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SAP-Gründer ‚‚Unschlagbare Verbindung‘‘

Dietmar Hopp, 65, gründete 1972 mit seinen früheren IBM-Kollegen Hasso Plattner, Klaus Tschira, Hans-Werner Hector und Claus Wellenreuther das Softwarehaus SAP. Bis 1998 leitete er den Konzern als Vorstandssprecher. Noch heute ist er mit rund zehn Prozent einer der Großaktionäre von SAP. Über die von ihm gegründete Dietmar-Hopp-Stiftung unterstützt der Milliardär unter anderem soziale Einrichtungen und Jugendsport. Privat fungiert Hopp überdies als Risikokapitalgeber und hat in zwölf Unternehmen aus den Bereichen Medizintechnik, Pharmazie und Informationstechnik investiert.

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Herr Hopp, Sie wollen aus mehreren Fußballvereinen der Region Nordbaden ein neues Team formen, das in die Bundesliga aufsteigen soll. Wird das schwieriger als der Aufbau des Softwarekonzerns SAP, den Sie vor 34 Jahren mitgegründet haben? Wenn mir 1980 jemand gesagt hätte, aus SAP wird ein Global Player mit acht Milliarden Euro Umsatz und mehr als 30.000 Mitarbeitern, den hätte ich für verrückt erklärt. Da haben wir viel Glück gehabt. Aber Glück kann man natürlich auch beeinflussen. Das haben wir durch viel Energie, Fleiß, Qualität und Verlässlichkeit getan. Und das sind teilweise auch Eigenschaften, die man beim Aufbau eines professionellen Fußballvereins benötigt. Bei SAP in Walldorf waren Sie als Vorstandssprecher und „Vadder Hopp“ beliebt. Haben Sie nicht das Gefühl, zu früh gegangen zu sein? Das Internet boomte schließlich erst nach Ihrem Rücktritt 1998. Es ist doch viel schlimmer, wenn man zu spät geht. Es gibt es ja genug abschreckende Beispiele, wie Patriarchen an ihrem Stuhl kleben und dem Unternehmen damit schaden. Man ist mit 65 nicht mehr so flexibel, wie man das mit 50 ist. Ich hatte nie den Eindruck, dass ich etwas verpasst hätte. SAP läuft doch bis heute sehr gut. Hat es also nie bei Ihnen gekribbelt, als SAP auf einmal als Dinosaurier galt, dem agile New-Economy-Anbieter zusetzten ... ... und die inzwischen alle an die Wand gefahren sind! Seinerzeit habe ich wirklich noch viel mitdiskutiert. Dass SAP das Internet verpasst habe, wurde doch bewusst von unseren Konkurrenten hochgekocht. Uns war dagegen immer klar, dass wir keinen Frühstart machen dürfen. Schließlich wollten wir unsere damals schon große Zahl von Kunden nicht überrumpeln. Hochgekocht hat das vor allem Larry Ellison, Chef des US-Konkurrenten Oracle. Er wollte SAP schon zu Ihrer Amtszeit überholen – und arbeitet bis heute daran. Nicht zuletzt deshalb hat er die Softwareanbieter Peoplesoft und J.D. Edwards geschluckt. Das lässt mich ziemlich kalt. Das einzige Unternehmen, das ich hoch schätze und auch fürchte, ist Microsoft. Schauen Sie sich nur die jüngsten Oracle-Zahlen an: Wenn man beim Vergleichsquartal 2004 die Zahlen von Peoplesoft und J.D. Edwards berücksichtigt, hat Ellison doch tatsächlich die Lizenzumsätze mit Unternehmenssoftware binnen zwölf Monaten fast halbiert – eine Bankrotterklärung. Sie machen sich um SAP keine Sorgen? SAP gewinnt doch seit Ewigkeiten Marktanteile hinzu – bestimmt schon 15 Quartale nacheinander. Oracle ist in diesem Bereich schlicht nicht gut genug aufgestellt und hat keine ausreichend guten Produkte. Wieso hat SAP dann Anfang 2004 mit Microsoft über eine Fusion diskutiert? Wir haben gar nicht richtig verhandelt, sondern die Gespräche wurden in einem frühen Stadium wieder abgeblasen. Die beiderseitige Einschätzung war, dass ein Zusammenschluss nicht vom Europäischen Kartellamt genehmigt worden wäre. Ich wäre aber dafür gewesen, allerdings natürlich mit Randbedingungen, etwa dass SAP seine eigene Identität behalten hätte. Aber warum sollte SAP überhaupt freiwillig die Selbstständigkeit aufgeben? In den nächsten fünf bis acht Jahren sehe ich für SAP als eigenständiges Unternehmen keine Probleme und behaupte auch nicht, dass es danach welche geben muss. Aber mit Microsoft wäre es eine unschlagbare Verbindung für die Ewigkeit gewesen. Ich kann mir niemanden vorstellen, der das Gebilde hätte schlagen können. Von