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Software SAP droht eine Übernahmeschlacht

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Leo Apotheker: Wechsel von SAP Quelle: dpa

In Wahrheit dürften solche Verbalattacken aber ein Hinweis sein, dass Oracle nun – auch nach der freundlichen Grußadresse von SAP-Aufsichtsratschef Plattner an Apotheker – die Gefahr durch eine wachsende Nähe von HP und SAP sieht, in welcher Form auch immer. Analyst Rob Enderle, der von der amerikanischen IT-Hochburg Silicon Valley aus die Computerbranche seit Jahren beobachtet, glaubt, dass Ellison den neuen HP-Chef bewusst unterminieren will. Ellison habe nämlich fest geglaubt, dass Todd Bradley, der Chef der PC-Sparte, als neuer HP-Chef installiert würde. Der hätte HP dann wahrscheinlich noch mehr auf das Geschäft mit Rechnern ausgerichtet. Nun aber kommt mit Apotheker einer, dem man vieles unterstellen könne, nur nicht, dass er nach zwei Jahrzehnten bei SAP keine Ahnung vom Softwaregeschäft hat.

Tatsächlich würden sich HP und SAP wenigstens auf dem Papier ergänzen. Da sind zum Beispiel die Unternehmensprogramme sowie die neue Datenbank-Software, über die SAP dank der Übernahme des US-Spezialisten Sybase im Mai verfügt. Beides könnte Apotheker, mit seinen Rechnern zum IT-Paket geschnürt, seinen Unternehmenskunden anbieten. „Wenn es beim aktuellen Geschäftsmodell von HP mit dem Hardware-Fokus bliebe, müsste sich der HP-Verwaltungsrat vorwerfen lassen, mit Apotheker den völlig Falschen berufen zu haben“, sagt Stategy-Partners-Analyst Gümbel. „Also hat man sich bei HP mit der Personalie etwas gedacht. Der Schritt in Richtung Unternehmenssoftware ist jedenfalls naheliegend.“

Ähnlich sieht das Joshua Greenbaum, Analyst beim US-Marktbeobachter Enterprise Applications Consulting. „Der HP-Aufsichtsrat hat definitiv die unheildrohenden Zeichen erkannt und will so vermeiden, zur nächsten Sun zu avancieren“, sagt der IT-Experte. Damit meint er das Abseits, in das sich der Rechnerhersteller Sun durch Konzentration auf Hardware manövriert hatte, bevor er schließlich von Oracle geschluckt wurde. 

Zwingender Schwenk

Vor diesem Hintergrund gilt der Schwenk von HP zu mehr Software für Experten als zwingend. Daran ändert auch nichts, dass Apotheker-Vorgänger bei HP Hurd den einstigen Druckerhersteller in den vergangenen Jahren diversifizierte. So machte die Übernahme des IT-Dienstleisters im Jahre 2008 HP auf einen Schlag zum ebenbürtigen Service-Anbieter neben dem Erzrivalen IBM.

Das Geschäft mit Computerprogrammen hingegen ruht bei HP still und starr wie der See im gleichnamigen Weihnachtslied. Und das in einer Zeit, in der die Software immer größere Bedeutung in der IT erhält. Dessen ist sich auch Apotheker bewusst: „Software ist der Klebstoff, der das Hardwaregeschäft von HP zusammenhält“, so der 57-Jährige am Tag nach seiner Ernennung zum neuen Konzernchef in einer Telefonkonferenz.

Steigerung der Profitabilität

In Wahrheit wird es Apotheker bei HP aber weniger um den Zusammenhalt des Geschäfts, sondern in erster Linie um die Steigerung der Profitabilität gehen. Und da dürfte die Software, wie die Konkurrenten beweisen, der Königsweg sein. „Wer an der Spitze von HP steht, sieht die Fleischtöpfe von IBM und Oracle, nämlich jeweils deren Softwaregeschäft“, sagt Analyst Gümbel. So erwirtschaftet IBM trotz des geringeren Umsatzes fast doppelt so viel Gewinn wie HP – vor allem befeuert von der Softwaresparte. „Einen vergleichbaren Fleischtopf könnte HP durch einen Kauf von SAP erhalten – und zwar insbesondere in Form des hochprofitablen SAP-Wartungsgeschäfts mit seiner Marge von 85 Prozent.“

Der betörende Duft solcher Profite dürfte allerdings auch andere IT-Riesen anlocken, etwa IBM. Immerhin sind die Walldorfer für IBM ein überaus wichtiger Partner. Zum einen ist SAP ein indirekter Vertriebsarm von IBM, weil die Softwarepakete oft zusammen mit Datenbanken aus dem Hause des US-Computerriesen verkauft werden. Zum anderen macht die riesige IBM-Dienstleistungssparte – sie steht für mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes – gute Geschäfte rund um die Einführung von SAP-Software bei Unternehmen.

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