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Soziale Netzwerke Was die Internet-Weltmacht Facebook antreibt

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Facebook-Nutzer in Deutschland

„Wir werden viel stärker durch das beeinflusst, was unsere Freunde machen, als durch Empfehlungen von Unbekannten“, sagt Venkat Venkatraman, Professor für Management an der Universität Boston. „Durch die gegenseitige Vernetzung wird Facebook gewissermaßen zur Goldmine für Meinungen, Vorlieben und Interessen der Menschen – ein wichtiger Pluspunkt gegenüber Internet-Anbietern wie Amazon oder Google.“

Tatsächlich hat Facebook das bis dato anonyme Internet persönlich gemacht und mit 35 Milliarden Fotos seiner Mitglieder angereichert. Eine halbe Milliarde Nutzer verewigte sich bislang mit persönlicher Visitenkarte in den Speichern des sozialen Netzwerks. Geht es im bisherigen Tempo weiter, erreicht Facebook im Frühjahr 2011 die Zahl von einer Milliarde Nutzer – und damit jeden siebten Erdenbürger. Etwa die Hälfte der Nutzer loggt sich jeden Tag auf Facebook ein, manchmal gleich für mehrere Stunden. US-Surfer, ermittelten die Marktforscher von Comscore, verbringen jeden Monat sieben Stunden bei Facebook, aber nur drei Stunden bei Yahoo und zwei mit Google.

Schon diese Zahlen sorgen dafür, dass Facebooks potenzieller Markt wesentlich größer ist als der von Google. Zugute kommt dem sozialen Netz auch die Verteilung der weltweiten Ausgaben für Marketing und Werbung von geschätzt etwa 600 Milliarden Dollar. Ein Zehntel davon geben die Unternehmen für Werbung bei Kunden aus, die bereits einen Kaufwunsch haben und sich nur noch für ein bestimmtes Produkt entscheiden müssen. In diesem Segment ist vor allem Google aktiv und vereinnahmt bereits 25 Milliarden Dollar davon für sich. 540 Milliarden Dollar dagegen fließen in Kampagnen, die ein Bedürfnis nach Produkten oder Dienstleistungen erzeugen oder für Vertrauen zu einer Marke werben sollen. In dieser ungleich größeren Liga spielt Facebook, und hier sind erst etwa fünf Prozent der Ausgaben ins Internet gewandert.

Nettogewinn im zweistelligen Millionenbereich

Während Google damit schon viel von seinem Erlöspotenzial ausgeschöpft hat, steht Facebook am Anfang eines Booms. Google-Vorstandschef Schmidt muss deshalb nach neuen Märkten suchen, beispielsweise Werbung auf Mobiltelefonen. Doch selbst im Geschäft mit Smartphones hat Facebook bereits seine Claims abgesteckt – sein Button ist eine der populärsten App genannten Mini-Programme auf den Handys.

In diesem Sommer wird Facebook dank der Werbeeinnahmen erstmals die Umsatzgrenze von einer Milliarde Dollar durchbrechen. Im Gesamtjahr 2010 könnte Facebook zwischen 1,2 und 2,0 Milliarden Dollar umsetzen, berichtet das „Wall Street Journal“ mit Verweis auf ungenannte Facebook-Manager. Aus Unternehmenskreisen verlautet, dass Facebook 2009 bei einem Umsatz von rund 800 Millionen Dollar bereits einen Nettogewinn im zweistelligen Millionenbereich erwirtschaftet hat. Legt Facebook nun einen ähnlichen Spurt hin wie Google, könnten am Ende des Jahrzehnts schon 25 oder 30 Milliarden Dollar Umsatz in der Bilanz stehen. Oder auch mehr.

Denn die Struktur von Facebook ist so offen, dass es neben Werbung auch andere Märkte besetzen kann, Märkte wie Social Games: Der Online-Spieleanbieter Zynga etwa setzt mit seinen populären Facebook-Spielen wie FarmVille und Mafia Wars bereits 350 Millionen Dollar jährlich um. Und Facebook kassiert mit, wenn die Spieler virtuelles Saatgut für ihre Bauernhöfe oder zusätzliche Waffen für den Bandenkrieg erwerben – in realen Dollar natürlich.

Rasantes Wachstum

Das Netzwerk könnte sich auch zu einer Bedrohung für Online-Händler wie Amazon und Ebay entwickeln: Durch die Verknüpfung mit fremden Web-Seiten können Nutzer möglicherweise schon bald via Facebook online auf Shopping-Tour gehen, ohne das soziale Netzwerk zu verlassen. Für den Vermittlungsdienst bekäme Facebook eine Umsatzprovision.

Das rasante Wachstum ist der wesentliche Grund dafür, dass die Facebook-Zentrale so nüchtern und provisorisch wirkt: Jeden Monat melden sich 30 Millionen neue Nutzer an – auch wenn das jüngste Plus im heimische US-Markt etwas mau war. Facebook beschäftigt mehr als 1400 Mitarbeiter, und es ist absehbar, dass das erst vor einem Jahr bezogene Hauptquartier bald schon aus den Nähten platzt. Denn bei seinem Vormarsch hat Facebook ein wichtiges Kapital: Es gilt bei den kreativen Köpfen im Valley als schwer angesagt.

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