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Software-AG-Chef Karl-Heinz Streibich "Schlagkraft gewinnen"

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Der zweitgrößte deutsche Softwarekonzern wird gestärkt, der drittgrößte Anbieter aber verschwindet. Und danach kommt lange Zeit nichts mehr. Steht das nicht Ihrem stets propagierten Wunsch entgegen, die Softwareindustrie in Europa zu stärken? Hätten Sie da nicht eher in den USA zukaufen müssen?

Was IDS Scheer bisher ausgemacht hat, wird zu einem wichtigen Bestandteil eines größeren, stärkeren und global wettbewerbsfähigeren Unternehmens. Der Standort Saarbrücken steht ja gar nicht zur Disposition und bleibt weiterhin für uns wichtig. Die Diskussion muss sein, wie wir mehr neue „IDS Scheers“ aus den Universitäten schaffen können. Denn auch mit den drei Großen ist die deutsche Softwareindustrie im internationalen Vergleich noch klein. Wir brauchen mehr Software-Player von globaler Bedeutung in Deutschland. Gemeinsam haben wir jetzt das Gewicht, das für eine echte Expansion notwendig ist. Nur die Großen werden im Weltmarkt überleben, kleinere Anbieter dagegen haben als Zulieferer im Verbund mit den Großen ihre Chance an einem starken IT-Standort. Insofern stärken wir mit der Übernahme von IDS Scheer die deutsche und europäische Softwarebranche.

Ihr letzter großer Zukauf war die Übernahme des US-Spezialsoftwareanbieters Webmethods vor zwei Jahren. Haben Sie daraus Lehren ziehen können, die Ihnen jetzt beim Kauf von IDS Scheer nützen?

Ja. Wir haben damit bewiesen, dass wir große Übernahmen stemmen und erfolgreich integrieren können. Immerhin hatte Webmethods mit 1000 Mitarbeitern rund ein Drittel der Größe der Software AG. Nun wir uns das auch mit der IDS Scheer und den rund 2600 Mitarbeitern gelingen. Zweitens haben wir gezeigt, dass der Zusammenschluss auch mit US-Firmen klappt. Das ist in der High-Tech-Branche eine Leistung, auf die wir stolz sein können. Und drittens belegt die Transaktion, dass wir passende Übernahmeziele identifizieren können. Schließlich sind wir mithilfe von Webmethods in Sachen Softwareintegration in eine neue Liga gekommen.

Sie wollen mit IDS Scheer ein Softwareunternehmen übernehmen, Konkurrent Oracle dagegen mit Sun einen Hardwarehersteller schlucken. Sind die Claims in der Softwarebranche schon so weit abgesteckt, dass nennenswertes Wachstum nur noch außerhalb des Segments möglich ist?

Die großen IT-Hersteller kaufen generell immer mehr zu, um weiter zu wachsen. Allein dadurch stellen sie sich Stück um Stück breiter auf und expandieren in angrenzende Segmente. Ich sehe das aber weniger als einen generellen Trend zu immer mehr Komplettanbietern in der IT-Branche. Es ist eher für Unternehmen einer bestimmten Größe eine unausweichliche Entwicklung.

Aber bisher spielte sich das nur in der Software ab. Oder will Oracle jetzt ernsthaft auch Rechner verkaufen?

Ich sehe das so: Oracle will noch mehr Cash-Flow zu erzielen und dadurch die Profitabilität zu erhöhen. Strategisch betrachtet gibt es zwei Aspekte: Das eine ist die Software. Dort Spezial-Know-how zu besitzen, etwa bei der Programmiersprache Java, bringt Oracle einen wichtigen Mehrwert gegenüber der Konkurrenz. Die Hardware beschert Oracle dagegen vor allem Zugang zu wichtigen Kunden und Wartungsverträgen.

Nach IDS Scheer peilen Sie also nicht gleich als nächstes den Kauf eines Hardwareherstellers an?

Das ist die unwahrscheinlichste aller Akquisitionen. Überdies müssen wir ohnehin erst einmal IDS Scheer integrieren, bevor wir neue Käufe anpeilen werden.

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