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Sabine Lautenschläger Die zornige Bankenaufseherin vom Rhein

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Deutsche Bank-Chef Josef Quelle: REUTERS

Die Verbände der privaten und der öffentlichen Banken unterstützen Weber. Einzig Josef Ackermann als Chef der Deutschen Bank zweifelt die Vorteile der Herrschaftsübernahme durch die Bundesbank an: Die Koalition habe die Lage nicht ausreichend analysiert. Ist das nun Lob von der richtigen oder von der falschen Seite für eine Bankenaufseherin?

Wenn Lautenschläger um Banken in Not verhandelt, sitzen nicht selten Politiker mit am Tisch. Mancher hat die Krise genutzt, um sich zum Bankenfachmann aufzuschwingen. Welche Erfahrungen sie mit den Neu-Experten gemacht hat, darauf antwortet sie nicht.

Für was ist sie in der Finanzkrise eigentlich dankbar geworden? Die Beamtin lehnt sich zurück und denkt nach: „Für unseren Mannschaftsgeist, ganz besonders als die Arbeit für den Hypo-Real-Estate-Untersuchungsausschuss im Bundestag kaum noch zu schaffen war.“ Wer hat wann was gewusst? Wer hat welche Risiken in Kauf genommen – vonseiten der Bank und vonseiten der Aufsicht?

Keine Ruhe im neuen Jahr

In Bonn ist ein Referat für die Hypo Real Estate zuständig, in dem fünf Mitarbeiter insgesamt 15 Banken überwachen. Am Wochenende vor der Ausschusssitzung, just Muttertag, stellten rund 50 BaFin-Kollegen von Freitag bis Montag die von den Berliner Politikern angeforderten Unterlagen zusammen, kopierten, füllten Ordner und Kartons, saßen nachts auf dem Boden und aßen Pizza.

Ruhe wird es auch im neuen Jahr nicht geben. Ob Lautenschläger eine bisher noch nicht öffentlich sezierte Bank in Gefahr sieht? Das würde sie öffentlich nie sagen. Schweigegebot eben.

Und dann wären da noch die sieben Landesbanken, von denen mehr als die Hälfte in der Finanzkrise faktisch pleitegegangen sind. „Als große Volkswirtschaft braucht Deutschland mindestens zwei bis drei global aufgestellte Banken, private und Landesbanken zusammengenommen“, sagt Lautenschläger und lächelt wieder fein: „Aber wir arbeiten mit den Strukturen und Geschäftsmodellen, die wir vorfinden.“

So vorsichtig spricht eine, die nach eigenen Worten in den vergangenen zwei Jahren ungeduldiger und härter geworden ist. Findet sie das nun gut oder schade? Da lacht sie herzlich und greift zum Plätzchen: „Also im Job finde ich es nützlich, aber mein Mann und meine Tochter machen abends deutlich, dass ich daheim das Delegieren sein lassen soll.“

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