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Soziale Netzwerke Was die Internet-Weltmacht Facebook antreibt

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Facebook-Mitarbeiter

Dem Sog von Facebook, so zeigen Zahlen des Marktforschers Comscore, können sich die Werber nicht entziehen. 20 Prozent aller Internet-Werbeanzeigen in den USA werden bereits auf sozialen Netzwerken geschaltet, davon entfallen mehr als die Hälfte auf Facebook. Seit 2009 hat Facebook die Zahl seiner Werbekunden vervierfacht. 60 der 100 Unternehmen mit den größten Werbebudgets weltweit inserieren dort.

Und der Online-Anteil der Werbung dürfte noch viel größer werden: Erst fünf Prozent aller Werbe-Dollar entfallen auf Kampagnen im Web. „Hier kommen wir als Facebook ins Spiel“, sagt Tim Kendall, Director of Monetization und damit dafür zuständig, dass das Unternehmen mit den Gratisdiensten für Nutzer dennoch Umsätze macht. „Wir können garantieren, dass eine Anzeige beispielsweise nur von Frauen zwischen 20 und 30 Jahren in Nordamerika gesehen wird, die sich für Babykleidung interessieren“, verspricht Kendall. Zugleich werden nicht nur die potenziellen Mütter in die Kampagne einbezogen, sondern auch der Bekanntenkreis, der eventuell Babykleidung verschenken will. Die Anzeige taucht bis zu fünfmal am Rand der Startseite auf, bis sie durch eine andere ersetzt wird. Das funktioniert, weil die Startseite für jeden Facebook-Nutzer unterschiedlich erzeugt wird, also ungefähr so, als ob ein Fernsehsender für jeden seiner Zuschauer einen eigenen Kanal ausstrahlen würde.

Sympathie auf Knopfdruck

Doch die Träume der Werber werden noch bunter. Auf eigens von Firmen geschaffenen Facebook-Seiten kann man die Liebe für ein Produkt erklären, beispielsweise den beliebten Frappuchino von Starbucks. Kürzlich hat Facebook einen Sympathieknopf eingeführt, mit dem seine Nutzer, aber auch alle anderen Internet-Surfer zeigen können, welche Artikel, Produkte oder Web-Seiten ihnen gefallen.

Web-Seiten-Betreiber können den Knopf einbauen; mehr als eine Million von ihnen weltweit haben das bereits gemacht, in Deutschland unter anderem die Online-Version der „Bild“-Zeitung. Der „Gefällt mir“-Knopf reichert den Datenschatz von Facebook weiter an. Denn über jeden Klick erhält Zuckerberg eine virtuelle Rückmeldung. Ist ein Nutzer beim Knopfdruck gleichzeitig bei Facebook eingeloggt, kann das Unternehmen die bezeugte Vorliebe sogar präzise zuordnen und dokumentieren.

Neue Potenziale

Damit tun sich neue Potenziale auf. Zum einen kann Facebook mit diesen Daten eine Rangliste von Internet-Seiten und den darauf enthaltenen Informationen anlegen, also genau das, was Google mithilfe von Algorithmen macht. Der Vorteil wäre, dass Facebook menschliche Intelligenz einspannt und damit nicht in Konflikt mit Googles Patenten gerät.

Zudem kann Facebook seinen Werbekunden nicht nur sagen, wo sie auf dem sozialen Netzwerk inserieren müssen, sondern auch auf welchen externen Internet-Seiten sie am besten ihre Anzeigen platzieren. Dafür kassiert Facebook – ähnlich wie Google mit seinem Adsense-Programm – Provision.

Trotz aller Werbechancen ist zurzeit aber das wichtigste Ziel von Facebook, mehr Nutzer zu gewinnen. Profit aus ihnen kann man auch später noch schlagen. Denn je mehr Mitglieder das Netz hat, umso besser kann Facebook Werbekunden präzise auf ihr Anliegen zugeschnittene Zielgruppen bieten.

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