WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Rezession DIHK-Chef Driftmann: Banken mauern bei Krediten

Der DIHK hat eine stärkere Kontrolle der Banken durch die Bundesregierung gefordert, weil die Kreditversorgung der Unternehmen immer schlechter werde. Für die deutsche Wirtschaft sieht er die Talsohle erreicht.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Es könne nicht angehen, dass der Bund die Banken mit Staatshilfen rette, die Banken das Geld aber zur Sanierung und nicht für die Kreditvergabe nutzten, kritisiert DIHK-Chef Hans Heinrich Driftmann in der WirtschaftsWoche. „Wir werden in den nächsten Monaten noch viel stärker als bisher mit Schwierigkeiten bei der Kreditversorgung zu kämpfen haben, weshalb ich der Lösung dieses Problems oberste Priorität einräume. Die Banken nutzen das Geld zunächst dazu, sich zu sanieren. Gefährlich wird es, wenn sie dabei vergessen, ihre Rolle für die Realwirtschaft wahrzunehmen und stattdessen nur so schnell wie möglich zu alten Renditezielen zurückkehren wollen.“ Deshalb müsse die Bundesregierung „darauf dringen, dass die Banken ihr Kundenkreditgeschäft wieder intensivieren“, so Driftmann. „Um die erforderlichen Informationen zu bekommen, müssen die Bundesbank, die BaFin und der Bankenrettungsfonds SoFFin offenlegen, wie die Banken die staatlichen Gelder einsetzen. Nur dann lassen sich die Steuermittel zur Stabilisierung des Finanzmarktes rechtfertigen.“

Der DIHK-Chef kritisiert, dass die Banken immer größere Sicherheiten verlangen und die Kreditvergaben immer bürokratischer werden. „Die Anträge und die Kreditbegründung werden immer detaillierter. Die Banken verlangen von uns statt einer Quartalsvorschau nun eine Drei-Jahres-Prognose.“ Dabei sei eine Prognose über drei Jahre überhaupt nicht zu leisten. „Das zeigt aber, dass die Banken oft wenig vertraut sind mit branchenspezifischen Gegebenheiten. Manche Banker schauen zu sehr auf den dramatischen Konjunktureinbruch der vergangenen Monate und vergeben deshalb auch für die Zukunft sehr restriktiv Kredite. Das kann zur Verlängerung der Wirtschaftskrise führen.“

Zahlungsmoral auf dem Tiefpunkt

Probleme für die Unternehmen sieht Driftmann außerdem durch die immer schlechtere Zahlungsmoral. „Viele Kunden dehnen ihre Zahlungsziele eigenmächtig aus – oder halten sie nicht ein. Und Zulieferer werden preislich teilweise in unverantwortbarer und unmoralischer Weise gedrückt. Deshalb appelliere ich vor allem an große Unternehmen, ihre Marktmacht nicht zu sehr auszureizen.“ Besonders schlecht sei aktuell die Zahlungsmoral von Bund, Ländern und Gemeinden. „Am schlimmsten ist jedoch die Zahlungsmoral der öffentlichen Hand. Da gibt es viel Ärger bei Unternehmen, die im Straßenbau oder der Sanierung von Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen aktiv sind und monatelang auf die Begleichung ihrer Rechnungen warten müssen.“

Arbeitslosigkeit wird nur schwach steigen

DIHK-Chef Hans Heinrich Driftmann ist optimistisch, dass die deutsche Wirtschaft aktuell die Talsohle erreicht hat. Die Arbeitslosigkeit werde bis zum Jahresende nur schwach und deutlich geringer steigen als bei der letzten Rezession. „Im Schnitt der Branchen dürften wir die Talsohle erreicht haben“, sagte Driftmann der WirtschaftsWoche. „Der Aufstieg wird aber mühselig werden.“ Dennoch bleibe die Zahl der Beschäftigten hoch. „Zuversichtlich bin ich bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Die dürfte zwar zum Jahresende auf knapp vier Millionen Erwerbslose steigen, aber auch im nächsten Jahr nicht das Niveau von fünf Millionen erreichen – wie bei der letzten Rezession vor fünf Jahren. Das liegt auch am insgesamt besonnenen Krisenmanagement dieser Bundesregierung und besonders ihres neuen Bundeswirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg.“

„Auf keinen Fall die Steuern erhöhen“

Vor allem in den Schwellenländern sieht Driftmann wieder anziehende Nachfrage. „Die Konjunktur in China zieht wieder an, Indien fängt sich, Brasilien läuft auch. Diese Länder müssen bald wieder Investitionsgüter in Deutschland bestellen.“Allerdings dürfe die Bundesregierung die Rahmenbedingungen der Wirtschaft nicht etwa durch Steuererhöhungen verschlechtern. „Auf keinen Fall nun die Steuern erhöhen. Denn das wäre jetzt und in absehbarer Zeit Gift für die Wirtschaft. Viele Unternehmen leiden ohnehin noch unter der Unternehmenssteuerreform von 2008, durch die ja sogar Kosten wie Mieten und Zinsen besteuert werden. Das drückt unsere Eigenkapitalausstattung, verschlechtert unser Rating und erschwert jede Finanzierung. Von der nächsten Bundesregierung erhoffe ich mir daher, dass die Fehler der Unternehmenssteuerreform ganz beseitigt werden und obendrein das Steuersystem endlich vereinfacht und übersichtlicher wird.“

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%