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Sal. Oppenheim Angst um elitären Privatcharakter

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Die Deutsche Bank setzt deshalb zunächst auf die möglichst umfassende Information der Oppenheim-Angestellten. Krause wird diesen demnächst die Ziele persönlich vorstellen. Ein Trost bleibt den Skeptikern. „Die Gehälter bei Oppenheim liegen rund ein Drittel über dem Durchschnitt“, sagt ein Privatbankmanager.

Die großzügige Bezahlung gehört zu jener Opulenz, die sich in den vergangenen Jahren zu einem der zentralen Probleme der Bank entwickelt hat. Selbst im Rekordjahr 2007 gab die Bank von jedem eingenommen Euro 92 Cent wieder aus. Verursacht hat dies vor allem die Expansion in neue Märkte, die stets mit immensen Anlaufkosten verbunden war. Eine funktionierende Kostenkontrolle gab es jedoch auch im Tagesgeschäft nur ansatzweise. Hier wird die Deutsche Bank ansetzen und Privilegien streichen müssen, ohne den Kern der Marke zu zerstören.

Elitäre Kontaktbörse

Dabei werden die Frankfurter viel Fingerspitzengefühl benötigen. Denn der elitäre Auftritt ist bei Oppenheim bisher nicht nur Beiwerk, sondern auch Teil des Geschäftsmodells. Die Kölner Bank war schon weit vor dem Internet-Zeitalter so etwas wie ein StudiVZ für Multimillionäre und Milliardäre – eine Plattform, auf der man sich mit seinesgleichen trifft. Was Oppenheim auszeichnet, ist die „besondere Aufmerksamkeit im Alltäglichen“, sagt ein intimer Kenner des Unternehmens.

Das gilt nicht nur im geschäftlichen Bereich. Auch die Anbahnung privater Kontakte zu anderen reichen Familien ist kein Problem. Ein begehrter Praktikums- oder Ausbildungsplatz bei Oppenheim ist für die Kinder der Betuchten kein unerfüllbarer Wunsch. Dazu kommt ein bunter Strauß exklusiver Veranstaltungen, bei denen Damen mit ausladenden Hüten und Herren mit Grande-Complication-Armbanduhr unter sich sind. Das von der Bank gesponserte Poloturnier auf Sylt gilt in Teilen der High Society ebenso als Pflichttermin wie das Galopprennen in Köln und Treffen mit dem Oppenhein-Gesellschafter Georg Baron Ullmann auf dem familieneigenen Gut Schlenderhan.

Schluss mit anrüchigen Deals

Weitere Vorzüge brachte bisher die Verbindung zum Immobilienunternehmer Josef Esch. Gute Kunden, die in die gemeinsam mit der Bank aufgelegten Fonds investierten, hatten Zugriff auf eine private Fluglinie, an der auch v. Krockow beteiligt ist. Zu den besten Kunden gehörte der Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, gegen den inzwischen die Bochumer Staatsanwaltschaft wegen Untreue ermittelt.

Vor allem den Verbindungen zu Esch, Middelhoff und Schickedanz haftet der Ruch des Zweifelhaften an. Derartiges wird es unter der Regie der Deutschen Bank nicht mehr geben. „Das können sie in deren Geschäftssystem nicht fortsetzen“, sagt einer, der beide Unternehmen gut kennt. Die Esch-Fonds wird die Deutsche Bank nicht übernehmen.

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