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Ryanair-Chef Michael O'Leary im Interview "Ich war bescheuert"

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Trotzdem wird der Emissionshandel im Luftverkehr wohl kommen, und immer mehr Länder wie die Niederlande erheben Umweltabgaben auf Flugtickets Wie reagieren Sie darauf?

Wie immer. Zum einen freuen wir uns. Denn die Abgaben der Niederländer treibt deren Bürger über die Grenze in unsere deutsche Basis in Weeze am Niederrhein. Aber wir werden immer mehr moderne umweltschonende Flugzeuge einsetzen und noch bis zu 400 weitere dazukaufen. Das ist nicht bescheuert, wie Sie jetzt wahrscheinlich wieder glauben. Die Dinger sind billiger denn je, wegen des schwachen Dollar-Kurses und weil die Branche in eine Krise steuert.

In diesem Jahr haben Sie aber Ihrer Flotte weniger neue Maschinen hinzugefügt als geplant. Wie passt das denn zu Ihren Expansions-plänen?

Wir wachsen weiterhin zweistellig, allein in diesem Jahr um bis zu 17 Prozent, und brauchen die Flieger ab 2013. Wir haben Maschinen aus unserer Flotte rausgenommen, weil die auf dem Gebrauchtmarkt mehr bringen, als wir für neue bezahlen.

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    Doch Sie haben einige Strecken zumindest teilweise stillgelegt und Anfang des Monats eine Millionen Tickets für einen Euro inklusive Steuern verschleudert, um die Maschinen zu füllen?

    Wegen des hohen Ölpreises lohnen sich ein paar Strecken bei den gegenwärtigen Flughafengebühren nicht mehr. Die Flughäfen von Dublin und London-Stansted haben reagiert wie alle regulierten Plünderer, äh, ich meine natürlich Monopole. Sie haben die Preise erhöht und den Service verschlechtert. Andere Flughäfen wiederum sind uns bei den Gebühren entgegengekommen. Das haben wir voll an die Kunden weitergegeben und können weiter fliegen. Wer das nicht getan hat, bei dem haben wir in der nachfrageschwächsten Zeit im November und Anfang Dezember halt ein paar Routen stillgelegt.

    Das heißt, wenn Sie künftig weiterfliegen wollen, müssen Sie Ihre Kosten senken.

    Das geht bei uns automatisch. Wir haben im laufenden Jahr die Betriebskosten abseits des Öls um rund sechs Prozent gesenkt. Mit Öl sind sie leider um 18 Prozent gestiegen.

    Was machen Sie als Nächstes, um noch mehr zu sparen?

    Check-in-Automaten aufstellen.

    Das haben andere Fluggesellschaften schon vor Jahren gemacht.

    Aber erst jetzt rechnen die sich für uns. Die Automaten sind teuer, aber sie übernehmen auch die Arbeit der Ticketschalter, sodass wir weniger Personal brauchen.

    Zählen auch Flüge, bei denen die Kunden kein Gepäck mehr aufgeben können, zu Ihren Sparmaßnahmen?

    Was denn sonst? Da brauchen wir weniger Schalterpersonal, denn wir müssen keine Koffer mehr annehmen, und die Kunden checken im Internet oder am Automaten ein. Aber das bieten wir nur auf Flügen, die fast ausschließlich Geschäftsreisende nutzen wie in Deutschland von Frankfurt-Hahn nach Berlin.

    Wie laufen Ihre innerdeutschen Verbindungen?

    Endlich eine positive Frage. Die Maschinen sind voll, und wir verdienen Geld. Darum weiten wir das Angebot aus.

    Wann darf man bei Ihnen während des Flugs mit dem Handy telefonieren?

    Im September.

    Hatten Sie das nicht für Juli versprochen?

    Ja. Zehn unserer Flugzeuge sind bereit. Leider arbeiten nicht alle Aufsichtsbehörden so schnell wie wir. Doch bis März haben wir 40 Flugzeuge umgerüstet.

    Vergrätzen Sie damit nicht Kunden, die es ruhig an Bord haben wollen?

    Ich glaube nicht. Die meisten werden SMS schicken, wenn sie sich langweilen. Richtig telefonieren werden nur wenige...

    ...spätestens nach der ersten Telefonrechnung.

    Schon wieder so negativ. Wir verlangen nur die normalen Roaminggebühren. Nicht wir sind die Blutsauger, sondern unsere Wettbewerber mit ihren hohen Ticketpreisen wie zum Beispiel... Na ja, Sie wissen ja, wen ich meine.

    Und was wird aus Ihren Plänen für Langstreckenflüge? Dort wollten Sie eine Businessclass anbieten mit wie Sie sagten...

    ...Bed and Blowjob...

    ...geht’s nicht noch derber?

    Tut mir leid, dass ihr Deutschen für die Redeweise im Englischen keine Übersetzung habt. Könnten Sie sich vielleicht mit „supergeiles Angebot“ arrangieren?

    O.K., wenn Sie damit Ryanair charakterisieren wollen.

    Das ist kein Angebot von Ryanair, sondern eine eigene Gesellschaft. Wir sind vorbereitet und könnten loslegen. Doch es wird noch 12 bis 18 Monate dauern.

    Woran scheitert es?

    Uns fehlen die passenden Flugzeuge. Doch wenn durch die aktuelle Krise die Maschinen billig werden, fangen wir an.

    Werden Sie das noch als Ryanair-Chef erleben. Immerhin wollen Sie seit drei Jahren zurücktreten, und das immer in zwei bis drei Jahren.

    Ohne die aktuelle Krise wäre ich vielleicht schon weg. Ryanair ist auf Kurs und wird in fünf Jahren in jeder Beziehung doppelt so groß sein wie heute.

    Und was wird Ryanair ohne Sie sein?

    So erfolgreich wie mit mir. Ihr werdet mich schon los, und dann habt ihr noch den Chef von Easyjet und von (pausiert) Air Berlin. Puh, jetzt habe ich es doch gesagt.

    Wird Ryanair dann nicht die kostenlose Werbung durch Ihre dauernden Sprüche fehlen?

    Stimmt, der Marketingetat wird wohl steigen. Aber das spart Ryanair dann locker an den Gerichtskosten.

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