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Sal. Oppenheim Altlasten bremsen die Genesung von Sal. Oppenheim

Weniger Berater, weniger Vermögen – gut ein Jahr nach dem Fast-Zusammenbruch bremsen Altlasten den Wiederaufbau der Privatbank im Eigentum der Deutschen Bank.

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Wilhelm von Haller

Beim Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim, wo einst Glanz und Selbstbewusstsein von gut zwei Jahrhunderten Tradition regierten, ist man empfindlich geworden. So empfindlich, dass das seit Anfang des Jahres zur Deutschen Bank gehörende Institut im jüngst veröffentlichten Halbjahresbericht sogar davor warnt, „dass durch externe Reportagen mit fehlerhaften Recherchen, vorsätzlichen Falschbehauptungen oder tendenziöser Berichterstattung die Reputation in der Öffentlichkeit leidet“. Was so hier selbstverständlich nicht geschehen soll.

Gut ein Jahr ist es her, dass die Krise der nach eigenen Angaben einst größten europäischen Privatbank eskalierte. Ende Dezember räumte der damalige Bankchef Matthias Graf v. Krockow seinen Posten. Die Bank verlor nach 220 Jahren im Familienbesitz ihre Unabhängigkeit.

Unter den neuen Herren muss Sal. Oppenheim weiterhin Altlasten abbauen und dabei das Geschäft, das die früheren Führungskräfte aufgebläht hatten, wieder auf die Betreuung der Reichen und Superreichen konzentrieren. Mehr noch: Die Bank, deren Angestellte sich stark mit der Zugehörigkeit zu den Eignerfamilien identifizierten, muss ihre Identität komplett neu erfinden. Den Weg wollen nicht alle mitgehen, wie zahlreiche Abgänge bei den Mitarbeitern zeigen. Dennoch zeigt das Programm erste Erfolge.

Dabei zeichnen die Zahlen erst einmal ein düsteres Bild. 2009 machte Sal. Oppenheim 1,2 Milliarden Euro Verlust. Im ersten Halbjahr 2010 kamen noch einmal 470 Millionen Euro hinzu. Die roten Zahlen stammen mehrheitlich aus der Pleite des Handelskonzerns Arcandor, an dem sich die Bank Ende 2008 beteiligt hatte. Die Deutsche Bank hat ihren Neuerwerb 2010 deshalb mit rund 700 Millionen Euro Kapital aufgepäppelt. Im vierten Quartal fallen erneut Kosten an, vor allem durch den Abbau weiterer 150 Stellen. Das trifft insbesondere Jobs in der Verwaltung, die schlicht nicht mehr gebraucht werden.

Zwei Milliarden Euro Vermögensverlust

Anders als von der Bank erhofft, haben sie auch viele Kundenberater verlassen. So lief fast die gesamte Berliner Niederlassung zur Credit Suisse über. Am Stammsitz Köln wechselten Berater in eine neu eröffnete Filiale des Konkurrenten HSBC Trinkaus. Nach Bankangaben ist insgesamt gut ein Fünftel der rund 100 Berater gegangen. Zuletzt verabschiedete sich ein Team aus der Stuttgarter Filiale.

Um die Abgänge zu stoppen, hat Sal. Oppenheim ordentlich Geld in die Hand genommen und Halteprämien gezahlt. Zudem sollen insgesamt 30 neue Berater an Bord kommen, sodass deren Zahl dann höher liegt als vor dem Eigentümerwechsel. In Bielefeld hat die Bank kürzlich sogar eine neue Niederlassung aufgemacht.

Durch den personellen Aderlass und die Fast-Pleite Ende 2009 hat Sal. Oppenheim wohl gut zwei Milliarden Euro betreuten Vermögens verloren. Auchim ersten Halbjahr flossen laut Geschäftsbericht Mittel ab. Die Trendwendesoll aber geschafft sein. Im weiteren Verlauf des Jahres sei die Bilanz beim verwalteten Vermögen deutlich positiv, heißt es im Umfeld des Instituts. 2011soll die Bank deshalb im Kerngeschäft einen Gewinn machen und dann auf Wachstumskurs gehen.

Dafür muss der seit Januar amtierende Bankchef Wilhelm v. Haller beweisen, dass Sal. Oppenheim mehr ist als ein bloßer Vertriebsarm der Deutschen Bank. Bei jeder Gelegenheit betont der ehemalige Firmenkundenmann deshalb die Unabhängigkeit. So tief greifend die Veränderungen im Inneren auch sind, so wenig sollen die Kunden davon merken.

Auch wenn der Vorstand bis auf eine Ausnahme mit Abgesandten der Deutschen Bank besetzt ist, sollen die Anlageempfehlungen von Vorgaben des Mutterkonzerns unberührt bleiben. Dadurch, so die Vorstellung, ergänzen sich Sal. Oppenheim und das Private Banking der Deutschen Bank komplementär. Der Schwerpunkt der Kölner liegt bei der Betreuung großer Vermögen alteingesessener Unternehmerfamilien. In der Branche herrscht weiter Skepsis, ob der Plan aufgeht.

