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Software-Konzern Microsoft: Bei Ballmer hat’s „Booom“ gemacht

Eins haben selbst hartnäckige Microsoft-Gegner dem Softwaregiganten aus Redmond stets zugestanden: Ihr Vorstandschef Steve Ballmer ist alles andere als ein Langweiler. Und auch auf der weltweiten Partnerkonferenz in New Orleans beweist der bullige Microsoft-Boss einmal mehr sein unnachahmliches Showtalent.

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Steve Ballmer, Vorstandschef Quelle: AP

Zweiter Tag von Microsofts Worldwide Partner Conference, der lang erwartete Auftritt von Steve Ballmer: Im marineblauen Hemd und dunkelblauen Anzug, sogar ungewohnt mit Sakko, stürmt der 53-Jährige auf die Bühne: „Bing Bing Bing“, bellt Ballmer förmlich ins Mikrofon – den Namen der neuen Microsoft-Suchmaschine, mit welcher der Software-Riese nach vielen Rückschlägen in den vergangenen Jahren erstmals gegen den schier übermächtigen Internet-Rivalen Google Land gewinnt und Marktanteile zurück erobert.

Jeder Beobachter spürt sofort: Trotz aller späteren Bekenntnisse zu seinen weltweiten Partnern, den kommenden Microsoft-Produkten wie Windows 7 und Office 2010 geht es dem Microsoft-Boss doch vor allem um eins: Endlich mit dem Erzrivalen aus dem Silicon Valley gleichzuziehen. Zu groß ist offenbar der Frust, auf einem derart wichtigen Gebiet einmal nicht der erste zu sein. Wie ernst ihm mit der Aufholjagd ist, beweist sein späterer Kommentar: „Wir gehen und gehen und gehen“, schreit Ballmer, während er über die Bühne marschiert – gewissermaßen in akustischer wie auch optischer Verdeutlichung des langen Marschs, den Microsoft in Sachen Internet-Suche gegenüber Google noch vor sich hat.  

Immer wieder Rückstände aufgeholt

Dennoch – oder gerade deshalb – kommt Ballmer nächste Bemerkung bei Lichte betrachtet wie eine Kriegserklärung daher. Dabei geht sie fast ein wenig unter im Gelächter des mit mehr als 3000 Zuhörern proppevoll besetzen Auditoriums über seine Showeinlage: „Denken Sie an Windows 1.0“, sagt Ballmer. Was übersetzt nichts anderes heißt als: Bei der Vorstellung seines ersten grafischen Betriebssystems Ende 1985 lag Microsoft schon einmal hoffnungslos abgeschlagen hinter dem damaligen Vorreiter Apple und dessen bereits seit langem per Maus steuerbaren Macintosh-Rechnern. Dennoch hat Microsoft trotz mancher Rückschläge beharrlich weiter gearbeitet, den Rückstand irgendwann eingeholt und verfügt heute mit einem Marktanteil von mehr als 90 Prozent über ein Quasi-Monopol. Dass Bing bereits auf einem ähnlichen Weg sei, sagt Ballmer freilich nicht, dennoch beteuert er: „Bing beweist, mit welcher Hingabe Microsoft auf ein Ziel hinarbeitet.“

Auch im Fortgang seiner rund zwanzigminütigen Rede („Das reicht, statt Euch eine ganze Stunde mit ‚Blablabla‘ zuzuquatschen“) unterstreicht Ballmer einmal mehr sein unnachahmliches Showtalent auf offener Bühne: Er gestikuliert mit vollem Körpereinsatz, der an Joe Cocker erinnert, er lacht, er schreit – ja er beschwört förmlich. Der Mann ist wirklich ein Vulkan und gibt einmal mehr den ewigen Begeisterer in eigener Sache, dieses Mal mit froher Botschaft für die gesamte IT-Industrie: „Ich bin optimistischer für das Zukunftspotential unserer Branche als jemals zuvor“, sagt Ballmer, und zählt die Geschäftsfelder auf, die den von der Wirtschaftskrise gebeutelten Anbietern wieder neues Wachstum bescheren sollen: Cloud Computing im Internet, Sprach- und Video-Kommunikation, intelligente Benutzeroberflächen für Computer, Handys und sonstige Geräte, neue Business-Software – die Möglichkeiten für Innovationen sind in seinen Augen schlicht enorm.

Voller Einsatz

Enorm müssen da natürlich auch die Bemühungen von Microsoft daher kommen. „Sicherheit?“, fragt Ballmer rhetorisch – und antwortet brüllend: „Booom“. Auf gut Deutsch: Microsoft kümmert sich drum. „Video-Kommunikation?“, er stößt seinen rechten Arm faustballend nach vorne – und wieder hat’s bei Ballmer Booom gemacht. Zumindest in Sachen Körpereinsatz seines CEOs rangiert Microsoft unangefochten an der Spitze. Ob das auch für die neuen Produkte des Konzerns gilt, muss sich indes in den kommenden Monaten erweisen.

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