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Softwarehaus Wie IDS Scheer ums Überleben kämpft

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Scheer zog die Notbremse. Zunächst setzte er einen Restrukturierungsausschuss unter Leitung von Peter Gérard ein. Der ehemalige IBM-Manager und Vorstand von KarstadtQuelle kennt Scheer und das Unternehmen gut. Viele Jahren gehörte er dem Aufsichtsrat an. Im September machte Scheer den Wechsel komplett und ersetzte Vorstandschef Thomas Volk durch Gérard.

Der soll nun den größten Umbau in der Unternehmensgeschichte wagen. Bis Mitte November sollen die konkreten Einschnitte feststehen. Der Restrukturierungsplan sieht vor, dass künftig die Regionen zentral von einem Vorstand gesteuert werden.

Zudem werden das Software- und das Beratungsgeschäft enger miteinander verknüpft. Das spart Kosten, da vor allem im Vertrieb Stellen gestrichen werden sollen. Insgesamt stehen 200 der gut 3000 Stellen zur Disposition, betriebsbedingte Kündigungen sind nach Angaben des Unternehmens nicht ausgeschlossen.

Ob dies die erhoffte Rentabilität bringt, muss sich erst noch zeigen. „Viele Mitarbeiter fragen, ob es noch eine zweite oder dritte Kürzungswelle gibt“, sagt Uwe Brach, der die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat vertritt. Das schließt Scheer derzeit zwar aus. Doch das Umfeld für die Restrukturierung ist schwierig.

Das Geschäft von IDS ist auch auf dem Heimatmarkt abgestürzt: Der Vorsteuergewinn sank im vergangenen Dreivierteljahr von 30 auf 18 Millionen Euro. In der Folge der Finanzkrise blieben im September erwartete Aufträge aus. Die Aussichten für den Rest des Jahres sind nicht viel besser, dabei werden in der IT-Branche rund 60 Prozent der Umsätze in der zweiten Jahreshälfte erzielt, der Großteil im letzten Quartal.

Nachdem der neue Vorstandschef Gérard noch bei seinem Amtsantritt im September gesagt hatte, auch in diesem Jahr sei eine zweistellige Gewinnmarge möglich, musste er einige Wochen später eine Gewinnwarnung aussprechen. Weitere Umstrukturierungskosten von zehn Millionen Euro fallen an, so die Begründung, das angepeilte Margenziel für 2008 wurde von acht bis neun auf drei bis vier Prozent gesenkt.

Dabei plante Scheer vor zwei Jahren noch die große Expansion. Im September 2006 hatte er Thomas Volk, einen Manager des amerikanischen Datenbankspezialisten Sy-base, auf den Chefsessel gehoben, damit der das internationale Geschäft voranbringe. Volk sprach bereits davon, den Umsatz von damals gut 300 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro zu hieven. IDS sollte zum „Global Player“ aufsteigen, der in Nordamerika genauso viel einnimmt wie in Europa.

Doch daraus wurde nichts. Die Regionen Amerika und Asien-Pazifik steuern nicht einmal 20 Prozent des Umsatzes bei und bringen dem Unternehmen regelmäßig Verluste ein. Volk scheiterte mit der Internationalisierung von IDS wie bereits sein Vorgänger Ferri Abolhassan, den Scheer als einen von zwei Vorstandssprechern speziell für das internationale Geschäft installiert hatte. Auch das lange ausgegebene Ziel, bis 2010 den Umsatz auf 600 Millionen Euro zu verdoppeln, könne man wohl nicht mehr erreichen, sagt Scheer.

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