Verhandlungen um BHF-Bank

Ex-Chef v. Krockow Quelle: dpa/dpaweb

Derzeit ist der Umbau vor allem eine große Redimensionierung. Von einst rund 2000 Angestellten bleiben wohl nur 800 übrig. Aus dem Investmentbanking, das in guten Zeiten deutlich mehr Er-trag lieferte als die Vermögensverwaltung, hat die australische Bank Macquariedie Aktienanalyse und das Geschäft mit Zertifikaten und Aktienanleihen übernommen. Die restlichen Investmentbanker haben die Bank mittlerweile verlassen. Eine Reihe von Private-Equity-Investitionen soll bis zum Jahresende abgebaut werden.

Bis dahin würde die Deutsche Bank auch gerne die BHF-Bank loswerden, die Sal. Oppenheim 2004 gekauft hatte. Als mögliche Käufer gelten der Finanzinvestor KKR und die Liechtensteiner LGT Bank, die sich nur für die Vermögensverwaltung interessiert. Die Deutsche Bank will die BHF jedoch komplett verkaufen. Erschwert wird das dadurch, dass bei der BHF ein erheblicher Stellenabbau ansteht. Zudem liegen die bisher gebotenen Preise unter den Vorstellungen der Deutschen Bank. Da die BHF nie in Sal. Oppenheim integriert worden ist, wäre die Trennung organisatorisch unkompliziert.

Bei den größten Altlasten der Kölner ist das deutlich schwieriger: Etwa 60 Fonds hat die Bank mit dem Troisdorfer Immobilienunternehmer Josef Esch aufgelegt. Eine hohe zweistellige Zahl der wohlhabendsten Kunden hat hier jeweils Millionen investiert.

Auch die Bank selbst hält Beteiligungen. Ex-Chef v. Krockow hatte die Fonds schließlich stets damit angepriesen, dass auch er in sie investiere. Was ein Siegel für Qualität sein sollte, entpuppte sich in vielen Fällen als Verhängnis.

Immer Ärger mit Esch

Ein Drittel der Fonds, die unter anderem in Karstadt-Immobilien investiert haben, steht unter Wasser. Das ist für die Anleger doppelt unerfreulich, weil sie ihre Investitionen steuersparend mit Krediten finanziert haben. Die müssen sie nun oft neu verhandeln, mitunter sind wegen des Wertverfalls der Fonds zusätzliche Sicherheiten fällig. Die Bank gibt zwar an, ihre Kunden bei der Lösung aller Probleme zu unterstützen. Dennoch ist der Ärger bei einigen Kunden groß. So hat der Unternehmer Heinrich Deichmann angekündigt, wegen der Esch-Fonds zu klagen.

Die juristische Aufarbeitung vergangener Sünden dürfte umfangreich werden. Sie betrifft zwar nicht die Bank, sondern das frühere Führungspersonal um v. Krockow. Förderlich fürs Image sind Verfahren dennoch nicht. Ob bei zwei Durchsuchungen sichergestellte Unterlagen zu Anklagen führen, ist nicht absehbar. Im Kern geht es um den Vorwurf, dass die Ex-Top-Manager unter anderem sich selbst Kredite ohne Sicherheiten genehmigten.

Mitglieder der Eignerfamilien fühlen sich getäuscht und geschädigt. Einige prüfen über den Anwalt Hans-Michael Pott von der Kanzlei Sernetz Schäfer Ansprüche gegen Ex-Top-Manager. Im Fokus stehen vorerst Dieter Pfundt und Friedrich-Carl Janssen. Beide hatten beim Abschied ihre Anteile an der Bank für rund 15 Millionen Euro verkauft. Die Summe basierte aus Sicht der Kläger auf unrichtigen Jahresabschlüssen und soll zu hoch sein. Um ein Haar hätten Pfundt und Janssen noch mehr kassiert. Eine in ihren Verträgen vorgesehene und bereits angewiesene Zahlung wurde jedoch gestoppt.

Von den Ex-Top-Managern ist nur noch Christopher v. Oppenheim lose mit der Bank verbunden. Er tritt bei Veranstaltungen auf und nimmt an Kundengesprächen teil. Pfundt hat bei der Finanzgruppe des Jungunternehmers Christian Angermayer angeheuert. Krockow und Janssen haben sich zurückgezogen und sind seit Monaten nicht mehr in der Bank aufgetaucht. Krockows Selbstbewusstsein soll jedoch ungebrochen sein. „In früheren Zeiten hätten die sich die Kugel gegeben“, sagt ein Ex-Spitzenmanager der Bank.

Früher war eben nicht alles besser.

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