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SAP-Doppelspitze im Interview "Unsere Technologie zielt direkt auf Oracles Kerngeschäft"

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SAP-Vorstand Jim Hagemann Snabe Quelle: Andreas Körner für WirtschaftsWoche

Also Innovationen durch Zukauf. Gelingt es SAP nicht mehr, eigene Entwicklungen voranzubringen?

Snabe:  Mitnichten. Ich denke da vor allem an unsere In-Memory-Technologie. Bei ihr werden Daten direkt im Arbeitsspeicher eines Computers verarbeitet, statt den Umweg über die Festplatte nehmen zu müssen. Das macht den Zugriff 10 000-mal schneller als bisher.

Außerdem haben wir einen neuen Weg der Datenkompression und -speicherung gefunden. Die Kombination aus beidem ermöglicht Anwendungen zur Datenanalyse, die riesige Mengen an Unternehmensdaten rasend schnell verarbeiten können. Das sind Innovationsschübe, die uns neues Wachstum bescheren werden.

Ihr amerikanischer Erzrivale Oracle gibt sich von SAPs neuer Technologie unbeeindruckt. Oracle-Boss Larry Ellison sagte kürzlich, er frage sich, welche Medikamente SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner, der die Entwicklung von In-Memory stark vorantreibt, so alles nehme.

Snabe:  In dem Moment, als Larry das sagte, wusste ich, dass wir an etwas Großem arbeiten. Warum sonst hätte er sich die Mühe machen sollen, darüber in einem Interview zu sprechen? Ich schaue nur auf die Ergebnisse – und die sind überwältigend.

Sie können mit der neuen Technologie Dinge erledigen, die heute noch nicht möglich sind. Denken Sie an eine Bank, die in Echtzeit Risiko-Analysen mit Live-Transaktionsdaten statt mit Informationen aus der Vergangenheit durchführen kann – das verändert das Geschäft grundlegend.

Die Finanzmärkte scheinen die Bedeutung Ihrer Entwicklung auch noch nicht richtig verstanden zu haben. Der Kurs der SAP-Aktie liegt noch immer unter dem Niveau von 2006.

McDermott: Aktionäre reagieren erst, wenn sie ein konkretes Produkt am Markt sehen. Dennoch ist es für uns als Technologieunternehmen wichtig, dass wir früh unsere Vision bekannt machen, damit der Markt weiß, in welche Richtung wir marschieren. Und an einem bestimmten Punkt in der Zukunft werden diese beiden Dinge zusammenkommen.

Die Oracle-Aktie hat im gleichen Zeitraum besser abgeschnitten...

McDermott:  Dennoch sage ich, dass Oracle ein ernstes Problem haben wird. Unsere In-Memory-Technologie zielt direkt auf Oracles Kerngeschäft Datenbanken, die praktisch den gesamten operativen Gewinn erwirtschaften. Umgekehrt hat Oracle aber nie Innovationen gegen unser Kerngeschäft Unternehmenssoftware hervorgebracht, sondern den Markt durch Zukäufe bloß konsolidiert. Dadurch haben sie eine schwierige Ausgangsposition: In unserem Geschäft verfügen sie über eine Landschaft unterschiedlicher Systeme, die alle sehr inkonsistent miteinander arbeiten. Gleichzeitig, wenn die Prognosen für In-Memory nur halbwegs richtig sind, könnte für Oracles Kerngeschäft das Überleben schwierig werden. Daher erscheint mir unsere Zukunft vielversprechend. Das wird sich früher oder später auch im Aktienkurs niederschlagen. Uns geht es um den langfristigen Erfolg.

Sybase hat ja eine eigene Datenbank im Portfolio. Da könnte SAP Oracle doch sogar von zwei Seiten in die Zange nehmen: mit In-Memory und mit Sybase.

McDermott: Es stimmt, Sybase ist der viertgrößte Datenbankanbieter der Welt. Aber sie haben ihr Geschäft wohlweislich auf Spezialsegmente ausgerichtet, wo sie nicht direkt mit den anderen Herstellern konkurrieren. Unseren eigenen Kunden wollen wir die Wahlmöglichkeit für ihre Datenbanken geben: Das kann Microsoft sein, das kann IBM sein, aber auch Oracle, wenn ein Kunde das wünscht. Natürlich können sie auch Sybase einsetzen. Das stand bei dem Sybase-Kauf aber nicht im Vordergrund, sondern das Mobilgeschäft.

Auch wenn Sie die Kauf-Strategie von Oracle nicht nachahmen wollen: Fassen Sie weitere Übernahmen ins Auge?

Snabe:  Wir konzentrieren uns jetzt vor allem darauf, mit Sybase erfolgreich zu sein. Übernahmen sind ein wichtiger Teil unserer Strategie. Aber es werden eher kleinere Käufe sein, wir planen nicht bald schon wieder eine Akquisition in der Größenordnung wie Sybase. Das Hauptwachstum wird auch in Zukunft von eigenen Innovationen kommen.

Sie haben kürzlich als eines von wenigen Dax-Unternehmen eine Frau in den Vorstand berufen. Hat sich SAP Quotenziele für Frauen in Führungspositionen gesetzt?

McDermott: Nein, aber speziell in der IT-Industrie sind Frauen nicht gerade stark vertreten. Daher wollen wir sie schon früh an den Hochschulen für uns gewinnen, sie fördern und ihnen einen Aufstieg im Unternehmen ermöglichen.

Snabe: Wir wünschen uns generell mehr Vielfalt. Wenn Unternehmen Menschen mit unterschiedlichen Kulturen, Erfahrungen und Werten zusammenbringen, sind sie innovativer, als wenn da lauter Stereotypen sitzen. Wir wollen eine Kultur fördern, in der weibliche Führung möglich ist. Dazu gehört auch die Vereinbarkeit von Familie und Karriere, da haben wir bei SAP einiges erreicht. Aber eine Quote haben wir nicht. Unsere Maxime ist: Wir brauchen die besten Leute für den Job.

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