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Soziale Netzwerke Geschäfte unter Facebook-Freunden

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Rechnerisch ist jedes Mitglied bei Facebook etwa 100 Dollar wert

Aber ist das nun viel oder wenig für Facebook? Ist der digitale Freundeskreis noch ein Schnäppchen oder schon ein aufgeblasener Luftballon? Das weiß offenbar nicht mal Goldman Sachs so genau. Wie die New York Times berichtet, seien Facebook-Anteile einer anderen Abteilung bei Goldman Sachs kürzlich schon einmal angeboten worden. Deren Chef habe abgewinkt, weil die Bewertung zu hoch gewesen sei. Das muss aber nichts heißen, auch Szenekenner können irren. Beim Börsengang von Google im Sommer 2004 waren viele skeptisch. »Ich kaufe nicht«, sagte damals etwa Steve Wozniak, Mitbegründer von Apple und eine Instanz im Silicon Valley. Hätte er mal – dann hätte er seinen Einsatz seitdem versiebenfacht.

Facebook wird gerne mit Google oder anderen Internetunternehmen verglichen. Dahinter steckt der Versuch herauszubekommen, ob die Begeisterung für Facebook begründet ist oder ob sich nur eine zweite Internetblase wie zur Hochzeit der New Economy bildet. Die hatte Unternehmensbewertungen an der Börse zunächst in fantastische Höhen getrieben, und als sie platzte, Vermögen zahlloser Anleger vernichtet. Kommt es bei Facebook genauso? Oder ist diesmal alles ganz anders?

Die Vergleiche sind schon deswegen problematisch, weil Umfeld und Finanzierungsmodelle stets andere waren. So kann man etwa ausrechnen, dass Google am Ende des ersten Handelstages mit etwa dem 95-Fachen des erwarteten Jahresgewinns bewertet wurde. Bei Facebook wäre es heute das 125-Fache. So gesehen, wäre Facebook vergleichsweise teuer. Aber sieht es nach einer spekulativen Blase aus, wenn jeder Facebook-Kunde rechnerisch mit 100 Dollar bewertet wird? Beim Internetdienstleister AOL, der später einen der spektakulärsten Niedergänge der Dotcom-Ära hinlegte, war ein Kunde ja mal mehr als 5000 Dollar wert. So gesehen, wird Facebook zurückhaltend bewertet.

Solange keine neutral geprüften Finanzdaten vorliegen, ist ein Urteil kaum möglich. Für Normalanleger wird das ohnehin erst interessant, wenn – angeblich im nächsten Jahr – der Börsengang ansteht. Gut möglich, dass Goldman Sachs Facebook dabei begleitet. Erste Bande sind geknüpft, und wenn Goldman Sachs sich und seinen Klienten etwas Gutes tun möchte, arbeitet die Bank auf einen möglichst hohen Ausgabekurs hin. Dann steigen nämlich nicht nur die Werte in den Depots ihrer Kunden, sondern es steigt auch ihre eigene Provision für die Begleitung an die Börse. Und was geschieht dann?

Die Vergangenheit kann nur Vorsicht lehren. Es gibt heute nämlich durchaus Parallelen zu damals. Auf eine weist sogar Goldman Sachs hin. So analysierte ein hochrangiger Goldman-Mitarbeiter kurz nach Platzen der Dotcom-Blase die Ursachen in einem Gastbeitrag für die Onlineausgabe des Manager Magazins. Zwar hinkt der Vergleich zwischen der New Economy 2000 und Facebook 2011 gleich mehrfach, ein Aspekt lässt dennoch aufhorchen. Darin geht es um Haltefristen für Insider.

Während sich Kleinanleger damals noch dem Traum vom schnellen Geld hingaben und jedem Börsengang entgegenfieberten, hätten Insider dem Gastbeitrag zufolge längst gewusst, dass ihre Anteilsscheine »weit überbewertet waren«. Allerdings seien sie durch Haltefristen gehindert worden, ihre Anteile zu verkaufen. Kaum freigegeben, wurden die überbewerteten Aktien abgestoßen. Käufer waren Kleinanleger, die keine Chance auf die Papiere hatten, solange diese noch günstig waren. Befeuert durch den allgemeinen Hype, nahmen sie den besser informierten Altinvestoren ihre Aktien ab, als diese sie loswerden wollten. Als die Kurse später zusammenbrachen, waren sie die Dummen.

Das Muster könnte sich nun wiederholen. Auch bei Facebook soll Goldman Sachs seinen Exklusivkunden eine Haltefrist verordnet haben. Erst 2013 dürfen sie ihre Anteile angeblich wieder verkaufen. Ist es nur ein Zufall, dass dieses Datum kurz nach dem erwarteten Börsengang liegt?

Mag ja sein, das dieses Mal alles anders ist als früher. Dass die Unternehmer erfahrener sind, die Kapitalgeber besonnener, die digitale Ökonomie reifer. Dass Facebook den Erfolg von Google wiederholt oder sogar in den Schatten stellt. Wall Street aber dürfte sich kaum geändert haben. Ebenso gut möglich, dass das Börsenfußvolk später bloß dafür sorgen soll, dass sich der Einstieg übers Hinterzimmer für die Smart-Money-Clique auch wirklich gelohnt hat.

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