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Russland Moskau verkauft sein Tafelsilber

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Grafik: Von welchen Unternehmen sich die Stadt Moskau trennen und welche sie behalten will

Offiziell will sich die Lufthansa nicht dazu äußern. IATA aber zog die Notbremse und entzog der Fluglinie die Landerechte für Ziele außerhalb Russlands. Inzwischen hat Wettbewerber Jut-Air mehrere Strecken übernommen. Analysten erwarten, dass die zum Ölkonzern Surgutneftegas gehörende Gesellschaft die Stadtfluglinie für einen symbolischen Rubel kauft.

Den Analysten Jewgeni Schago von der Investmentgruppe Ingosstrach wundern solche Bruchlandungen nicht: "Der Staat ist kein guter Unternehmer, eine Stadt erst recht nicht." Luschkows Verwaltern hätten Erfahrung und Motivation gefehlt, um Unternehmen auf Effizienz zu trimmen.

Zu allem Überfluss behandelte Luschkow die Unternehmen wie sein persönliches Eigentum, etwa im Fall der Bank of Moscow. Deren Chef verdonnerte Luschkow mitten in der Finanzkrise, seiner Gattin Jelena Baturina einen Millionenkredit zu bewilligen. Dass die Baulöwin, deren Baustellen stillstanden, kreditwürdig war, wagen Branchenkenner zu bezweifeln.

Scharonow mistet gründlich aus

Jetzt will Scharonow die Bank verkaufen. Den Wert des 46,5-Prozent-Pakets schätzen Analysten auf 2,2 Milliarden Euro. Neben Russlands zweitgrößtem Finanzhaus VTB rechnet sich Italiens UniCredit Chancen aus. Strategisch wäre das nicht abwegig: Gerade im russischen Privatkunden-Geschäft, wo UniCredit expandieren will, ist die Bank of Moscow als fünftgrößtes Kreditinstitut stark.

Ohnehin sind nicht alle Unternehmen der Stadt pleitegefährdet. Shoppingcenter und Hotels, an denen die Stadt beteiligt ist, schreiben schwarze Zahlen. Und doch haben solche Beteiligungen nichts verloren im Stadtbudget. Selbst Russlands Finanzminister Alexej Kudrin fand kürzlich mit Blick auf das hohe Budgetdefizit klare Worte: Die Stadt möge die Beteiligungen verkaufen, die Erlöse ließen sich "sinnvoller einsetzen" als unter Luschkow. Investmentbanker Scharonow sieht das ein – und mistet nun gründlich aus.

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