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Reportage Großdemo in Bochum: "So nicht, Nokia!"

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Die, um deren Jobs es geht, sind hier, um Flagge zu zeigen. Kerstin Stennei, 40 Jahre, seit 1995 bei Nokia erst "in der Bestückung", inzwischen in der Auftragsbearbeitung. "In den Betreibsversammlungen haben die immer gesagt, wir sind gut", sagt sie. Es gab Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, "alles ganz normal". Gut, auf die Kosten geguckt wurde immer, aber "das machen doch alle Unternehmen", sagt Stennei. Es war "total unerwartet", dass das Management in Finnland vor genau einer Woche das Aus für Riemke mit seinen rund 3000 Arbeitsplätzen verkündete. Hoffnung, daran etwas ändern zu können, hat Stennei nicht: "Dass wir hier demonstrieren, das interessiert die doch nicht." Mit dem Betriebsrat und Politikern hätten die Manager nur geredet, weil sie Angst um ihre Subventionen haben". Stenneis Kollegin ist mit ihrer Schwester und deren Kindern gekommen. Sie will ihren Namen nicht nennen gegenüber Journalisten. "Warum", fragt Stennei, "was haste noch zu verlieren?"

Es ist wie in Rheinhausen oder wie in Kamp-Lintfort, wo BenQ vor einem Jahr das ehemalige Siemens-Handywerk dicht machte. Wut und Enttäuschung macht sich Luft. IG-Metall-Funktionäre und Betriebsräte reden Klartext. Verdi-Leute aus Essen treffen sich und grüßen sich noch, obwohl schon der 2. Januar gezählt wir "frohes Neues". Gekommen sind auch wieder die Leute von ThyssenKrupp Nirosta aus Bochum mit ihrer alten Bochumer Vereinsglocke, die hinten auf einem Lastwagen aufgebaut ist und im Demonstrationszug mitfährt. Zwei Arbeiter in silberner Montur, die sonst am Elektrohochhofen schuften, schlagen das Symbol für Arbeiterkampf und soziale Gerechtigkeit immer wieder an. Manny´s Feldküche ist auch wieder da. Suppen-Manny, wie er sich nennt, hat schon die Leute im Soli-Zelt bei BenQ in Kamp-Lintfort versorgt - der Mann im Norweger-Pullover ist überall, wo was los ist.

Der Protest wirkt trotz der emotionalen Reden auf dem Marktplatz neben der backsteinernen Sankt-Franziskus-Kirche ohnmächtig. Ein paar hundert Meter weiter aber bemerkt Ulrich Schmölker in seinem kleinen Telefonladen, dass die Opfer der wirtschaftlichen Entwicklung auch spürbar reagieren können. "Jeder sagt im Moment: kein Nokia", berichtet Schmölker. Und damit ihm keiner die Scheiben einschlägt, will er die Nokias jetzt lieber aus der Auslage nehmen. Morgen fährt er zu seinem Händler und kauft Ersatz - von Motorola, SonyEricsson und Samsung.

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