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Rheinland-Pfalz Das Nürburgring-Desaster

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Nach den Wahlen geht es dem Quelle: REUTERS

Lindner und Richter haben noch kein Großprojekt gemeinsam gestemmt. Richter verweist gerne auf ein Lindner-Hotel im österreichischen Kössen – in Wirklichkeit ist die Herberge bis heute nicht gebaut. Richters Referenzen beeindrucken nur auf den ersten Blick. Gegenüber der WirtschaftsWoche räumt er ein, der Nürburgring sei sein „erstes großes Projekt“.

Obwohl der Newcomer die versprochene Privatfinanzierung für „Nürburgring 2009“ nicht geschafft hatte, entschied sich Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) mit Becks Rückendeckung 2010 noch einmal für das Duo Richter/Lindner: Das Land vertraute Anfang 2010 dem Düsseldorfer Gespann den privaten Betrieb der kompletten Nürburgring-Einrichtungen an. Per Betriebspachtvertrag band sich die landeseigene Nürburgring GmbH damit bis 2030 an die beiden – und räumten ihnen auch noch die Option zur Vertragsverlängerung bis 2040 ein.

Schnelles Geld

Hering betont, dass nur die beiden in der Lage seien, den Ring wetterfest zu machen. Dabei hatte Richter zuvor bereits unter Beweis gestellt, dass er vor allem eigene Interessen fest im Blick hat. Der smarte Firmenjongleur war nicht nur mit seiner Projektfirma Mediinvest, sondern mit mindestens sieben weiteren Firmen am Ring aktiv. Zwischen diesen Unternehmen schob er, wie der Landesrechnungshof aufdeckte, Gelder munter hin und her.

Im Mittelpunkt stand in vielen Fällen die von Richter gegründete Motorsport Resort Nürburgring GmbH (MSR), die als Eigentumsgesellschaft für das Vier-Sterne-Hotel, das Eifeldorf Grüne Hölle inklusive Drei-Sterne-Hotel und den Ferienpark fungierte. So beauftragte Richters MSR Richters Mediinvest, ein Grundstück für das Feriendorf am Ring zu suchen – natürlich gegen Honorar. Mediinvest wurde schnell fündig: Ein Areal in der Eifel-Gemeinde Drees sollte es sein. Eigentümer des Geländes war eine Gesellschaft, die Richter mit gehörte. Sie hatte das Grundstück erst im Juli 2007 für 180 000 Euro gekauft und verkaufte es vier Monate später für 2,5 Millionen Euro – ein schönes Geschäft für Richter und Co.

Auch als ihm das Land über die Rheinland-Pfälzische Gesellschaft für Immobilien- und Projektmanagement (RIM) mit 85 Millionen Euro bei der Ring-Finanzierung aushalf, verdiente Richter mit. Denn RIM überwies das Geld nicht direkt an Richters MSR, sondern an deren Muttergesellschaft Mediinvest. Diese leitete den Betrag an MSR weiter, allerdings mit saftigen Zinsaufschlägen. Gewinne blieben bei Mediinvest und anderen Richter-Firmen hängen, Schulden und Defizite sammelte Richter in der MSR – um sie samt Verbindlichkeiten an das Land abzutreten.

Insgesamt soll Richter laut Landesrechnungshof mit derartigen Geschäften rund sieben Millionen Euro abkassiert haben. Der Gescholtene geht über solche Vorwürfe locker hinweg. „Was kann ich dafür, wenn ein CDU-naher Prüfer im Rechnungshof so etwas schreibt?“, provoziert er, ohne auf die Sache einzugehen. „Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young“, behauptet er, habe ihm ohne Einschränkung testiert, „dass alles korrekt gelaufen ist“. Die Ernst&Young-Stellungnahme zum Rechnungshofbericht nehme aber „leider noch etwas Zeit in Anspruch“.

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