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Richard Branson Hippie-Kapitalist Branson will auch noch Banker werden

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Indem Branson sich auch bei Northern Rock nicht ins Tagesgeschäft einmischen wird und deshalb auch keine Banklizenz beantragen muss, verhindert er gleichzeitig, dass peinliche Ereignisse aus seiner Vergangenheit aufgewärmt würden. So zum Beispiel der Fall von Zollbetrug und Steuerhinterziehung im Jahr 1971, der dem damals 21-jährigen Gründer eines Direktversandes für Schallplatten eine Nacht in einer Polizeizelle und eine Geldstrafe von 20.000 Pfund bescherte. „Ich hatte immer gedacht, dass nur Kriminelle verhaftet werden, und nie war mir bewusst, dass ich selbst einer geworden war“, schrieb Branson später in seiner Autobiografie mit dem Titel „Wie ich meine Jungfräulichkeit verlor“. Dabei hatte ihm schon sein ehemaliger Schuldirektor prophezeit: „Du landest entweder im Gefängnis oder du wirst Millionär.“

Branson, der trotz seiner gutbürgerlichen Abstammung – er ist Sohn eines Anwalts und einer Stewardess und spricht den unverkennbaren Akzent britischer Privatschulabsolventen – stets damit kokettierte, ein Rebell zu sein, gehört längst zum Establishment. In seinem schneeweißen Privathaus im edlen Londoner Stadtteil Holland Park mag er es trotz seines unkonventionellen Äußeren klassisch gediegen. Das lange Wohnzimmer zieren dicke Teppiche, cremefarbene Tapeten und ein großer Flügel voller schwerer Silberrahmen mit Fotos, die den Hausherren mit Berühmtheiten und Familienmitgliedern zeigen.

Im Gespräch wirkt Branson immer so entspannt, wie es seinem Image als Sonnyboy geziemt. Doch richtig locker ist er nicht. Freundlich gibt er die Hand und bevor er sich in die tiefen Polster fallen lässt, schiebt er noch rasch die Kissen beiseite. Dann lächelt er unentwegt, selbst wenn er sich an eine der Krisen seines Imperiums erinnert. Doch so freundlich die Mundwinkel den Bart auch nach oben ziehen – weil seine Augen nicht recht in die Gestik einstimmen –  wirkt das Lachen immer ein wenig aufgesetzt und mechanisch.

Dazu passt die Verschlossenheit bei Bransons Unternehmensholding Virgin Group, einem komplizierten Geflecht aus Firmen in rund 30 Branchen in 30 Ländern. Neben Fluglinien, Reiseunternehmen, Mobilfunk, Biokraftstoffen, dem Finanzdienstleister Virgin Money gehören auch Engagements in der Fitness- und Freizeitbranche, ein Radiosender und eine Beteiligung an einem Fernsehsender dazu, außerdem Bahngesellschaften, Mega-stores, Virgin Cola und andere Getränkemarken, und das ist längst nicht alles.

Branson steuert sein unübersichtliches Reich vorzugsweise über eine Vielzahl steuersparender sogenannter Offshore-Trusts. Die Beteiligungsverhältnisse an diesen Firmen sind oft unklar. Die Fluggesellschaft Virgin Atlantic, an der Virgin 51 Prozent und Singapore Airlines 49 Prozent halten, gehört zu den tragenden Säulen des Imperiums. Immer wichtiger wird außerdem das Geschäft mit Fitness und Gesundheit, wo Virgin in Großbritannien demnächst in private Arztpraxen investieren wird. Nach der Übernahme der Fitnesskette Holmes Place im Jahr 2006 wird der Wert der Virgin-Beteiligung in dieser Sparte inzwischen auf 530 Millionen Pfund (rund 710 Millionen Euro) geschätzt – „der Wert übersteigt die 51-Prozent-Beteiligung an Virgin Atlantic“, schrieb kürzlich die „Financial Times“.

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