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Ruinöser Preiskampf Mobilfunk-Discounter verdienen zu wenig

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Ruinöser Preiskampf

Solch schlanke Strukturen täuschen jedoch nicht darüber hinweg, wie unprofitabel die meisten Mobilfunk-Discounter nach wie vor arbeiten. Während die vier Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 trotz aller Preissenkungen weitgehend konstant operative Gewinnmargen zwischen 24 und 45 Prozent melden, müssen die Discounter um jeden Prozentpunkt kämpfen. Selbst Pioniere wie Tchibo, Simyo und Blau.de schaffen nur Margen von deutlich unter zehn Prozent und fallen damit weit hinter die Muttergesellschaften zurück.

Dabei hatten die Discounter große Hoffnungen in das sogenannte No-Frills-Modell gesetzt. Ohne jeden Schnörkel – wie no frills übersetzt heißt – wollten die inzwischen rund 50 in Deutschland aktiven Anbieter das Erfolgsmodell der Billigfluglinien kopieren. Die Airlines waren die erste Branche, die auf teure Extras wie kostenlosen Service und stationäre Verkaufsstellen verzichteten und mit verbilligten Tickets den etablierten Fluggesellschaften Passagiere abjagten. Fliegen wurde so zum erschwinglichen Massenprodukt. Billig-Pioniere wie Ryanair und Easyjet fahren heute höhere Profite ein als Platzhirsche wie die Deutsche Lufthansa.

Zu viele Karteileichen

Diesen Vorbildern konnten die Mobilfunker bisher nicht nacheifern. Selbst etablierte Discounter wie Tchibo, Simyo, Blau.de und Congstar fristen eher ein Nischendasein. Die Besten feiern schon Kundenzahlen zwischen 1,1 und 1,3 Millionen als Achtungserfolg. Bei insgesamt rund 20 Millionen Kunden, die alle Mobilfunk-Discounter zusammen zählen, kommt kaum einer auf Marktanteile von mehr als fünf Prozent. Da die überwiegende Mehrheit mit vorausbezahlten Guthabenkarten (Prepaid) telefoniert und selten mehr als fünf Euro pro Monat dafür ausgibt, schaffen nur wenige Anbieter den Sprung über die Umsatzmarke von 100 Millionen Euro.

Die Discounter sind Opfer eines ruinösen Preiskampfes, der bis heute anhält. Beim Start vor sechs Jahren lockte Tchibo (Slogan: „Wer’s einfach liebt, tchibofoniert“) mit dem Rund-um-die-Uhr-Einheitstarif von 35 Cent Zehntausende Neukunden an. Inzwischen sind die Minutenpreise auf 7,5 bis 9,0 Cent gestürzt. Einige Anbieter verschenken noch zusätzliche Prepaid-Karten, um ihre Kundenzahlen aufzuhübschen, oder packen als weiteres Lockmittel 1000 Freiminuten obendrauf. Wenn so gewonnene Kunden bei nächster Gelegenheit zu einem noch günstigeren Anbieter wechseln, ist das Geschäftsmodell kaum noch profitabel.

Denn die hohe Kundenfluktuation produziert zu viele Karteileichen. So hat die Telekom seit dem 1. April 5,6 Millionen Prepaid-Kunden aus ihrem Netz geworfen, ein Teil davon stammt von Discountern. Betroffen sind alle, die ihre SIM-Karten zwei Jahre lang nicht aufladen und drei Monate lang nicht benutzen. Entsprechende Klauseln hat die Telekom in ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen aufgenommen. Danach kann sie Verträge mit einer Frist von einem Monat kündigen. Die Kunden haben Anspruch auf Erstattung von Restguthaben. Doch das scheint nicht immer zu klappen: Den Verbraucherzentralen liegen Beschwerden von verärgerten Kunden vor.

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