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Soziale Netzwerke Was die Internet-Weltmacht Facebook antreibt

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Facebook-Produktdesigner Cuervo

„Facebook ist ungeheuer spannend“, sagt der 28-jährige Produktdesigner So-leio Cuervo, der es sich auf einem Sofa neben dem Schreibtisch bequem gemacht hat und Entwürfe für Facebook-Seiten auf einen Schreibblock kritzelt. 2005 stieß er zu Facebook und hatte schnell das Gefühl bei „einer neuen Internet-Revolution“ dabei zu sein.

Denn Facebook ist ein Phänomen, vergleichbar nur mit dem kometenhaften Aufstieg von Google. Zufall oder nicht – bei beiden spielte ein gebürtiger Deutscher Geburtshelfer. War es bei Google der bayrische Unternehmer Andreas von Bechtolsheim, der 1998 als erster Investor einen Scheck über 100.000 Dollar unterschrieb, gab bei Facebook der in Frankfurt geborene Hedgefondsmanager Peter Thiel im Sommer 2004 das erste Wagniskapital über eine halbe Million Dollar. Thiel hält heute noch drei Prozent an Facebook.

Später kaufte Microsoft 1,6 Prozent der Anteile, außerdem stiegen der russische Internet-Mogul Juri Milner sowie die deutschen Unternehmer-Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer ein. Nimmt man die Preise als Maßstab, zu denen ehemaligen Facebook-Mitarbeiter ihre Anteile zurzeit über Online-Vermittler wie Sharepost verkaufen, wäre das soziale Netzwerk heute 24 Milliarden Dollar wert.

Digitales Einwohnermeldeamt

Was macht Zuckerberg besser als die anderen, inzwischen als gescheitert geltenden Wettbewerber wie MySpace? Der Durchbruch kam, als der Harvard-Studienabbrecher im Herbst 2006 das bis dahin nur Studenten vorbehaltene soziale Netzwerk für jedermann zugänglich machte. Entscheidend war überdies, dass sich Facebook 2007 für Anwendungen von Drittanbietern öffnete: Externe Anbieter können eigene Softwareprogramme schreiben, die auf den Facebook-Seiten laufen. Waren es zum Start 85 solcher Applikationen, sind es drei Jahre später bereits 550.000 – und viele von ihnen saugen eigene Fangruppen an: Allein 70 Millionen virtuelle Landwirte ackern weltweit mit beim Bauernspiel FarmVille.

Das hält Facebook für viele frisch und spannend und lockt Menschen in Scharen an: Damit mauserte sich Facebook zu einer Art digitalem Nervensystem des Internets, zum Sprungbrett ins World Wide Web für eine halbe Milliarde Nutzer – und zugleich zu einem inoffiziellen digitalen Einwohnermeldeamt. Zählte das Netzwerk Anfang 2009 noch 150 Millionen Nutzer, hat es innerhalb von anderthalb Jahren seine Mitglieder mehr als verdreifacht – vor allem durch die internationale Expansion. Zwar führen die USA mit 125 Millionen Mitgliedern, das ist mehr als jeder dritte Einwohner. Doch mittlerweile sitzen 70 Prozent der Nutzer im Ausland.

Für die Werbeindustrie ist Facebook ein Traum. Niemand konnte sich vorstellen, dass Millionen von Leuten freiwillig ihr Foto ins Internet heben, garniert mit Namen, Geburtsjahr, Nationalität und als Dreingabe auch noch Interessen, Vorlieben, und den gesamten Freundeskreis verraten – alles ohne Bezahlung und ständig aktualisiert.

Baby-Fotos, Kaffee-Coupons und gratis Flugtickets

War Facebook früher von Kleinanzeigen teils zweifelhafter Anbieter dominiert, rollt nun die Welle der großen Markenanbieter auf das soziale Netzwerk zu. Ob BMW, Porsche, Audi, Starbucks, McDonald’s, Nike oder Adidas – alle sind auf Facebook mit einer eigenen Seite vertreten oder schalten Werbung.

Der Konsumgüterriese Procter & Gamble hat sogar ein eigenes Verbindungsbüro im Silicon Valley eröffnet, um seine Produkte stärker in sozialen Netzwerken zu präsentieren. Auf Facebook wirbt der Konzern für seine Pampers-Windeln und zählt bereits 300.000 Fans, die dort Fotos oder Videos ihrer Babys veröffentlichen. Starbucks verlost Coupons für seine Kaffeedrinks, Southwest Airlines verschenkt schon mal Freiflüge.

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