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Russen-Einstieg bei Infineon Der Sicherheitstechnik droht der Ausverkauf

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Cyberagenten greifen an

Eigentlich müsste die Bundesregierung die Spionageabwehr verstärken. Seit Monaten, warnt das zuständige Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), stehen deutsche Unternehmen unter dem Dauerbeschuss chinesischer und russischer Geheimdienste. Ohne Spuren zu hinterlassen dringen Cyber-Agenten über das Internet in die Firmennetze ein, spähen persönliche Daten in PCs, Laptops und sogar Handys aus und reichen das streng vertrauliche Material an Konkurrenten weiter (WirtschaftsWoche 25/2010). Koordiniert werden die Attacken meist von russischen und chinesischen Geheimdiensten, prangert das BfV an.

Eigentlich müssten sich die Auftragsbücher der auf Spionageabwehr fokussierten deutschen IT-Sicherheitsanbieter füllen. Doch der Boom geht an ihnen vorbei. Eine Bestandsaufnahme der Beratung Booz & Co. im Auftrag des Brüderle-Ministeriums kommt zu dem Ergebnis, dass die deutschen Anbieter in den kommenden zwei Jahren weiter an Boden verlieren werden.

Kann der IT-Sicherheitsmarkt weltweit mit durchschnittlichen Umsatzzuwächsen von rund 14 Prozent rechnen, schaffen die hiesigen Anbieter nur rund zehn Prozent. „Deutschland fällt im internationalen Vergleich zurück“, sagt Booz-Berater Rainer Bernnat.

Experten wie Professor Alexander Huber von der Beuth Hochschule Berlin warnen bereits davor, dass Deutschland den Anschluss verliert: „Einige der inländischen Anbieter spielen technologisch derzeit noch in der Weltspitze mit“, sagt Huber. „Doch der Marktanteil der deutschen Unternehmen sinkt, weil die meisten zu klein für die Expansion ins Ausland sind.“ Statt lockerer Kooperationen empfiehlt Huber Fusionen, um ein Gegengewicht zu den US-Giganten zu schaffen.

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Standort erkennen

    Die deutschen Anbieter sind so spezialisiert, dass ihre Produkte im Ausland kaum wahrgenommen werden und fast ausschließlich bei Regierungsstellen zum Einsatz kommen. Die meisten hängen ohnehin am Tropf des Staates. Unternehmen wie Secunet Security Networks in Essen, eine Tochtergesellschaft des Banknoten-Herstellers Giesecke & Devrient, machen mehr als drei Viertel ihrer Geschäfte mit staatlichen Stellen.

    Secunet-Chef Rainer Baumgart versucht seit Jahren, die Abhängigkeit von den Staatsaufträgen zu verringern und besser mit der Industrie ins Geschäft zu kommen. Doch selbst Dax-Unternehmen greifen lieber zu billigen Sicherheitslösungen von der Stange als zu aufwendigen Verschlüsselungssystemen, wie sie das Auswärtige Amt für die Kommunikation mit den Botschaften in aller Welt einsetzt: „Die meisten bevorzugen Standardware, die man bei ausländischen Anbietern fast gratis bekommt“, sagt Baumgart.

    Dabei hätten die deutschen Nischenspieler gute Chancen. Denn IT-Sicherheit made in Germany steht nicht im Verdacht, Hintertüren für Geheimdienste zu installieren. Während andere Nationen wie die USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien ihre Nachrichtendienste gezielt zur Industriespionage einsetzen, um heimischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, verzichtet Deutschland auf diese konspirative Art der Auslandsaufklärung. Diesen Vertrauensvorschuss spielen die Unternehmen aber zu selten aus.

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