Ihrem neuen Fußballclub werden Sie das so schnell nicht sagen können. Warum reicht Ihnen das Engagement bei Ihrem Heimatverein Hoffenheim, bei dem Sie einst als Jugendlicher kickten, nicht mehr? 1990 habe ich begonnen, Hoffenheim zu unterstützen, zuerst bei der Jugendarbeit. Später kam auch die Förderung der ersten Mannschaft dazu. So ist Hoffenheim von der Kreisliga A bis in die Regionalliga aufgestiegen, wo wir jetzt im fünften Jahr spielen; die A-Jugend spielt sogar in der Bundesliga. Vor zwei Jahren haben wir beschlossen, dass die erste Mannschaft in die zweite Bundesliga aufsteigen soll. Denn die Regionalliga ist wenig attraktiv. Aber da spielen doch immerhin die zweiten Mannschaften vieler Bundesligisten. Genau die treten oft mit Profis aus der Bundesliga an, das ist doch Wettbewerbsverzerrung. Und das Fernsehen zahlt ganze 375.000 Euro, da kostet die Berufsgenossenschaft schon mehr. Daher habe ich Pläne zum Ausbau des Stadions in Hoffenheim entwerfen lassen. Im Oktober des vergangenen Jahres hat mir der Deutsche Fußball-Bund (DFB) jedoch mitgeteilt, dass man in Hoffenheim aus Kapazitäts- und Sicherheitsgründen keinen Zweitligafußball genehmigen könne. Und nach dem Rückschlag? Ich wollte nicht alles, was ich in 15 Jahren mit viel Herzblut aufgebaut habe, vor die Hunde gehen lassen. Denn wenn Hoffenheim auf Dauer in der Regionalliga dümpelt, ist auch für Jugendliche wenig Anreiz da, dauerhaft auf höchstem Niveau zu spielen. Daher habe ich mich für die Vorwärtsstrategie entschieden. Das heißt: Das Hoffenheimer Stadion wird weiterhin genutzt – und zwar für die zweite Mannschaft einer späteren Bundesligamannschaft. Die erste Mannschaft soll in einem neuen, noch zu bauenden Stadion spielen. Warum unterstützen Sie nicht gleich einen etablierten Verein aus der Region – Waldhof Mannheim nähme Sie gewiss gerne? Mein Baby, das ich seit 1990 großgezogen habe, möchte ich nicht einfach in fremde Hände geben. Und selbst wenn: Welchen Vorteil hätte es, diese Arbeit in einem anderen Verein aufgehen zu lassen? Keinen gegenüber dem, was ich jetzt mache! In Mannheim müsste etwa das in einem Wohngebiet liegende Carl-Benz-Stadion mit hohem Aufwand umgebaut werden. Da ist ein neues Stadion mit optimaler Verkehrsanbindung allemal die bessere Alternative – und nicht wesentlich teurer. Das sehen die Mannheimer offenbar anders und verspotten Ihre Pläne als „SG Neureich Bimbeshausen“ ... Darüber konnte ich herzlich lachen. Doch ich verstehe, dass die Waldhofer enttäuscht sind. Die haben lange auf die eigene Tradition gesetzt, aber auch Tradition ist eben vergänglich. Der VfR Mannheim war 1949 Deutscher Meister, Waldhof Mannheim in den Achtzigern mehrere Jahre in der Bundesliga. Nur – das ist alles lange her. Fürchten Sie nicht fehlenden Rückhalt für ein Landeiprojekt Hoffenheim-Walldorf? Die Gefahr besteht, wenn sich der sportliche Erfolg nicht einstellt. Zur Begeisterung gehört auch ein attraktives Spiel. Der ewige 1:0-Fußball bringt die Zuschauer doch auf die Palme. Die wollen Offensivfußball sehen, und das möglichst mit Spielern, mit denen sie sich identifizieren können, am besten jung und aus der Region. Reicht sportlicher Erfolg allein für die Identifikation? Bayer Leverkusen trägt bis heute an der Bürde des Werksvereins ... Ich hoffe, dass wir von Beginn an nicht so klassifiziert werden. Das ist ja auch der Grund, mit Vereinen aus der Region zu starten, die eine gewachsene Tradition haben. Aber wie jedes Unternehmen birgt eben auch dieses Unterfangen ein Risiko. Was hält der DFB von Ihren neuen Plänen? Der DFB war sehr angetan und auch kompromissbereit in der Frage des Namens: So soll im Namen des neuen Bundesligavereins Heidelberg im Mittelpunkt stehen, während bei der zweiten Mannschaft Hoffenheim im Vordergrund bleibt. Vielleicht fügen wir im Namen auch noch ein „06“ hinzu, weil dies das Gründungsjahr des Vereins ist – und weil Deutschland da zum vierten Mal Fußball-Weltmeister wird. Ist das Wunsch oder Prophezeiung? Sagen wir mal so: Es wäre doch zumindest ein gutes Omen für den neuen Verein.

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