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Sal. Oppenheim Altlasten bremsen die Genesung von Sal. Oppenheim

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Verhandlungen um BHF-Bank

Ex-Chef v. Krockow Quelle: dpa/dpaweb

Derzeit ist der Umbau vor allem eine große Redimensionierung. Von einst rund 2000 Angestellten bleiben wohl nur 800 übrig. Aus dem Investmentbanking, das in guten Zeiten deutlich mehr Er-trag lieferte als die Vermögensverwaltung, hat die australische Bank Macquariedie Aktienanalyse und das Geschäft mit Zertifikaten und Aktienanleihen übernommen. Die restlichen Investmentbanker haben die Bank mittlerweile verlassen. Eine Reihe von Private-Equity-Investitionen soll bis zum Jahresende abgebaut werden.

Bis dahin würde die Deutsche Bank auch gerne die BHF-Bank loswerden, die Sal. Oppenheim 2004 gekauft hatte. Als mögliche Käufer gelten der Finanzinvestor KKR und die Liechtensteiner LGT Bank, die sich nur für die Vermögensverwaltung interessiert. Die Deutsche Bank will die BHF jedoch komplett verkaufen. Erschwert wird das dadurch, dass bei der BHF ein erheblicher Stellenabbau ansteht. Zudem liegen die bisher gebotenen Preise unter den Vorstellungen der Deutschen Bank. Da die BHF nie in Sal. Oppenheim integriert worden ist, wäre die Trennung organisatorisch unkompliziert.

Bei den größten Altlasten der Kölner ist das deutlich schwieriger: Etwa 60 Fonds hat die Bank mit dem Troisdorfer Immobilienunternehmer Josef Esch aufgelegt. Eine hohe zweistellige Zahl der wohlhabendsten Kunden hat hier jeweils Millionen investiert.

Auch die Bank selbst hält Beteiligungen. Ex-Chef v. Krockow hatte die Fonds schließlich stets damit angepriesen, dass auch er in sie investiere. Was ein Siegel für Qualität sein sollte, entpuppte sich in vielen Fällen als Verhängnis.

Immer Ärger mit Esch

Ein Drittel der Fonds, die unter anderem in Karstadt-Immobilien investiert haben, steht unter Wasser. Das ist für die Anleger doppelt unerfreulich, weil sie ihre Investitionen steuersparend mit Krediten finanziert haben. Die müssen sie nun oft neu verhandeln, mitunter sind wegen des Wertverfalls der Fonds zusätzliche Sicherheiten fällig. Die Bank gibt zwar an, ihre Kunden bei der Lösung aller Probleme zu unterstützen. Dennoch ist der Ärger bei einigen Kunden groß. So hat der Unternehmer Heinrich Deichmann angekündigt, wegen der Esch-Fonds zu klagen.

Die juristische Aufarbeitung vergangener Sünden dürfte umfangreich werden. Sie betrifft zwar nicht die Bank, sondern das frühere Führungspersonal um v. Krockow. Förderlich fürs Image sind Verfahren dennoch nicht. Ob bei zwei Durchsuchungen sichergestellte Unterlagen zu Anklagen führen, ist nicht absehbar. Im Kern geht es um den Vorwurf, dass die Ex-Top-Manager unter anderem sich selbst Kredite ohne Sicherheiten genehmigten.

Mitglieder der Eignerfamilien fühlen sich getäuscht und geschädigt. Einige prüfen über den Anwalt Hans-Michael Pott von der Kanzlei Sernetz Schäfer Ansprüche gegen Ex-Top-Manager. Im Fokus stehen vorerst Dieter Pfundt und Friedrich-Carl Janssen. Beide hatten beim Abschied ihre Anteile an der Bank für rund 15 Millionen Euro verkauft. Die Summe basierte aus Sicht der Kläger auf unrichtigen Jahresabschlüssen und soll zu hoch sein. Um ein Haar hätten Pfundt und Janssen noch mehr kassiert. Eine in ihren Verträgen vorgesehene und bereits angewiesene Zahlung wurde jedoch gestoppt.

Von den Ex-Top-Managern ist nur noch Christopher v. Oppenheim lose mit der Bank verbunden. Er tritt bei Veranstaltungen auf und nimmt an Kundengesprächen teil. Pfundt hat bei der Finanzgruppe des Jungunternehmers Christian Angermayer angeheuert. Krockow und Janssen haben sich zurückgezogen und sind seit Monaten nicht mehr in der Bank aufgetaucht. Krockows Selbstbewusstsein soll jedoch ungebrochen sein. „In früheren Zeiten hätten die sich die Kugel gegeben“, sagt ein Ex-Spitzenmanager der Bank.

Früher war eben nicht alles besser.

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