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Rohstoffkonzern K+S "Neue Bergwerke in Deutschland"

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Die Entwicklung der K+S-Aktie im Vergleich zum Deutschen Aktien Index (DAX) seit Januar 2010

An die Werra dürften Sie Kritiker dann aber nicht führen. Weil K+S dort Salzabwässer aus der Kaliproduktion einleitet, darf aus dem Fluss kein Trinkwasser entnommen werden. Viele Fischarten sind ausgestorben.

Nirgendwo auf der Welt lassen sich Rohstoffe ohne Eingriffe in die Natur gewinnen. Wir arbeiten seit Jahrzehnten kontinuierlich daran, diese Eingriffe so gering wie möglich zu halten und weitere Optimierungen zu erzielen.

Was ist, wenn Sie künftig nicht mehr wie bisher die Abwässer einleiten dürfen? Müssen Sie dann die Produktion einschränken?

Die Landtage der Länder Hessen und Thüringen haben sich zum Kaliabbau bekannt und zu einer Politik, die wirtschaftliches Handeln und nachhaltigen Umgang mit der Natur in Einklang bringt. Dafür investieren wir bis zum Jahr 2015 360 Millionen Euro, um die Wasserqualität der Werra weiter zu verbessern. Wir nehmen technische Verbesserungen vor, reduzieren so die Einleitungen um die Hälfte und senken die Salzkonzentration um 30 Prozent.

Sie bereiten gerade ja auch Anträge vor, um die Salzabwässer in die Nordsee zu leiten, was deren Salzgehalt nur unwesentlich erhöhen würde. Das Land Niedersachsen sperrt sich dagegen. Glauben Sie trotzdem, die Pipeline bauen zu dürfen?

Laut dem Beschluss des runden Tisches, an dem wir mit den Bundesländern und Bürgerinitiativen sitzen, soll die Pipeline 2020 gebaut werden. Doch niemand kann garantieren, dass bis dahin die nötigen Genehmigungen vorliegen.

Warum versenken Sie die Abfälle nicht einfach wieder im Bergwerk?

Das ist unwirtschaftlich. Das sehen auch die Beteiligten am runden Tisch so. Zudem sprechen geologische und physikalische Gründe dagegen.

Aus Ihren Bergwerken weltweit fördern Sie nicht nur Kalidüngemittel, sondern auch ein anderes gefragtes Produkt: Streusalz für vereiste Straßen. Wieso kamen Sie in der Kältephase im Dezember nicht mit den Lieferungen nach?

Der Winter im vergangenen Dezember hat so ziemlich alles in den Schatten gestellt, was wir hier in Europa in den vergangenen Jahren erlebt haben – das dürfte Ihnen nicht verborgen geblieben sein. Und trotzdem haben wir unsere Kunden in aller Regel vereinbarungsgemäß beliefert. Durch den Kauf des US-Unternehmens Morton Salt vor zwei Jahren sind wir nun der weltweit größte Salzanbieter und können regionale Schwankungen in der Nachfrage noch besser ausgleichen. Das haben wir im Dezember auch gemacht: Wir haben nämlich sehr viel Salz aus den USA und Chile – zu höheren Kosten – nach Europa geholt und damit unsere hiesige Produktion, die in Europa schon über die größten Kapazitäten verfügt, ergänzt.

Trotzdem schien es, K+S habe die Situation falsch eingeschätzt, als Ende 2010 manche Regionen in Deutschland keinen Nachschub an Streusalz erhielten?

Sie erwecken ja fast den Eindruck, als wäre K+S der einzige Auftausalzlieferant in Deutschland. Das sind wir nicht. Zu Beginn des Jahres 2010 hatten wir unsere Läger noch einmal deutlich aufgestockt, zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und das ganze Jahr über rund um die Uhr produziert. Ende 2010, nach den außerordentlich harten Winterwochen, sind aber dann auch unsere Vorräte trotz Vollauslastung zur Neige gegangen. Die Zulieferungen unserer Tochtergesellschaften aus Chile und den USA haben dann aber geholfen, unsere Lieferfähigkeit aufrecht zu erhalten. Dennoch ziehen wir hieraus Konsequenzen und werden unsere Vorräte für Deutschland bis zum Winter 2012/13 noch einmal aufstocken – und zwar um 200.000 Tonnen auf dann insgesamt 1,1 Millionen Tonnen. Das finden Sie sicherlich nirgends sonst.

Also: Wer ist schuld, dass oft nicht gestreut wurde?

Steiner: Es kann nicht sein, dass das Winterrisiko bis in die Extreme hinein uns aufgebürdet werden soll. Auf der anderen Seite wollten viele Gemeinden aus finanziellen Gründen nicht vorzeitig, also im Sommer und Herbst, ausreichende Auftausalzvorräte anlegen. Da sind im Vorfeld des Winters oftmals die Hausaufgaben nicht gemacht worden. Wir empfehlen den Kommunen deshalb, ausreichend Vorsorge zu treffen, zumal die Preise im Sommer und Herbst auch günstiger sind.

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