. Der klamme Kai Richter habe seinen Verpflichtungen nicht nachkommen können. Mindestens 4,125 Millionen Euro Schaden seien der landeseigenen Gesellschaft dadurch entstanden, schätzt die Staatsanwaltschaft.

Sie ermittelt deshalb auch gegen den früheren Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz, gegen Finanzdirektor Hans Lippelt und gegen Controlling-Direktor Michael Nuss-Kaltenborn. Ohne dazu befugt zu sein, sollen sie immer mehr Geld in die CST nachgeschossen haben.

Schaden von 200.000 Euro

Der zweite Schwerpunkt der Ermittlungen ist das Gebaren der CST-Manager. Beide Mütter stellten je einen alleinvertretungsberechtigen Geschäftsführer – für die Nürburgring GmbH war dies Lippelt, für die Mediinvest Kai Richter persönlich. Letzterer soll laut Staatsanwaltschaft völlig überflüssige Aufträge vergeben haben, und zwar an Firmen, an denen er selbst beteiligt war. Den Schaden schätzt die Staatsanwaltschaft auf mindestens 200.000 Euro.

Nach der scharfen Rüge des Landesrechnungshofs knöpft sich nun also auch die Staatsanwaltschaft den Sachverhalt vor – und nimmt dabei zugleich einen neuen Verdächtigen ins Visier: den aktuellen Ring-Geschäftsführer Hans-Joachim Koch. Der sollte als Nachfolger von Kafitz die Scherben zusammenkehren, muss sich nun aber selbst unangenehme Fragen gefallen lassen.

Die Folgekosten des CST-Desasters  hätten laut Hund ebenfalls hälftig von den beiden Müttern getragen werden müssen. „Allerdings gab es bei dem entsprechenden Vertrag eine mangelhafte Umsetzung“, so Hund. Daran wiederum sei auch Koch beteiligt gewesen.

Weitere Ermittlungsverfahren

Wegen der massiven Verschwendung beim insgesamt 330 Millionen Euro teuren Ausbau des Nürburgrings zur ganzjährigen Erlebnisregion laufen bei der Staatsanwaltschaft bereits mehrere weitere Ermittlungsverfahren. In einem Verfahren um Untreue bei den Neubauten ermittelt Hund neben Kafitz, Lippelt, Nuss-Kaltenborn und Richter auch gegen weitere prominente Verdächtige.

Darunter ist Ingolf Deubel, mittlerweile zurückgetretener SPD-Finanzminister und ehemaliger Chef des Nürburgring-Aufsichtsrats, sowie Hans-Joachim Metternich, ehemaliger Chef der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz und heutiger Kreditmediator der Bundesregierung. In diesem Verfahren bereitet Hund Anklagen vor. „Wir haben den Sachverhalt zu 90 bis 95 Prozent aufgeklärt“, sagte Hund wiwo.de, voraussichtlich werde gegen mehrere Beschuldigte Anklage erhoben. 

Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Schweizer Finanzvermittler Urs Barandun, der einen privaten Investor für die überdimensionierten Bauten am Nürburgring besorgen wollte, aber nur einen ungedeckten Scheck lieferte. Hund prüft, ob Barandun jemals über die behaupteten Kapitalbeträge verfügte und hat deshalb Rechtshilfeersuchen an die Justiz in Liechtenstein, der Schweiz, Spanien und Großbritannien gerichtet.

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