WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Rohstoffe Weltmacht der Rohstoffkonzerne

Seite 4/5

Zinn

Das Wohlwollen der Kartellbehörden verdarben sich die Konzerne, als sie nach einem Jahrzehnt von Zusammenschlüssen im Wert fast einer Billion Dollar ihre Marktmacht zu massiven Preiserhöhungen nutzten. So scheiterten zuletzt fast alle großen Fusionsprojekte wie BHP / Rio, -Vale / Xstrata oder Anglo / Xstrata nicht zuletzt an den Wettbewerbshütern.

Doch die größere Zurückhaltung der Minenkonzerne und neue Rohstoffquellen sind für die deutsche Industrie noch kein Grund zur Entwarnung. Erze bleiben knapp, weil mit dem weltweiten Wachstum die Nachfrage steigt und besonders China auch künftig fast alles tun wird, um seinen Bedarf zu decken.

Zwar zeigt sich das Land flexibel, wenn der Druck zu hoch wird. So konnte jüngst der Rest der Welt eine kleine Aufwertung der Landeswährung Renminbi durchsetzen. Doch bei den Rohstoffen ist nicht zu erwarten, dass China das Hamstern lässt.

Denn hinter der Strategie steckt weder reine Bosheit noch der Wille, den Westen herauszufordern, sondern eine Überlebensstrategie. China kann politisch und wirtschaftlich nur stabil bleiben, wenn es durch Wachstum neue hochwertige Jobs in Zukunftsbranchen schafft.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Illegale Bergwerke

    Um die nötigen Rohstoffe zu sichern, kümmern sich die Chinesen kaum um Menschenrechte oder Umweltstandards in afrikanischen Ländern – „und schon gar nicht um fairen Welthandel“, sagt ein deutscher Industriemanager. Er hat sogar Verständnis. „Die arbeiten im Grunde wie Deutschland beim Aufbau der Industrie bis in die Fünfzigerjahre.“

    Selbst wenn China sich an internationale Standards hält, fördert das nicht selten die Knappheit, etwa bei den seltenen Erden. Die High-Tech-Metalle kommen heute oft aus kleinen illegalen Bergwerken ohne Rücksicht auf Natur und Sicherheit. Beim Aufräumen der Schäden steht China vor gewaltigen Herausforderungen, weil das begehrte Metall nicht selten mit hochgiftigen Substanzen wie Blausäure aus den Erzen gewaschen wird. In der Inneren Mongolei, wo sich nach chinesischen Medienberichten rund 450 der illegalen Bergwerke befinden sollen, sind ganze Landstriche unbewohnbar. Darum will Peking viele Bergwerke nach und nach schließen, verknappt aber damit das Angebot.

    Vorbild Autobatterie

    Um den deutschen Rohstoffbedarf langfristig zu sichern, kommen Unternehmen und Politik an grundlegenden Änderungen nicht vorbei. Dazu zählt neben Sicherungsgeschäften gegen die schwankenden Preise wie beim Öl vor allem ein aktives Rohstoffmanagement.

    Berater wie Immerthal raten Unternehmen zu eigenen Kompetenzzentren, die nicht nur die Trends der Rohstoffmärkte kennen. Diese Stellen erforschen auch, welche Lieferanten Probleme bekommen könnten, wie Produkte mit weniger kritischen Rohstoffen auskommen und wie sich die am Ende unverzichtbaren Mineralien absichern lassen. „Das senkt die Rohstoffkosten im Schnitt um fünf bis zehn Prozent“, sagt Immerthal.

    Zweiter Ausweg aus der Klemme ist mehr Wiederverwertung. „Das ist bei vielen Metallen von Kupfer bis zu den seltenen Erden fast ohne Verluste möglich“, sagt Stahlmanager Thieme.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%