Schadensersatzklage Porsche und VW droht der Mega-Prozess

41 Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften und Hedgefonds reichten Schadensersatzklage ein. Sie seien als Aktionäre bei der gescheiterten Schlacht des Sportwagenbauers um VW in die Irre geführt worden. Die Unternehmen bestreiten das.

Ein VW-Logo vor einem Quelle: Bernd Weißbrod dpa/lsw

Es gibt keine Klingel, auch kein Türschild. Nichts an dem sanierten Altbau in der Fehrbelliner Straße 52, auf der Grenze zwischen Berlin-Mitte und dem Yuppie-Viertel Prenzlauer Berg, deutet auf die ARFB Anlegerschutz UG hin, die hier ihre Adresse hat. "Rechtsanwälte" ist das Einzige, das passen könnte. Die ARFB ist eine Prozessführungsgesellschaft, eingetragen auf die Rechtsanwälte Franz Braun und Alexander Reus. Der Geschäftszweck: Ankauf und Geltendmachung von kapitalmarktrechtlichen Ansprüchen institutioneller Investoren.

Die kleine Firma mit der kryptischen Bezeichnung steht hinter einem Angriff, der vergangenen Mittwoch gegen den Weltkonzern Volkswagen und gegen Porsche anlief: Um 12.55 Uhr liefert ein Eilbote eine 205-seitige Klageschrift beim Landgericht Braunschweig ab. Autoren der Klageschrift sind die Gesellschafter der ARFB, der Kapitalmarktrechtler Franz Braun von der Münchner Kanzlei CLLB und sein Kollege Alexander Reus von der amerikanischen Partnerkanzlei DRRT. Die Einreichung des Schriftsatzes könnte der Auftakt sein zu einer der spektakulärsten rechtlichen Auseinandersetzungen, die die Republik je erlebt hat.

Aktienkurse bewusst beeinflusst

Denn die Berliner Briefkastenfirma ARFB klagt gegen zwei Aushängeschilder der deutschen Industrie: die Porsche Automobil Holding SE und die Volkswagen AG. Sowohl Europas größter Autokonzern als auch die Dachgesellschaft des Stuttgarter Sportwagenbauers, so der Verwurf, sollen Anleger um 1 096 468 359,52 Euro geschädigt haben und nun dafür aufkommen. Hinter der Klage stecken 41 Banken, Publikumsfonds, Pensionsfonds, Versicherungen, Staatsfonds und Hedgefonds, die die Rechte auf mögliche Schadensersatzansprüche an die ARFB abgetreten haben.

Zehn der vermeintlich geschädigten Gesellschaften kommen aus Deutschland, 18 aus dem übrigen Europa, weitere zehn aus den USA. Sie werfen Porsche und Volkswagen "Marktmanipulation und unterlassene Ad-hoc-Mitteilung" vor. Konkret: Porsche habe den Kurs der VW-Aktie unzulässig durch irreführende Aussagen beeinflusst, kursrelevante Informationen nicht unverzüglich veröffentlicht. VW habe davon gewusst, aber die Anleger nicht informiert. Die beiden Unternehmen weisen sämtliche Vorwürfe zurück.

Die Klage ist offenbar ein Grund, warum Volkswagen in der vergangenen Woche die Fusion mit Porsche verschieben musste. Volkswagen und Porsche bestreiten das. Offiziell hatten Volkswagen und Porsche hatten am Donnerstag mitgeteilt, dass die für 2011 geplante Fusion vorerst wegen anhängiger Klagen auf Eis gelegt sei.

Höchst brisant

Dass die Geschädigten ihre Namen erst nennen wollen, wenn es zur Verhandlung kommt, zeigt die Brisanz der Klage. Sollte noch eine Einigung vor Verhandlungsbeginn zustande kommen, will keiner in der Öffentlichkeit als Aggressor dastehen. Denn der vom Zaun gebrochene Rechtsstreit reicht weit über die bisherigen Klagen von Anlegern in Deutschland hinaus:

Damit ist der Schritt der 41 Anleger vielleicht nur der Anfang. Nach Informationen der WirtschaftsWoche wollen bis Jahresende weitere Kanzleien in Deutschland Milliardenklagen gegen Porsche und VW einreichen. Auch in anderen europäischen Ländern sind Klagen in Vorbereitung. In den USA, wo amerikanische Hedgefonds bereits rund zwei Milliarden Dollar Schäden geltend gemacht haben, fällt voraussichtlich bis Jahresende die Entscheidung, ob es dort zu Prozessen kommt. Bisher erklärten sich US-Gerichte für nicht zuständig. Sollten die Kläger endgültig in den USA scheitern, dürfte sich ein Teil von ihnen Klagen in Europa anschließen.

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