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Sam Palmisano im Interview IBM-Vorstandschef: "Wir stellen weiter Leute ein"

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Die Freunde sind Oracle-Chef Larry Ellison und Sun-Gründer Scott McNealy. Ihnen hat der Wein offenbar nicht geschmeckt – Sun soll zuvor mit IBM über eine Übernahme verhandelt haben.

Ich mochte den Wein in der Tat nicht – das war aber zwei Monate vorher.

Sie haben IBM in den vergangenen Jahren doch sowieso immer weiter weg von Hardware positioniert. Wie hätte Sun da gepasst?

Das wären Spekulationen, auf die ich nicht weiter eingehen möchte. Nur so viel: IBMs Wurzeln sind gut 110 Jahre alt. Da sollten wir uns auch erwachsen verhalten – das heißt, Geld für die Aktionäre zu verdienen. Daher müssen wir nicht auf jeden Zug aufspringen, der durch unsere Branche rast.

Apropos Geld verdienen: Welche Bedeutung haben gesättigte Märkte wie die USA oder Europa noch für einen globalisierten Konzern wie IBM? Das Wachstum kommt doch aus Schwellenmärkten wie Asien oder Südamerika.

Natürlich investieren wir in Schwellenländern, schließlich werden bis 2030 in Staaten wie China oder Indien zwei Milliarden Menschen in die Mittelschicht vorstoßen. Daraus resultiert ein gewaltiges Geschäftspotenzial, denn die Menschen benötigen Banken, Mobilfunknetze und Verkehrssysteme – alles Dinge, für die man unsere Technologie und unser Know-how braucht. Gleichzeitig gibt es auch in entwickelten Märkten wie USA oder Europa gute Perspektiven, aber eben andere als in den Schwellenländern. Wichtig ist, eine Balance im Geschäft zwischen derart unterschiedlichen Märkten zu haben.

Wie bekommen Sie diese Balance hin, wenn Arbeitskräfte in Deutschland schlicht deutlich teurer sind als etwa in Indien?

Indem wir IBM als wirklich globales Unternehmen führen. Wir haben Verwaltungsfunktionen wie Personal oder Buchhaltung aus Hochlohnländern abgezogen und konzentrieren das nun in Service-Centern rund um den Globus. Zugleich haben wir mehr qualifizierte Mitarbeiter in Deutschland auf der Straße als früher. Wir investieren gezielt in Positionen wie Ingenieure, Entwickler und Vertriebsleute, aber ohne den Verwaltungsüberbau. Nur so kann man Jobs in weniger stark wachsenden Regionen halten und aufbauen.

Ist das auch ein Bekenntnis zur IBM-Forschung in Deutschland?

Wir haben Forschungszentren in Böblingen und Mainz und kürzlich erst ein neues Analysezentrum in Berlin eröffnet. Warum gerade hier? Weil es in Deutschland extrem gut ausgebildete Ingenieure gibt. Am Ende des Tages investiert man als Unternehmen dort, wo die Talente sitzen.

Sie haben ganz persönliche Erinnerungen an Deutschland und insbesondere Berlin: Vor 20 Jahren im November 1989 waren Sie beim Mauerfall im Westteil der Stadt dabei. Was haben Sie da erlebt?

IBM hatte eine Aufsichtsratssitzung in Deutschland, seinerzeit arbeitete ich für den damaligen IBM-Chef John Akers. Sie können sich vorstellen, was für eine Begeisterung wir in Berlin mitbekamen. Am nächsten Tag sind wir in ein Museum nach Ostberlin jenseits der Mauer gefahren – das war eine sehr eindrückliche Erfahrung.

Hat dieses Erlebnis, wie stark Geschichte Veränderungen anstoßen kann, Ihr Handeln und Denken im Geschäftsleben beeinflusst?

Ja, durchaus. Zum einen durch die Magie des Moments, der ja gelebte Geschichte war. Man kann Geschichte an der Universität studieren. Aber das ist nie dasselbe, wie sie am eigenen Leibe zu erleben und zu spüren, welche Veränderungen Geschichte bewirken kann. Gleichzeitig existierte auch viel Skepsis, gerade in der Wirtschaft, darüber, wie die Wiedervereinigung der deutschen Staaten vollzogen werden soll und was mit den ineffizienten Firmen im Osten passiert. Es herrschte gleichzeitig Enthusiasmus und Angst. Das alles hat mir ein Gefühl für die Macht von Ideen vermittelt. Ähnliches habe ich später in Asien erlebt, als ich dort die tief greifenden Veränderungen in Ländern wie China oder Indien verfolgen konnte. Für uns als Unternehmen bieten derartige Veränderungen großes wirtschaftliches Potenzial.

Geht’s dabei also doch nur ums Geschäft?

Genau das eben nicht. Natürlich müssen wir Gewinn erwirtschaften. Aber dies allein ist für die IBM-Belegschaft keine Motivation. Die 210.000 Naturwissenschaftler und Ingenieure bei uns sind begeistert davon, sich in Sachen Stauvermeidung, Genetik, intelligente Städte oder Energiesparen engagieren zu können. Dabei handelt es sich um herausfordernde, innovative Forschung. Aber gleichzeitig haben die Ingenieure damit großen Einfluss auf wichtige Veränderungen in der Gesellschaft – das ist es, was IBMler motiviert.

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