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Rohstoffe Weltmacht der Rohstoffkonzerne

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Kupfer

Die Minenkonzerne wissen: Zu hohe Preise ermuntern ihre Abnehmer nicht nur dazu, neue Lieferanten zu suchen, künftig weniger knappe Ersatzstoffe zu nutzen oder sparsamere Verfahren zu entwickeln, bei denen etwa Stahlkonzerne auch aus Zutaten geringerer Güte Stahl höchster Qualität kochen. Sie sorgen am Ende gar dafür, dass die Hütten mit der Autoindustrie und anderen Stahlkunden eine mächtigere Einheitsfront bilden und die Erzherzöge leichter gegeneinander ausspielen können. „Die ersten Ansätze gibt es bereits“, berichtet Stahlmanager Thieme.

Zudem treten die Minenkönige auch in der Öffentlichkeit anders auf. „Fast alle suchen wieder eine stärkere Nähe zur Politik und zu ihren Heimatländern“, sagt Lars Immerthal, Rohstoffexperte der Supply- Chain-Management-Beratung Brainnet. Konzernchefs wie Cynthia Carroll von der britisch-südafrikanischen Anglo American wollen ihre Unternehmen als verantwortungsbewusste Spieler darstellen. „Unser Beitrag für Entwicklungsländer ist größer als die Entwicklungshilfe vieler OECD-Länder“, sagt die einzige Frau an der Spitze eines Rohstoffriesen.

Neue Nähe zur Politik

Ob BHP, Rio und Vale sowie die – über die Tochter De Beers – bei Diamanten führende Anglo und der mit in diesem Jahr wohl rund 170 Milliarden Dollar Umsatz schwere Verbund des Schweizer Rohstoffhändlers Glencore und seiner Beteiligung Xstrata: Sie alle wirken heute wie die neuen Herren der Welt. Doch sie brauchen dringender denn je ein gutes Image und den Rückhalt der Regierungen ihrer wichtigsten Förder- und Abnehmerländer wie Australien, Südafrika oder die EU, damit sie Übernahmen und neue Minen ohne erdrückende Auflagen genehmigen. Jede neue Grube ist hoch riskant und rechnet sich meist frühestens in zehn Jahren, zum Beispiel das Projekt Serra Sul im Amazonasgebiet, in das Vale 11,3 Milliarden Dollar für Erschließung und Infrastruktur sowie eine Eisenbahnlinie steckt.

Abschied vom Ex-Kumpel

Gleichzeitig brauchen die Grubenherren Hilfe, wenn ihnen Länder wie China ins Handwerk pfuschen. Beispiel Rio Tinto: Das Reich der Mitte wollte 2009 über den Staatskonzern Chinalco einen größeren Anteil erwerben. Als das nicht klappte, wurden Rio Tintos führende Mitarbeiter in China wegen Korruption und Spionage verhaftet und in einem undurchsichtigen Verfahren zu hohen Strafen verurteilt.

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    Bisher ist das Bild der Rohstoffriesen in der Öffentlichkeit negativ. Umweltschützer kritisieren, dass die Minenbetreiber mit ihren Gruben die Landschaft verschandeln und häufig vergiften sowie in Gegenden ohne ausreichendes Trinkwasser große Mengen davon verbrauchen.

    Den Regierungen ist der Bergbau inzwischen zu mächtig. Noch vor zehn Jahren bestand die Branche vor allem aus kleinen Buddlern. Doch ab 2001 ersetzte als Erster BHP die im Management bis dahin üblichen grobschlächtigen Ex-Kumpel mit den schaufelgroßen Händen durch dealhungrige Ex-Berater wie den heutigen Chef Kloppers mit jugendlichem Charme und einem Blick am Rand eines ironischen Grinsens. Kloppers und sein Vorgänger Chip Goodyear formten die 1860 im niederländischen Den Haag gegründete Billiton durch Zukäufe vom Eisenstaubschaufler zum diversifizierten Erzkonzern. Das Engagement in vielen Mineralien macht BHP weniger anfällig, wenn die Konjunktur schwankt oder eine neue Grube bestreikt oder später fertig wird.

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