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Software SAP droht eine Übernahmeschlacht

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Aktienanteile der Gründer an SAP

Dieses Problem haben die führenden IT-Konzerne als ihre große Chance erkannt und versprechen, die Komplexität zu verringern: mit Hardware inklusive vorinstallierter Software aus einer Hand. Dazu kauften sie sich Spezialisten zusammen, was der Markt hergab. Gerade erst lieferten sich die PC-Riesen HP und Dell ein Bietergefecht um den US-Speichersystem-Hersteller 3Par, an dessen Ende sich das ursprüngliche Angebot auf den endgültigen Übernahmepreis von 2,35 Milliarden Dollar verdreifachte.

Konnten die SAP-Gründer und -Ankeraktionäre Plattner, Tschira und Hopp das Treiben bei IBM und HP noch gelassen aus der Ferne betrachten, muss ihnen der unaufhaltsame Aufstieg ihres Erzrivalen Oracle in den vergangenen zwei Jahren nun endgültig die Stirn in Falten legen. „Die Kunden wollen keine Komponenten, sondern ein funktionierendes Produkt“, tönt Oracle-Gründer Larry Ellison unablässig in Richtung SAP. Der US-Flugzeugkonzern Boeing verkaufe schließlich auch keine Bauteile, sondern einen fertigen Flieger.

Um zu zeigen, dass er sich in der gleichen Rolle sieht, vollzog Ellison eine vollständige Kehrtwende. Spottete er früher über die hohen Forschungsausgaben und niedrigen Margen der Hardwarehersteller, zählt er nun selber zu ihnen. Im vergangenen Jahr schnappte Ellison für 7,4 Milliarden Dollar den Großrechner-Spezialisten Sun Microsystems in letzter Minute IBM-Chef Sam Palmisano weg.

Wie der Coup nun das Geschäft des schärfsten Konkurrenten beflügelt, können die SAP-Gründer sowie die beiden Apotheker-Nachfolger Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe inzwischen live verfolgen. Oracle kombinierte die Sun-Rechner mit seiner Datenbank G11 und verkauft das Paket nun unter dem Namen Exadata als IT-Produkt aus einer Hand. „Das ist das am schnellsten wachsende Produkt in der jüngeren Unternehmensgeschichte“, schwärmt Ellison. Im Gegenzug stellte er ein ähnliches Angebot ein, das er zuvor mit HP als Computerlieferanten konzipiert hatte.

Rein philosophische Frage

SAP versichert bisher stets, man bräuchte keine eigene Hardware im Portfolio. Grund: Die Kunden wollten sich langfristig nicht an nur einen Anbieter binden, weil sie dann völlig von dessen Preis- und Upgradepolitik abhängig wären.

Für Ellison ist das SAP-Argument allerdings eine rein philosophische Frage. Zumindest die Zahlen geben ihm recht. Ihnen zufolge ist SAP mit der Strategie, alles auf die Software-Karte zu setzen, inzwischen ins Hintertreffen geraten. So lagen im Jahr 2004 die Walldorfer und Oracle beim Umsatz noch gleichauf. Beide erzielten damals ungefähr zehn Milliarden Dollar Umsatz; bei Oracle im Wesentlichen durch Datenbank-Software, SAP primär mit Programmen zur Unternehmenssteuerung. Dank unzähliger Übernahmen spielt Oracle heute in einer anderen Liga.

Unterschiede in der Börsenbewertung

Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 27 Milliarden Dollar, SAP schaffte gerade 15 Milliarden. Während die Softwerker aus Germany 2,5 Milliarden Dollar Profit machten, fuhr der neue Allrounder Oracle sechs Milliarden Dollar ein (siehe Grafik). Die Unterschiede zeigen sich noch drastischer in der Börsenbewertung. SAP liegt bei rund 60 Milliarden Dollar, Oracle ist mit fast 140 Milliarden Dollar mehr als doppelt so viel wert. Allein diese Diskrepanz macht es für SAP immer schwieriger, sich weiter als einsamer Fels in der Brandung zu behaupten.

Dennoch scheint der Oracle-Chef nicht gerade begeistert zu sein, dass bei HP nun ein Softwarespezialist das Ruder übernimmt, der überdies noch vom größten Konkurrenten kommt. „Der gesamte HP-Aufsichtsrat muss geschlossen zurücktreten, sofort. Der Wahnsinn muss aufhören“, ätzte Ellison in einer E-Mail an das „Wall Street Journal“. Immerhin sei Apotheker von SAP gefeuert worden, „weil er so einen schlechten Job gemacht hat“.

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