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Siemens Verkauf könnte Niedergang der Siemens-Telefonsparte beschleunigen

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SEN in deutschen Großunternehmen enorm präsent

Denn vor allem bei Großkonzernen in Deutschland besitzt SEN immer noch eine enorm hohe Präsenz. Nach einer Umfrage der WirtschaftsWoche nutzen neun von zehn Dax-Konzernen klassische Telefoniesysteme von Siemens. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen ist jedoch dabei, auf neue; internet-basierte Anlagen umzusteigen. Ob sie Siemens die Treue halten, wollte keiner der Konzerne preisgeben.

Falls nicht, könnte das SEN erneut empfindlich treffen. Denn die Sparte kämpft wie kaum ein anderer Hersteller mit den Altlasten der herkömmlichen Telefontechnik. Seit dem Start von ISDN Mitte der Achtzigerjahre gehört Siemens zu den großen Spielern im Markt der sogenannten Nebenstellenanlagen. Wie eine Bank konnten sich die Münchner lange Zeit darauf verlassen, dass kleine und große Unternehmen die Siemens-Hicom-Systeme installierten. Die Kunden waren dann in einer Siemens-Welt gefangen, aus der es kaum ein Entrinnen gab. Mietverträge mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren garantierten nicht nur die Störungsbeseitigung bei Pannen und kontinuierliche Wartung. Sie sorgten zugleich für ein profitables Servicegeschäft mit auf Jahre stabilen Einnahmen.

Das war einmal. Der Einzug der Internet-Telefonie in die Telefonwelt – auf Neudeutsch IP-Telefonie – läutet das Ende der klassischen Nebenstellenanlage und des damit verbundenen Wartungsgeschäfts ein. Zwar gibt es sie immer noch, die langen Leasingverträge. Überdies bietet SEN sogenannte hybride Systeme an, die alte und neue Technik miteinander verschmelzen. Doch den Umsatzrückgang konnte das bis heute nicht stoppen. Allein im Geschäftsjahr 2007 sank der SEN-Umsatz im Vergleich zu 2006 um zehn Prozent auf 3,2 Milliarden Euro; gleichzeitig stieg der Verlust von 418 auf 600 Millionen Euro.

Den Abstieg des einstigen Paradegeschäfts hat Siemens größtenteils selbst verschuldet. Viel zu lange haben die Siemensianer die IP-Technik ignoriert. Dabei unterschätzten sie völlig, wie schnell Unternehmen ihre Telefonsysteme auf die neue Technologie umstellen würden – was bei Kosteneinsparungen von bis zu 80 Prozent gegenüber der herkömmlichen Telefonie eigentlich nicht weiter wundert. „SEN hinkt Wettbewerbern wie Alcatel-Lucent oder Avaya in Sachen Internet-Telefonie seit Langem hinterher“, sagt Alan Weckel, Analyst des US-Marktforschers Dell’Oro Group. Als Siemens auf IP umschwenkte, war es bereits zu spät, den Rückstand aus eigener Kraft aufzuholen.

Vor drei Jahren zog Siemens die Reißleine und begann mit dem Ausstieg aus dem Telefongeschäft, das vor mehr als 160 Jahren die Wurzel des Konzerns bildete. Zunächst verkauften die Münchner 2005 ihre Mobilfunksparte an den taiwanischen IT-Anbieter BenQ – ein Schritt, der ein Jahr später mit einer Pleite endete, von der 3000 ehemalige Siemensianer betroffen waren. Anfang 2007 lagerte Siemens das Geschäft mit Telefonnetzen in ein Joint Venture mit dem finnischen Handy-Hersteller Nokia aus. Und im Sommer ging der Bereich der schnurlosen Telefone mehrheitlich an die Beteiligungsgesellschaft Arques.

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