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Riskante Expansion Billigriese Netto lehrt die Discounter das Fürchten

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Vom Provinzkrämer zur Billigmacht

Eine Imagepolitur täte auch aus anderen Gründen not: Der ruppige Umgang mit dem Personal ruft nicht nur schauspielernde Kriminelle auf den Plan, sondern wird zunehmend zum Geschäftsrisiko. Mitarbeiter klagen über die Sparwut in den Filialen, Brüllattacken von Vorgesetzten und ein immenses Arbeitspensum.

Dabei wären gerade jetzt Engagement und frische Ideen gefragt. Denn das -Fundament, von dem aus Netto-Chef Franz Pröls zur Jagd auf Lidl bläst, ist brüchig. Die Strategie, wie Lidl mit preiswerten Markenartikeln die Kunden indie Läden zu locken, stößt auf massive Gegenwehr:

Seit sich Netto als Deutschlands neuer Billiggigant formiert, hat Aldi die Preise seiner Artikel, zum allergrößten Teil Eigenmarken, weiter gesenkt. Gleichzeitig heizt Lidl die Preisschlacht bei den Markenartikeln an. Das lässt Umsätze und Margen erodieren.Auch bei seinem Eigentümer Edeka gerät Netto unter Druck. Deutschlands größter Lebensmittelhändler ist genossenschaftlich organisiert, gehört also letztlich den vielen selbstständigen Edeka-Kaufleuten. Die erfreut die Billigtochter derzeit ähnlich wie eine Schar Flaschensammler am Leergutautomaten. Denn mit dem breiten Sortiment ist Netto einer der schärfsten Konkurrenten ihrer Supermärkte. Will Edeka-Chef Mosa eine Rebellion seiner Kaufleute verhindern, muss Netto Jahr für Jahr satte Gewinne überweisen.Gleichzeit brodelt es bei Netto gewaltig. Trotz des gewaltigen Wachstums in den vergangenen Jahren blieben die Führungsstrukturen die alten. Seit Jahren steht die gleiche Mannschaft auf der Kommandobrücke – und wirkt zunehmend überfordert. Rund zwei Dutzend ehemalige und aktuelle Mitarbeiter bezeichneten die Unternehmenskultur gegenüber der WirtschaftsWoche als "miserabel". Der Kostendruck sei immens, der Umgangston rau und die Befehlskette zu lang, heißt es aus allen Hierarchieebenen. Vor allem früheren Plus-Angestellten schlägt die oberpfälzische Hemdsärmeligkeit aufs Gemüt. Viele Spitzenkräfte suchten das Weite – hält der Exodus an, droht Netto ein veritables Führungsproblem.

Unternehmenschef Franz Pröls ficht das offenkundig nicht an. Alles sei im Lot, ist der Tenor seiner Aussagen im Interview mit der WirtschaftsWoche. Nach der Umstellung der alten Plus-Läden auf Netto, einer "Herkulesaufgabe", die unter Einsatz von 250.000 Schrauben, 245.000 Litern Farbe und 220 000 Metern Tapete gewuppt worden sei, liefen dieGeschäfte besser als erwartet. Mit elf Milliarden Euro Umsatz erzielte Netto 2009 rund 170 Millionen Euro Gewinn, berichtet das Fachblatt "Lebensmittelzeitung". In den umgebauten Filialen ist der Umsatz laut Pröls um zwölf Prozent gestiegen.

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